Weingut Dr. Bürklin-Wolf – Wachenheim

Weingut Dr. Bürklin-Wolf – Wachenheim

Dr. Bürklin-Wolf erzeugt trockene Spitzenrieslinge aus den wertvollsten Lagen Deutschlands

Buerklin-Wolf

5 SterneVinum Weinguide Deutschland 2022
5 Trauben – Gault&Millau Weinguide Deutschland
1597 gegründet
Biodynamisch zertifiziert seit 2008
Biodyvin-Mitglied seit 2005

„Dieses Weingut in Wachenheim ist einer der größten und bedeutendsten privaten Weinproduzenten Deutschlands und bietet einige der größten

Das Weingut Dr. Bürklin-Wolf zählt eindeutig zu den Flaggschiffen der Pfalz und nimmt in der Geschichte des deutschen Weinbaus eine Pionierstellung ein. Nicht nur, dass hier bereits seit 1597, also über 400 Jahren Weinbau betrieben wird – und dies weiterhin in Familienhand – zählt zu den Besonderheiten des Guts. Allein die schiere Fläche an allerbesten Grand-Cru-Lagen, die in ihrer heutigen Ansammlung zu erwerben undenkbar wäre zeigt, dass hier seit Generationen Weinbau auf allerhöchstem Niveau betrieben wurde. Wer heute von den legendären Lagen wie Kirchenstück, Pechstein und Ungeheuer hört, denkt unweigerlich auch ans Weingut Dr. Bürklin-Wolf.

Lagen & Historie
Das eigentliche Weingut, wie wir es heute kennen, entstand erst 1875 durch Heirat und der Zusammenführung der Betriebe von Geheimrat Dr. Albert Bürklin – Vizepräsident des deutschen Reichstages, Generalintendant des badischen Hoftheaters Karlsruhe sowie Präsident der Goethegesellschaft in Weimar – und Luise Wolf, Erbin einiger der besten Lagen der Pfalz. Ausgebaut und in seiner internationalen Stellung gefestigt wurde das Gut durch den gleichnamigen Großneffen, Ökonomierat Dr. Albert Bürklin, der 1924 den Gesamtbesitz erbte und vor allem für den mühevollen Wiederaufbau der Pfälzer Weinkultur nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich zeichnete.

Zu den 86ha, die das Gut heute selbst und bewusst ohne Zukauf bewirtschaftet, zählen Weine der vier Gemeinden Wachenheim, Forst, Deidesheim und Ruppertsberg. Darunter befinden sich ganze acht der legendärsten Große-Gewächs-Lagen, die hier – analog zum Vorbild Frankreich – als Grand Crus (kurz „G. C.s“) bezeichnet werden: In Forst die wohl berüchtigste Rieslinglage der Pfalz, das Kirchenstück (0,54 Hektar) sowie die Flagschiffe Pechstein (1,71 Hektar), Jesuitengarten (0,59 Hektar) und Ungeheuer (0,93 Hektar), in Ruppertsberg der Reiterpfad und die Monopollage Gaisböhl (7,55 Hektar, Pflanzjahr 1977) sowie der Langenmorgen, Hohenmorgen und Kalkofen in Deidesheim.

Philosophie & Vinifikation
Die generelle Ausrichtung und die wegweisenden Schritte, die das Bild des heutigen Guts zeichnen, verdanken wir Bettina Bürklin-von Guradze. Die älteste Tochter Dr. Albert Bürklins übernimmt 1990 das mütterliche Weingut und führt es bis heute in Familienhand fort. Was dann geschieht, ist nichts weniger als die Einnahme einer der Vorreiterrollen des nachhaltig ökologischen Weinbaus in Deutschland sowie die Pionierarbeit am Gedanken des heutigen „Großen Gewächses“ wie wir es vom VDP kennen. Inspiriert von Nicolas Joly, Kultwinzer und Verfasser des Werks „Beseelter Wein“, entdeckt die Diplom-Önologin Bettina Bürklin-von Guradze die Welt der Biodynamie für sich. Die Begeisterung wird größer als sie erkennt, dass jene ganzheitliche Bewirtschaftungsform das große Erbe der Familie, die besten Rieslinglagen der Pfalz, für zukünftige Generationen bewahren könnte und die Qualität der Weine auf ein höheres Level und damit dem großen Vorbild, Burgund, näherbringen könnte. In der Ruppertsberger Hoheburg wurde daraufhin im Jahrgang 2001 eine Versuchsfläche für biodynamische Bewirtschaftung genutzt, deren Potenzial niemand geringeres als Marc Kreydenweiss (Elsass) bescheinigte. Die Ergebnisse waren derartig vielversprechend, dass bereits 2005 die Bewirtschaftungsform auf die volle Betriebsfläche erweitert wurde und 2008 das Weingut Dr. Bürklin-Wolf als vollzertifiziertes Biodyn-Weingut eingestuft war. Dabei erwähnt der heutige Geschäftsführer, Steffen Brahner, welch Sisyphos-Arbeit die Konversion bedeutete: „Jahre wie 2003 oder 2006 waren schmerzhaft aber gutes Lehrgeld. Frau von Guradze kam 1990 ins Weingut, damals gab es hier noch allerlei Rebsorten, eben was das Deutsche Weinrecht hergab. Das hat sich dramatisch verändert.“ Auch verkleinerte sie den Betrieb von 120ha um ein ganzes Drittel und senkte die Produktionsmenge um zwei Drittel, alles mit dem Fokus auf die Qualität. Zukauf gibt es im Weingut nicht.

Bettina Bürklin-von Guradze: „Aus der Nachhaltigkeit im Weinberg erwächst die schmeckbare Herkunft und die große Reifefähigkeit unserer Spitzenrieslinge. Wir sprechen von langsamen Weinen, gemeint ist damit, dass wir ihnen alle Zeit der Welt lassen, um sich, möglichst vom Menschen unbeeinflusst, von der Traube zu einem Spitzenwein entwickeln zu können. Spätere Vermarktungszeitpunkte der Lagenweine sind die logische Konsequenz dieses Umgangs mit der Natur und für unsere Kunden die Garantie, trinkfähige und lagerfähige Weine zu erwerben.“

Weil das Weingut ähnlich denkende Betriebe seinerzeit vorwiegend in Frankreich vorfand, zählte es als einziges deutsches Weingut als Mitglied in der Gruppierung Biodyvin zu denen Koryphäen wie die Domaine de la Romanée-Conti, Comte Liger-Belair und Leflaive gehören. Bereits Mitte der 1990er-Jahre baute man hier trockene Lagenrieslinge aus und leistete somit Pionierarbeit für die heutigen trockenen Großen Gewächse des VDP. Alte Steuerkarten aus 1828 sowie der Fokus auf die Eigenheiten der Geologie und Mikroklimata der einzelnen Parzellen dienten nicht zuletzt neben dem Burgund als Vorbild zur gutseigenen Klassifikation, welche die Lagen in Grand Crus („G. C.“) Premier Crus („P. C.“) und Ortsweine unterteilt. Dies war auch eine Art Notwehrreaktion auf die Auswucherungen des Weingesetzes von 1971, das Qualität nach Reife und nicht nach Güte bewertete.

Ein Weingut dieser Ausmaße wäre nichts ohne ein langjähriges und starkes Team. Neben der Gutsbesitzerin Bürklin-von Guradze führt Steffen Brahner seit 2008 die Geschicke des Guts. Seit 2010 befindet sich der Keller in fester Hand von Nicola Libelli, der ursprünglich als Praktikant gekommen mittlerweile ein Dutzend Jahrgänge verantwortete und die Ikone Fritz Knorr ablöste. Dass mit Jan Hock seit 2018 ein enger Studienkollege im Außendienst wirkt, hat unserer Meinung nach die die Dynamik des wie ein Schweizer Uhrwerk funktionierenden Betriebs nochmals feinjustiert. Oder um Nicola selbst zu zitieren: „Das Leben mit Jan Hock ist noch schöner geworden.“

Die Vinifikation gestaltet sich einfach, wenn man bedenkt, dass allen Weinen die nötige Zeit gegeben wird. So strebt Libelli eine eher warme Vergärung bis zu 24 °C an, um die Weine dann anschließend knochentrocken im großen Holzfass auszubauen. Die „P. Cs.“ erscheinen im Herbst des Folgejahres, die „G. C.s“ stets im Frühjahr des übernächsten Jahres. Das Ergebnis sind trockene Rieslinge aus den besten Lagen der Mittelhaardt und oft auch Weine, die zu den lagerfähigsten ihrer Kategorie zählen. Dass sich die Genialität dieser einzigartigen Philosophie bereits mit den Guts- und Ortsweinen erschließt, unterstreicht die Hieb- und Stichfestigkeit dieser über Jahrhunderte erarbeiteten Ausnahmestellung.

Abschließend sei die Fine zitiert: „Das Erstaunliche ist, dass es das Weingut Dr. Bürklin-Wolf geschafft hat, in mehr als hundertfünfzig Jahren deutscher Geschichte mit all ihren Verwerfungen und Brüchen bis heute faszinierende Rieslinge aus den weltberühmten Lagen wie Ungeheuer, Kirchenstück, Pechstein, Gaisböhl oder Reiterpfad in den Gemarkungen Forst, Deidesheim, Ruppertsberg und Wachenheim zu erzeugen. In dieser Kontinuität erinnert es an eine burgundische Domaine wie Romanée-Conti.“

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