Bartolo Mascarello - Piemont

Der letzte Mohikaner


Sein Name ist Programm: Zusammen mit dem leider verstorbenen Giovanni Conterno und Bruno Giacosa zählt Bartolo Mascarello, ein hochgebildeter und der Wahrheit verpflichteter Humanist, zu den berühmten Traditionalisten des Piemont, dem „Land am Fuße der Berge”. Hier in Barolo verbrachte Mascarello sein gesamtes Leben, in seinem kleinen Haus und in seiner kleinen altmodischen Kellerei, stets bemüht, die Familientradition fortzusetzen, ohne jemals, und dies klingt fast unglaublich bei seiner Erfolgsgeschichte, den Verlockungen des Ruhmes oder des Geldes zu erliegen.

Seit jeher besitzt seine Familie die gleichen exzellenten, ökologisch bewirtschafteten Weinberge („das schönste Fleckchen Erde auf der Welt”) mit alten Rebstöcken, die er mindestens so hegt und pflegt wie seine Kinder und seit jeher macht er nur EINEN einzigen, streng selektierten Wein aus kleinen Erträgen, der die komplexen Aromen seiner unterschiedlichen, hochwertigen Terroirs (Cannubi, San Lorenzo, Rué, Rocche di Torriglione) in unnachahmlicher Harmonie in sich vereint: Einzellagen- oder gar Barriqueausbau hasst er zumindest ebenso wie die Jagd nach Journalistenpunkten.

„Ich bin kein Konservativer, aber ein Traditionalist”, erläutert Mascarello seine Lebensphilosophie. „Alles, was die voran gegangenen Generationen gemacht haben, sollte man respektieren. Dies ist Teil unserer Wurzeln, die wir niemals vergessen dürfen.
Natürlich war früher auch nicht alles gut in unserer Region: Die Weinbauern waren zumeist sehr arm, zudem gab es über Jahrzehnte Panschereien mit süditalienischen Billigweinen bei Banditen, die sich Barolowinzer schimpften. Aber was heute im Piemont geschieht, ist auch nicht mehr meine Welt:

Die Amerikaner wollen einen schwarzen Wein haben, der nach Eichenholz schmeckt und viele unserer Winzer äffen diesen internationalen Stil nach. Doch mein Barolo soll den Duft, die Aromen und den Geschmack unseres Landstriches tragen. Mir tut es leid, wenn die „fortschrittlich” genannten Winzer einen Wein machen wie ihre Kollegen in Kalifornien, Australien oder Chile. Moderne Kellertechnik ist Verrat an den Traditionen unserer Vorfahren und unserer glorreichen Geschichte.
Ein Baroloproduzent sollte authentischen Barolo erzeugen, denn ein Kunde, der einen Wein trinken will, der nach Cabernet schmeckt, kann diesen in Bordeaux oder Australien kaufen. Vielleicht bin ich so etwas wie der letzte Mohikaner, aber ich mache einen traditionellen Wein für Feinschmecker, der gereift so schmeckt, wie ein großer Barolo schon immer geschmeckt hat: ein unvergleichlicher Duft nach verwelkten Rosenblüten und Veilchen, aber kein Hauch von Barrique oder Vanille”.

Trotz seiner körperlichen Gebrechen gibt sich Mascarello, der im doppelten Wortsinne (körperlich wie seelisch-geistig) große alte Mann aus dem Piemont immer noch kämpferisch und unbequem, ein prinzipientreuer, vehementer Streiter gegen alle restaurativen Tendenzen in Staat und Gesellschaft („No Barriques, no Berlusconi”, „Il ne faut pas faire des barriques, mais des barricades, Robespierres”, diese selbst gezeichneten, künstlerisch anspruchsvollen Etikettenaufschriften machten den zornigen Mahner weit über seine Fangemeinde hinaus berühmt).

Wenn er sich wortgewandt und vehement für handwerklich und traditionell hergestellte Weine einsetzt, so schlägt doch sein großer 2000er Barolo selbst im Glase eher leise und sanfte Töne an: Dieses traumhaft schöne Gewächs aus hervorragendem Jahr scheint wie die Inkarnation eines Weinstils, den es in seiner puristischen Reinheit heutzutage kaum mehr gibt, den ich persönlich aber immens schätze und liebe: Mit einer solchen Flasche einzigartigen Weines verbringe ich gerne einen ganzen Abend, lasse mich faszinieren von der Entwicklung der komplexen aromatischen Düfte und Aromen und genieße es einfach nur – zu genießen.

Alle Freunde tiefdunkler, „fetter”, opulenter Weine seien gewarnt: Sie werden von diesem Barolo kaum begeistert sein, ebenso wenig wie Daniel Thomases, der seit dem Jahrgang 99 offiziell für Parker im Piemont die Weine verkostet und im WINE ADVOCATE bewertet. (Insider munkeln, er täte dies inoffiziell bereits länger). Er hat an Mascarellos Wein, der sich zudem in seiner Jugend immer sehr verschlossen zeigt, keinen großen Gefallen gefunden.
Aber ich verspreche: Liebhaber nobler Gewächse, die in großen Regionen angebaute, burgundisch inspirierte, klassische Weine suchen, denen die modernen, häufig leider bis ins Klebrig-Süßliche abgleitenden Fruchtbomben nicht (mehr) schmecken, finden hier eine phantastische Alternative, für mich die betörende Seele gar des faszinierenden Piemonteser Terroirs in diesem komplexen Wein des großen Weinmachers mit seiner unverwechselbaren Schiefermütze!

Bartolo Mascarello mag manchen Menschen vielleicht ein wenig antiquiert in seinen Ansätzen erscheinen, doch unbeugsam und stolz verkörpert dieser Freigeist und Querdenker DIE Institution traditioneller Piemonteser Weinbaukunst.

Eine große Bereicherung unseres Programms!

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