Telmo Rodriguez - Alicante

„Weine mit Seele!“

Rodriguez

Ladeiras do Xil, Telmos Engagement in Galiciens Hinterland

“Ladeiras do Xil”, übersetzt aus dem Galicischen, bedeutet ‚die Hänge des Flusses Sil‘. Mit diesen Informationen füttern wir unser Navigationssystem und landen punktegenau in der galicischen Appellation Valdeorras. Dieses mit ca. 1.300 ha Rebfläche recht kleine Weinbaugebiet ist eines von fünf galicischen Gebieten neben Rías Baixas, Monterrei, Ribeiro und dem direkten Nachbarn Ribeira Sacra, die mit dem begehrten Status D.O. „Denominación de Orígen“ aufwarten können, also Qualität fordern und fördern durch strikte Richtlinien und Kontrollmechanismen.

Der Fluss Sil bildete über viele Jahrhunderte eine wichtige Lebens- und Transportader für die Menschen der Region. Mit 228 km Länge ist er der größte Nebenfluss des etwas berühmteren Miño, der jedoch paradoxerweise weniger Wasser führt als sein Zufluss. Die Römer betrieben hier Goldminen, daher rührt auch der Name der Appellation „Valdeorras“, zu deutsch ‚das goldene Tal‘. Zudem kultivierten die Römer hier auch schon Wein. Nur etwa 50 km Luftlinie westwärts befinden sich die Gestaden des Atlantiks. Dennoch ist Valdeorras die wärmste und trockenste Region Galiciens, wobei es mit 850 bis 1.000 mm Niederschlag im Jahresschnitt immer noch deutlich feuchter ist als beispielsweise in der Hansestadt Hamburg.

Die katholische Kirche, genauer eine Vielzahl von Klöstern, hatten historisch immensen Einfluss auf den Weinbau in dieser Region (wie auch im übrigen Spanien). Die größte Kraftanstrengung haben aber die Menschen hier vollbracht, um die steilen Hänge an den Ufern des Sil urbar zu machen. Noch vor 30 Jahren verschlug es kaum Auswärtige in die Region, zu beschwerlich war die Anreise und die Infrastruktur auf sagen wir einmal moderatem Niveau. Alles in allem kein einfacher Ort, wahrlich eine echte Herausforderung. Und genau dies ist das Stichwort, auf das kein zweiter in Spaniens Weinwirtschaft so schnell reagiert wie Telmo Rodríguez.

Telmo der Visionär.
Telmo, im Baskenland geboren und in Bordeaux ausgebildet, führte schon als junger Mann das Familienweingut Granja Nuestra Señora de Remelluri in Labastida (Rioja Alavesa). 1994 verließ er Remelluri und gründete gemeinsam mit Pablo Eguzkiza die Compañia de Vinos Telmo Rodríguez. Eine Bürgschaft des Vaters über stolze 3.000 Euro war sein ganzes Startkapital. Er engagierte sich neben den bekannten Appellationen Rioja (ab 1998) und Ribera del Duero (ab 1998) vor allen Dingen in den Regionen, die bis dato kaum jemand auf dem Schirm hatte, in denen aber ein besonderes Potenzial schlummerte. Ein gutes Beispiel dafür ist Telmos Projekt in Cebreros in der Sierra de Gredos. Als Telmo 1999 dort ankam, gab es außer runtergekommenen Genossenschaftskellereien nichts. Heute gilt die Grenache der Region als die beste des Landes, auf Augenhöhe mit den großen Vorbildern von der Rhône. Neben Telmo haben sich nach ihm Bernabeleva (seit 2006), Comando G (seit 2008) und Dani Landi (seit 2011) zu weltweit gefragten Spitzenbetrieben entwickelt.

Telmo ist Macher, Vordenker, Motivator und Förderer. Als unruhiger Geist setzt er sich schon lange vehement für Spaniens größten Schatz ein: alte Rebanlagen auf besonderem Terroir. Nur logisch, dass Telmos Weg unweigerlich auch zu den steilen Hängen am Sil führen musste. Vor fast 20 Jahren, genauer im Jahr 2001, startete das Abenteuer „Ladeiras do Xil“. Glücklicherweise hat Telmo wenig von einem spanischen Konquistador und dessen Gebaren fern der Heimat. Telmos Charakter erinnert sehr an Alexander von Humboldt, immerzu reflektierend, mit wachen Augen und Wissensdurst gesegnet, ein toller Diskussionspartner und Mensch mit Weitblick. Diese Eigenschaften zeichnen Telmo besonders aus und sind zudem überlebenswichtige ‚Soft Skills‘ im spanischen Hinterland. Es braucht Zugang zur einheimischen Bevölkerung, ohne deren Insiderwissen und Hilfsbereitschaft gerade in abgelegenen Weinbauregionen nichts geht. Anders als auf der D974, wo man zwischen Dijon und Beaune unweigerlich an den besten Crus des Burgunds vorbeifährt, findet man im Valdeorras ohne Scout nicht mal einen einzigen Weinstock. Telmo selbst betont daher gerne, dass seine eigentliche Arbeit im Valdeorras nur unter Anleitung der örtlichen Winzer erfolgen konnte.

Der Weinbau auf den steilen Hängen und ihren Terrassen ist extrem hart, der Weg dorthin alleine schon ein echtes Abenteuer. Umso nachvollziehbarer, das die Bewirtschaftung vieler Terrassen schon vor langer Zeit aufgegeben wurden. Telmo wusste sehr genau um die schwierigen Umstände, erkannte aber auch die sich bietende Chance auf erstklassige und besondere Weine an diesen magischen Orten. Heute erstreckt sich die Arbeit von „Ladeiras do Xil“ über 28 ha bestes Rebland, verteilt über die Gemeinden Santa Cruz, Larouco und As Ermitas. Wer Telmo kennt, weiß um seinen Sinn für nachhaltige Schönheit, daher sind 8 ha Rebland kultiviert in traditioneller Buscherziehung und bereits ökologisch zertifiziert. Die anderen 20 ha werden ebenfalls ökologisch bewirtschaftet, befinden sich allerdings noch im Zertifizierungsprozess. Gearbeitet wird hier konsequenterweise mit den autochthonen alten Sorten der Region, die auf Schiefer, Granit und Sandböden wachsen. U. a. trifft man hier vielleicht erstmalig auf folgende Trauben: Merenzao, Mencia, Sousón, Brencellao, Godello Tinto, Garnacha Tinta, Treixadura, Godello, Doña Blanca und Palomino.

Godello ist dem versierten Spanienkenner vielleicht noch am präsentesten. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, das viele in Deutschland bei Valdeorras schnell an die Weißweine von Rafael Palacios oder Valdesil denken und bei Rotweinen gerne zu den direkten Nachbarregionen Ribeira Sacra (im Westen angrenzend) und Bierzo (im Osten angrenzend) mit ihren berühmten Mencia-Weinen schielen. Aber auch hier überrascht uns Telmo ein weiteres Mal und klärt auf: „Falcoeira, As Caborcas und O Divisio haben uns geholfen, die Komplexität dieser Region besser zu verstehen.“ Das Resultat sind drei irrsinnig eigenständige Rotweine, die heute zu den begehrtesten Spaniens zählen, aus drei magischen Lagen in einem Tal, das bisher mit Weissweinen glänzte.

Kommen wir abschließend kurz wieder zum Ausgang unseres Exkurses und bemühen unser Navigationssystem ein letztes Mal. Telmo hat kürzlich einen alten Pazo (Gutshof) erworben, um den Weinen von „Ladeiras do Sil“ ein passendes Dach zu bieten. Dieser Pazo befindet sich in Valvuxan. Unser Navigationsgerät findet keinen Treffer, hat Telmo in humboldtscher Manier einen weiteren bisher unbekannten magischen Ort für uns entdeckt?

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