Elio Altare - Piemont

In jungen Jahren Revoluzzer, Querdenker und Erneuerer des Barolo – Heute weiser Winzermagier, lebender Mythos und einer der sympathischsten Persönlichkeiten der gesamten Wein-Welt. Seine großen Baroli gelten, Jahrgang für Jahrgang, als Inbegriff höchster Winzerkunst!

Bei meinen Besuchen im Piemont, dieser atemberaubend schönen Landschaft und Heimat des Barolo, habe ich keinen anderen Winzer kennen gelernt, der auf so sympathische, authentische, bescheidene und zugleich charismatische Weise die Seele des piemontesischen Weinbaus widerspiegelt, wie „der Philosoph des modernen Barolo”, Altmeister Elio Altare. Erst vor einigen Wochen hatte ich wieder das große Vergnügen, einige Stunden im Kreis der Familie Altare in diesem kleinen, aber weltbekannten Weingut in Annunziata, einem Ortsteil von La Morra, zu verbringen. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, kam Elio mit großer Herzlichkeit auf uns zu und lockte uns ganz aufgeregt in die Garage seines Hauses, nicht ohne uns vorher einen großen Schatz anzukündigen.

Die Tür öffnete sich langsam und vor unseren Augen erschien ein wunderschöner, schwarz-glänzender Oldtimer, ein Fiat Balilla. „Mit diesem Auto, das schon meinem Vater gehörte, habe ich vor einigen Wochen meine jüngste Tochter Elena zur Hochzeit nach La Morra gefahren”, erzählt uns Elio mit bewegter Stimme eines überaus stolzen Vaters. „Ich habe monatelang an dem Auto rumgebastelt, um es für diesen großen Augenblick wieder zum Laufen zu bringen und stellt euch vor, es hat tatsächlich geklappt und das Auto hat mich und Elena, zwar im Schneckentempo, aber sicher, den Berg hinauf nach La Morra zur Kirche gebracht.” Und dann erzählt uns Elio die ganze Geschichte dieses Fiat Balilla, mit dem sein Vater am 11. November 1950 von Dogliani aus zu diesem herrlichen Fleckchen Erde nach Annunziata aufgebrochen ist, um hier für sich und seine Familie eine neue Existenz aufzubauen.
„Alles was wir besaßen, hat in dieses winzige Auto gepasst und dazu noch mein Vater Giovanni, meine Mutter Maria, mein Bruder Giuseppe, meine Schwestern Adele und Gemma und schließlich auch ich noch, damals gerade mal zwei Monate alt.” Elio erzählt dann weiter, von den schweren Jahren seiner Kindheit und Jugend, der harten Arbeit in den Weinbergen und der ständigen Angst seines Vaters, im Herbst genügend Trauben ernten zu können, um durch deren Verkauf an Händler (Heute kaum noch vorstellbar, aber damals verkauften die Weinbauern aus einer Region, die heute zu den großen, mythischen Weinbauregionen der Welt zählt, ihre Trauben lose an einige wenige Händler, die eine Monopolstellung besaßen!) die Familie ernähren zu können.
„Das war alles furchtbar frustrierend. Stell Dir vor, Du schuftest ein ganzes Jahr, Tag für Tag, Du ruinierst Deine Gesundheit mit allen möglichen Chemikalien, nur um hohe Erträge zu haben und dann hast Du auch noch eine gute Lese, aber niemand will Dir einen anständigen Preis dafür zahlen, weil der Barolo sich einfach in den 70er Jahren nicht verkaufen lies. Nicht einmal die Trauben des großen Jahrgangs 1975 wollten die Händler haben. Wir hatten damals ein Verlierer-Image und verarmten immer mehr.”

Während Elio erzählt, spiegelt sich auf seinem Gesicht die ganze Anstrengung dieser bitteren Jahre wieder, aber plötzlich wandelt sich die Anspannung in Hoffnung und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Und dann bin ich 1976 mit meinem Freund Alfredo Roagna ins Burgund gefahren, die Region der größten reinsortigen Rotweine der Welt. Wir wollten wissen, wie es möglich ist, aus einer Rebsorte, die unserem Nebbiolo in vielem doch so ähnlich ist, so wundervoll elegante, authentische und charakterstarke Weine zu machen. Was wir gesehen haben, war so einfach wie bestechend: Radikale Mengenreduzierung im Weinberg und Verzicht auf jegliche Chemikalien, sauberere Vinifikation und schonender Ausbau in kleinen Holzfässern.” Infiziert von diesen „modernen” Ideen – heute das Credo vieler großer Rotweinwinzer in aller Welt – kam Elio dann zurück nach Hause, löste sich radikal von allen einschränkenden Fesseln der Vergangenheit und begann sogleich, kompromisslos seine „französischen Ideen” umzusetzen.
Er riss ertragsstarke Weinstöcke heraus, reduzierte die Menge der Erträge („Qualität im Weinberg ist alles”) durch radikale Selektion und schaffte die ersten kleinen Barrique-Fässer („Fast alle großen Rotweine der Welt kommen aus dem Barrique, das aber nie den Wein dominieren darf. Wein darf nie nach Holz schmecken!”) an, die er selbst mit einem kleinen LKW nach Frankreich einkaufen ging. Aber Elios Vater verstand die Welt nicht mehr. Er hatte Angst um die Zukunft seiner Familie und während Elio voller Tatendrang und Hoffnung seinen neuen eigenen Weg gehen wollte, sah Giovanni Altare keinen anderen Ausweg, als seinen „verrückt gewordenen” Sohn (der mit einer Motorsäge in einer Nacht- und Nebelaktion die alten Fässer seines Vaters zersägte!) vom Erbe auszuschließen.
„Leider haben wir uns nicht mehr versöhnen können, aber ich glaube, mein Vater wäre heute stolz auf mich. Gott sei Dank hatte ich damals bereits einige Erfolge und zwei Schwestern, die überhaupt kein Interesse an den Weinbergen hatten und so kam ich dann doch in den Besitz dieser wunderbaren Terroirs und konnte meine Ideen Schritt für Schritt umsetzen und verfeinern.”

Und das ist Elio in den letzten Jahrzehnten wahrlich gelungen. Im Gambero Rosso wird er als sympathische Respektperson und einer der größten Persönlichkeiten und besten Winzer des gesamten italienischen Weinbaus gefeiert. Auch im Veronelli, dem Wine Spectator oder bei Robert Parker gehören die großen Terroirweine von Elio Altare stets zu den besten des Piemont. Und alle seine Gewächse spiegeln die ebenso einfache, wie bestechende Idee von Elio Altare wieder. „Ich mag weder unnahbare Denkmale noch kraftstrotzende Geschmacksmonster. Ich will ehrliche Weine machen, die geprägt sind vom Charakter ihrer Region, die elegant sind, großes Trinkvergnügen bereiten und sich bei Tisch wie von selbst trinken und davon will ich Euch jetzt kosten lassen.”

Mit diesen Worten führt Elio uns in seine kleine Probierstube mit der wunderbaren Aussicht über den Hausweinberg Arborina und beim Hereingehen fällt mein Blick auf zwei kleine Tafeln an der Wand, die so typisch sind für Elios Weinphilosophie und die seine harten Anfangsjahre widerspiegeln, als sein Vater und viele Traditionalisten seine Ideen als Irrweg abkanzelten. Auf der einen Tafel steht: „Um nicht zu sagen, dass ein Wein von minderwertiger Qualität ist, wählen wir den bequemen Weg und nennen ihn typisch”. Und auf der Tafel darunter heißt es: „Eine Tradition ist eine Innovation, die sich bewährt hat”. Und um diese so treffende Verbindung von Tradition und Innovation noch zu unterstreichen, hängt ganz in der Nähe ein Foto von Elio in herzlicher Umarmung mit dem großen Traditionalisten des Piemont, der leider verstorbenen Winzerlegende Bartolo Mascarello.

„Io sono viticoltore” (Ich bin Weinbauer), sagt Elio plötzlich ganz entschieden und voller Stolz, als er unseren Blick auf das gemeinsame Photo mit Bartolo entdeckt. „Ich bin kein Weinmacher und kein Weinagent und schon gar keiner dieser Weinindustriellen, welche in völlig unverantwortlicher Weise heute immer noch die Erde mit Dünger und Pestiziden kaputt machen, io sono viticoltore, ich lebe hier in einer einzigartigen Region, mit einzigartigen Rebsorten, arbeite heute wie früher selbst im Weinberg und meine Aufgabe ist es, diese Einzigartigkeit meines Terroirs mit meinen Händen im Weinberg zu fördern. Im Weinberg wird der Wein gemacht und nicht im Weinkeller. Im Weinkeller geht es nur noch darum, die Trauben möglichst schonend und sauber zu vinifizieren und ihnen die besten Möglichkeiten der Entwicklung zu gönnen. Und die beste Möglichkeit der Lagerung für die größten Rotweine der Welt ist nun einmal das Barrique, das aber niemals den Barolo dominieren darf!”

Wahrlich: Elio Altare ist über Jahrzehnte unbeirrt einen langen Weg gegangen, seinen ureigenen Weg, der alles andere als leicht war. Früher angefeindet als „Modernist”, gilt er heute in der gesamten Weinwelt als genialer Winzer, der die Tradition des Piemont mit einer modernen Weinbereitung höchst handwerklicher Art versöhnt hat. Elio Altare war stets in seinem Leben Quer- und Vordenker, ja Revoluzzer, heute ist er lebendes Mythos und wohl der höchst respektierte Winzer des Piemont. Und er ist auch einer der sympathischsten Persönlichkeiten der gesamten Wein-Welt. Seine großen Weine gelten heute, Jahrgang für Jahrgang, als Inbegriff höchster Winzerkunst: Großer Piemonteser Wein kann vielleicht anders schmecken, aber niemals besser!

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