AT-BIO-402
Ein Meisterstück in Sachen Frucht und Frische! 17 Punkte – JANCIS ROBINSON | 94 Punkte – JAMES SUCKLING
Schon die prähistorischen Vorfahren schätzten, was sie an der Riede Grub hatten. Freilich ging es den Mammut- und Rentierjägern noch nicht um den Weinbau, doch die an drei Seiten umschlossene Kessellage ergab einen idealen Lagerplatz. Auch heute noch ist die „Grube“ zwischen den beiden Lagen Heiligenstein und Gaisberg nur nach Süden geöffnet, was den windgeschützten Trauben auch gute Sonnen-Exposition spendet. Der Boden ist zwar von Löss und Lehm geprägt, doch die Einsprengsel der so genannten Zöbing-Formation bringen Sandstein ein. Häufig finden Geologen hier auch eingelagerte „Nester“ von Gesteinsbruchstücken – die mineralische Note des „Grub“ verdankt sich diesem Profil. Doch sie bildet auch nur den Boden, das Rückgrat, für einen Grünen Veltliner, der eine aromatische Fülle wie selten bei dieser Rebsorte verströmt: Hier kann man regelrecht ein Ausmalbuch in Sachen Früchte – und Veltliner-typischer Aromen – anlegen: Gelber Apfel, Lindenblüten, etwas Zitronenabrieb und auch Marille, die fast noch grüne Bäckchen in die Frühlingssonne streckt, sind versammelt.
Ihre Mission besteht aber nur in der Einstimmung auf ein perfektes Exemplar eines hochwertigen Veltliners. Denn am Gaumen hat Johannes Hirschs 2022er einen so fein gesponnenen Säurenerv, dass man ihn fast übersieht. Doch denkt man sich diese Komponente des „Grub“ 2022 weg, dann wäre so viel Frucht wohl kaum zu fassen, weil viel zu behäbig. Die leichte Tropenfrucht-Noten gehen nämlich Hand in Hand mit überaus reifen Apfel- und Birnennuancen, auch das Steinobst ist – ungewohnt schüchtern, aber doch – vertreten. Nektarine leiht ihre Saftigkeit an den Mix aus fruchtigen Kollegen. Speziell im Finale ist die erfrischende Qualität dieses Lagenweins beachtlich. Die klandestine Säure baut dieser fruchtigen Opulenz ein Gerüst.
Doch das ist nur die technische Seite. Für den Genießer ist wesentlich, dass sie den „Grub“ nämlich ganz schnell über die Zunge befördert. Vielleicht ist dieser Wein sogar der zugänglichste in der Hirsch-Oberliga dieses Jahrgangs. Einen tollen Sortenvertreter aber stellt er allemal dar! Doch bei allem Charme in der Gegenwart, sollte man auch an morgen denken. Denn dieser 2022er wartet auch mit gutem Lagerpotential auf. Chapeau!
Ab sofort bis 2034.
Ein Wasser-speichernder, aber auch steiniger Boden liefert die perfekte Basis: Mit Hannes Hirschs „Grub“ schöpft der Weißweinfreund aus dem Vollen.