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Esmeralda García - Santiuste de San Juan Bautista - Castilla y Léon

Esmeralda García – Hüterin eines fast verlorenen Verdejo-Erbes

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Region
Castilla y Léon

Vergessen Sie alles, was Sie über Verdejo zu wissen glauben.
Verdejo gehört heute zu den bekanntesten weißen Rebsorten Spaniens. Millionenfach abgefüllt, weltweit verkauft und meist mit einem klaren Stilversprechen verbunden: frisch, unkompliziert und leicht zugänglich. Doch diese Erfolgsgeschichte erzählt nur einen Teil der Wahrheit.

Zwischen dem modernen Verdejo aus Rueda und den Weinen von Esmeralda García liegen nicht nur geschmacklich Welten, sondern auch zwei grundverschiedene Vorstellungen davon, was Herkunft im Wein bedeuten kann. Während die Rebsorte vielerorts zum Markenzeichen wurde, richtet Esmeralda den Blick auf das, was davor kommt: auf die Landschaft, die alten Weinberge und die Menschen, die sie über Generationen bewahrt haben.

Ihre Verdejos erzählen nicht die Geschichte einer Rebsorte. Sie erzählen die Geschichte eines Ortes.

Die Heimat.
Esmeralda García arbeitet in Santiuste de San Juan Bautista, einem Dorf mit kaum 500 Einwohnern im Norden der Provinz Segovia, nahe der Grenzen zu Valladolid und Ávila. Hier, auf der kastilischen Hochebene zwischen Pinienwäldern, Feldern und Flussläufen, befinden sich einige der ältesten Verdejo-Weinberge Spaniens. Viele Reben sind wurzelecht, prä-phylloxerisch und über 200 Jahre alt – ein seltenes kulturelles Erbe, das anderswo längst verschwunden ist.

Die Weinberge liegen auf einer Höhe von 800 bis 890 Metern über dem Meeresspiegel. Umgeben von Getreidefeldern, Kiefernwäldern und den weiten Ebenen der Meseta, wirken sie heute wie Relikte einer vergangenen Zeit. Die Industrialisierung der Landwirtschaft und politische Förderprogramme zur Rodung alter Rebanlagen haben dazu geführt, dass die historischen Buschreben nur noch einen kleinen Teil der Kulturlandschaft ausmachen. Gerade deshalb kommt ihnen heute eine besondere Bedeutung zu.

Die Familie.
Die Geschichte dieser Weinberge ist auch Esmeraldas eigene Geschichte. Sie wurde in Segovia geboren und wuchs in Santiuste auf. Als Kind verbrachte sie ihre Tage zwischen den Reben und den umliegenden Pinienwäldern. Ihr Großvater Boni, der die Familienweinberge bewirtschaftete, brachte ihr nicht nur das Radfahren im Weinberg Carrascal bei, sondern vermittelte ihr auch den Respekt vor den alten Reben und den besonderen Lagen des Dorfes.

Vor allem die kleine Parzelle Las Miñañas, einst die erste Weinbergsfläche ihrer Großeltern, prägte sie nachhaltig. Die Lage trägt bis heute den Spitznamen ihrer Familie und begleitet Esmeralda seit ihrer Kindheit. Was einst der Weinberg ihrer Großeltern war, ist heute die Grundlage ihres persönlichsten Weins.

Das Erbe.
Nach ihrem Weinbaustudium und Stationen bei renommierten Winzern Spaniens kehrte Esmeralda 2012 in ihre Heimat zurück, um das Familienerbe fortzuführen. Heute bewirtschaftet sie rund fünf Hektar uralter Verdejo-Reben.

Die jüngsten Stöcke sind etwa 130 Jahre alt, viele deutlich älter, einige sogar über 220 Jahre. Sie wurzeln tief in kalkhaltigen Sand-Lehm-Böden, deren Struktur und Tiefe den Reben halfen, die Reblauskatastrophe des 19. Jahrhunderts zu überleben. Während große Teile Europas ihre Weinberge neu bepflanzen mussten, blieben diese alten Biotypen erhalten und vermitteln bis heute ein einzigartiges Bild der historischen Verdejo-Rebe.

Die niedrigen Pflanzdichten von rund 1.000 Rebstöcken pro Hektar, die traditionelle Buschform und die enorme Lebenserfahrung der Pflanzen verleihen den Weinen eine Konzentration und Eigenständigkeit, die mit jungen Anlagen kaum erreichbar sind.

Das Klima.
Das Klima der Region ist extrem kontinental. Die Winter sind lang und kalt, mit Nachttemperaturen bis zu -12 °C, während die Sommer trocken und erbarmungslos heiß werden. Tagsüber werden regelmäßig 35 bis 40 °C erreicht, nachts fallen die Temperaturen oft um 15 bis 20 Grad.

Diese enorme Temperaturdifferenz bewahrt die Frische der Trauben und sorgt trotz der Hitze für bemerkenswerte Balance. Alkohol, Säure und phenolische Reife entwickeln sich hier ungewöhnlich harmonisch.

Gleichzeitig werden die Herausforderungen größer. Während früher rund 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr fielen, sind es heute oft nur noch etwa 400 Millimeter. Die alten Reben begegnen diesem Stress mit tiefreichenden Wurzelsystemen und bemerkenswerter Widerstandskraft. Dennoch bleiben die Erträge äußerst niedrig. Je nach Jahrgang und Parzelle entstehen meist lediglich 1.500 bis 3.000 Kilogramm Trauben pro Hektar.

Tradition aus Überzeugung.
Im Weinberg arbeitet Esmeralda kompromisslos naturnah. Auf Herbizide, Pestizide, synthetische Dünger und Bewässerung verzichtet sie vollständig. Die Arbeit orientiert sich an den traditionellen Methoden früherer Generationen und an der Überzeugung, dass Herkunft nur sichtbar wird, wenn der Mensch möglichst wenig eingreift.

Diese Haltung setzt sich im Keller fort. Alle Trauben werden von Hand gelesen. Nach einer kurzen Maischestandzeit erfolgt eine langsame Pressung, bevor die Moste spontan mit den natürlichen Hefen vergären. Je nach Wein und Herkunft kommen Edelstahltanks, Tonamphoren oder traditionelle Sherryfässer zum Einsatz.

Die Weine werden weder geschönt noch filtriert und ohne Zusatzstoffe abgefüllt. Nicht aus modischen Gründen, sondern weil Esmeralda überzeugt ist, dass ihre Weinberge bereits alles mitbringen, was ein großer Wein benötigt.

Herkunft ohne Siegel.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich Esmeraldas Verständnis von Herkunft in ihren einzelnen „Vinos de Paraje“. Während vielerorts die Rebsorte im Mittelpunkt steht, denkt sie konsequent in Orten und Lagen.

Carrascal, auf 880 Metern Höhe gelegen, steht für Kraft, Struktur und Tiefe. Vallejo zeigt sich geradlinig, herb und energiegeladen. Fuentecilla bringt die feinere und luftigere Seite des Verdejo hervor. Vayuste, umgeben von Pinienwäldern am Rand des Voltoya-Flusses, vereint salzige Frische mit beeindruckender Präzision.

Über allem steht Las Miñañas. Die kleine Familienparzelle liegt innerhalb des Carrascal-Gebiets, besitzt jedoch einen ganz eigenen Charakter. Ein unterirdischer Wasserlauf des Salmoral mildert hier die Kraft der Lage und verleiht dem Wein eine bemerkenswerte Eleganz. Für Esmeralda ist Las Miñañas mehr als nur ein Weinberg. Es ist der Ort ihrer Kindheit, ihrer Familiengeschichte und ihres heutigen Schaffens.

Auch die Weine Michiko und Michika erzählen von Esmeraldas Herkunft. Sie verbinden ihre mütterlichen Wurzeln in Segovia mit den familiären Verbindungen nach Cádiz und greifen traditionelle Methoden des Ausbaus unter Florhefe auf. Damit schlägt sie eine Brücke zwischen den historischen Weißweinen Zentralspaniens und den großen biologisch gereiften Weinen Andalusiens.

Während sich die Appellation Rueda zunehmend modernisiert und internationale Stilistiken adaptiert, wirken Esmeralda Garcías Weine wie ein Blick in eine andere Zeit. Sie sind keine nostalgischen Rekonstruktionen, sondern lebendige Zeugnisse einer Landschaft und einer Kultur, die beinahe verloren gegangen wären.

Esmeralda García bewahrt kein Museum. Sie bewirtschaftet ein lebendiges Stück spanischer Weingeschichte. Ihre Weine zeigen nicht, wie Verdejo heute schmeckt – sondern warum diese Rebsorte überhaupt berühmt geworden ist.

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