Gérard Boulay - Sancerre

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Boulay

„Ich kenne keine anderen Sancerres, die so viel Seele und so viel Energie, so viel Spannung und Ausdruck besitzen. Schon der mit dem gelben Etikett versehene Einstiegs-Level ist faszinierend.“ – Stephan Reinhardt (Parker)

„Die Weine sind kraftvoll, generös und eignen sich mit ihrer beispielhaften Konzentration zum Einlagern.“ – La Revue du Vin de France

„Die Boulays sind seit 1380 Weinbauern in Chavignol! Ihr Clos liegt auf einer seltenen reinen, aus Kimmeridge-Kalk bestehenden Verwerfung, was ihnen einen Wein von sehr hohem Salzgehalt und großer Reinheit beschert“. – Vigneron Mag

„Angesichts der kristallinen Klarheit seiner Sauvignon-Blancs ist er zu einem meiner Lieblingsproduzenten der Region geworden. Wenn Sie wissen wollen, wie echter Sancerre schmeckt, probieren Sie eine seiner Abfüllungen aus seinen Einzellagen. Besser geht's nicht! Sein Einstiegswein, den er „Tradition“ nennt und der die Hälfte seiner Gesamtproduktion ausmacht, bietet ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.“ – Joel B. Payne, Vinous

„Für meinen Geschmack gehört Gérard Boulay zweifellos zur Spitze der Erzeuger in Chavignol. Seine Weine haben eine lebendige Reinheit, eine ausgeprägte Reife, fühlen sich frei von jeglichem manchmal recht groben Sortencharakter und spiegeln die Böden wider, aus denen sie entstanden sind. Angesichts der Reinheit dieser Weine und ihres kühnen, rassigen Charakters frage ich mich in der Tat, ob er nicht ganz oben auf der Rangliste stehen sollte.“ – Chris Kissack, The Wine Doctor

Es gibt nur wenige Winzerfamilien, die ihre Wurzeln bis ins Jahr 1380 an einem einzigen Ort zurückverfolgen können. Doch die Boulays gehören dazu; denn ein gewisser Jean Boulay taucht im noch vorhandenen Grundbuch dieses Jahres auf – inklusive des Besitzes von Weinbergen. So zieht sich der Name durch die Jahrhunderte bis zu Gérard Boulay, seiner Frau Lucie und seinem Sohn Thibaut, der im Weingut mithilft, wenn Not am Mann ist, auch wenn er eigentlich eine Professur für Griechische Geschichte an der François-Rabelais-Universität in Tours innehat. Bis 1995 hat die Familie ihre Weine als Fassware an den bekannten Erzeuger Henri Bourgeois veräußert. Erst Gérard hat damit begonnen, Weine unter seinem Namen zu erzeugen und das Wagnis einer eigenen Vermarktung in die Hand zu nehmen. Damals war die Zeit günstig, denn das Gebiet erlebte einen großen Aufschwung. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass Sancerre außerhalb der Loire und von Paris bis in die 1960er Jahre hinein so gut wie unbekannt war und die Weine fast ausschließlich in der Region getrunken wurden. Seit dieser Zeit hat vor allem der Sauvignon Blanc einen enormen Aufschwung erlebt, und auch die bis heute kleinen Mengen an Pinot Noir werden immer begehrter – in roter wie in roséfarbener Form. Gérard Boulay hat sich mit seinen Weinen schnell einen Namen gemacht. Der Grund dafür dürfte neben der Ausprägung eines ganz eigenen Stils auch das Portfolio an exzellenten Lagen sein.

Dazu gehören Parzellen in ‚Les Monts Damnés‘, den verdammten Bergen, die für Loire-Verhältnisse wirklich ungewöhnlich steil sind. Die Frucht aus den steilen Parzellen fließt in den „Mont Damnés“ ein. Boulay besitzt jedoch zusätzlich noch als einer von nur drei Winzern 0,4 Hektar im Gewann ‚La Comtesse‘, aus dem ein Parzellenwein gleichen Namens entsteht. Hinzu kommt das Prachtstück des eigenen umfriedeten Weinbergs, des ‚Clos de Beaujeu‘ in Les Culs de Beaujeu. Dieser Weinberg ist ebenfalls steil und verfügt über eine Neigung von 70 % bei einer Ost-Südost-Ausrichtung, während die Parzelle im ‚Les Monts Damnés‘, die die gleiche kalkhaltige Beschaffenheit des Bodens aufweist, nach Süden ausgerichtet ist. Die Ausrichtung nach Osten bringt eine seltene Eleganz und Feinheit in die Sauvignon-Trauben des Clos, die sich allerdings erst nach ca. fünf Jahren im Wein ausdrückt. Im Laufe von zwanzig Jahren Flaschenentwicklung entwickelt sie sich zu Düften von weißem Trüffel.

Die Dritte Lage befindet sich in der Côte d’Amigny, die auch als ‚La Grand Côte‘ bezeichnet wird. Sie ist die kühlste Einzellage der Boulays und ist ebenfalls von Kimmeridge-Kalk geprägt.

Boulay besitzt zwölf Hektar Land, und mehr wollte er auch nie haben; denn so hat er die Übersicht und bewirtschaftet seine Weinberge zusammen mit vier angestellten Arbeitern. Zwei Hektar sind dem Pinot Noir vorbehalten, neun dem Sauvignon Blanc. Der Pinot Noir steht außerhalb Chavignols, vor allem in den Ortschaften Bué und Crézancy auf den sogenannten Caillottes. Dort findet sich ein eher lehmiger Boden mit Kalkschotter. Chavignol selbst ist vor allem durch die Terres blanches geprägt, einen Boden mit Kimmeridge- Kalkmergel, der auch im Chablis und der südlichen Champagne zu finden ist.

Boulays Reben sind älter als 45 Jahre, was eine Seltenheit im Sancerre ist. Die letzten Rebanlagen hat die Familie im Jahr 1972 gepflanzt und seit dieser Zeit nur einzelne Stöcke ersetzt. Die Pflanzdichte ist hoch und liegt bei rund 8.000 Stöcken pro Hektar. Gérard setzt auf kleine Hektarerträge, weshalb er von Beginn an stark beschneidet, statt später eine Grünlese durchzuführen, von der er nichts hält. Er verwendet weder chemische Herbizide noch Pestizide, ist auch kein Fan der Einbringung von Kupfer in die Weinberge, weshalb er lediglich im Falle von Mehltaubefall synthetische Mittel einsetzt. Zur Unkrautbekämpfung setzt er auf Bodenbearbeitung und Pflügen. Wer neben dem neuen Keller seine Weinberge besucht, findet dort alles voller Leben vor. Die Weinberge erinnern in manchen Jahreszeiten an Bergwiesen voller Kräuter und Blumen.

Im Keller arbeitet Gérard ausgesprochen zurückhaltend. Der Sauvignon Blanc wird sehr langsam mithilfe einer pneumatischen Presse bearbeitet, und der Saft darf sich dann absetzen und wird komplett spontan vergoren. Der „Tradition“ wird im Edelstahl vergoren, die anderen Weine im Fuder. Ähnlich ist es beim Ausbau. Der Basiswein reift zu 90 % auf der Feinhefe und zu 10 % im alten Holz, die Lagenweine reifen allesamt im neutralen Fuder und im Barrique auf den Hefen. In der Ruhe liegt bei den Boulays die Kraft. Die Sancerres reifen lange auf der Hefe, ohne dass diese jemals aufgerührt würde. Bei diesen Weinen passiert nichts mehr außer einer leichten Schwefelzugabe vor der Füllung und einer noch leichteren Filtrierung, falls das Gérard in manchen Jahren als notwendig erscheint.

Was uns an Gérards Weinen so gut gefällt, ist ihre Großzügigkeit und ihr einnehmendes, lebendiges und gleichsam heiteres Wesen. Gerade beim „Tradition“ zeigt sich dies von Beginn an. Die Lagenweine sind immer konzentriert, dabei aber nie laut. Sie sind präzise und klar wie der Winzer selber, der genauso zurückhaltend erscheint wie die Weine. Umso ausgewogener wirken sie jedoch und umso bleibender ist ihr Eindruck. Boulays Lagenweine gehören zum Größten, was es im Sancerre gibt, und es sind Weine, die eine exzellente Lagerungsfähigkeit besitzen. Im Alter nähern sie sich immer deutlicher den großen Chablis Grand Crus an, und zwar in ihrer Aromatik ebenso wie in ihrer Tiefe und Komplexität. Es ist eben doch das Terroir, das zählt und sich letztendlich durchsetzt.

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