Saarwellingen, im Februar 2009

Wein - Highlight


Telmo Rodriguez – „Un Bordeaux en Espagne”

Terroirweine von alten Reben aus Spaniens spannendsten Anbauregionen vereinen Konzentration, Eleganz und Finesse und setzen ihre ureigene „Identität gegen eine weltweit im industriellen Maßstab hergestellte Multi-Kulti-Stilistik”, Telmo Rodriguez!

Telmo Rodriguez
Telmo im Schutze einer schattenspendende Plantage

Es geschah schier Unerhörtes: Die von mir zwar außerordentlich geschätzte, aber (naturgemäß) besonders den französischen Weinen zugeneigte „Revue du vin de France” verneigt sich vor einem spanischen Winzer: Telmo Rodriguez, einer der begabtesten und kreativsten Köpfe der spanischen Winzerelite, eine visionäre, charismatische Persönlichkeit, wird unter dem zutreffenden Titel „Un Bordeaux en Espagne” geradezu enthusiastisch gefeiert. Zutreffend ist die Schlagzeile nicht etwa, weil die von Telmo produzierten Weltklasseweine eine Kopie großer Bordelaiser Gewächse sind, sondern weil sie, wie die schönsten und herausragenden Gewächse aus dem Médoc, über eine außerordentliche Konzentration, Eleganz und Finesse verfügen, und das, obwohl sie aus deutlich südlicher gelegenen Gefilden stammen. Dazu spiegeln sie aber auch auf unnachahmliche Weise den Charakter ihrer jeweiligen autochthonen Rebsorte und der unterschiedlichen Regionen wieder, in denen sie gewachsen sind und von Telmos Team sensibel vinifiziert werden: Terroirweine im besten Sinne des Wortes, „das Gegenteil also dieser weltweit im industriellen Stil hergestellten Multi-Kulti-Weine, die über keine eigene Identität verfügen. Menschen aus der ganzen Welt sollen friedlich zusammenfinden, ihre Weine sollen aber unzweifelhaft ihre ureigene Herkunft widerspiegeln”, so Telmos vehementes Plädoyer!

Wie so viele große (Winzer-) Persönlichkeiten verfügt auch dieses visionäre Genie über eine spannende Biographie: Geboren im Baskenland verbrachte er seine Kindheit auf dem Weingut seines Vaters in Rioja, studierte später zunächst Biologie in Bilbao (wenn er sich nicht gerade seiner großen Leidenschaft, dem Surfen, widmete, wie Freunde aus der Jugendzeit schmunzelnd zu berichten wissen), erwarb dann das Önologiediplom in Bordeaux, um anschließend 3 Jahre beim legendären Bruno Prats auf Cos d’Estournel die hohe Schule der Weinbereitung in der Praxis zu erlernen und eine Passion für wahrhaft große Weine zu entwickeln. Aber selbst diese erstklassige Ausbildung genügte ihm noch nicht, denn er wollte neben der technisch-handwerklichen und der bis ins letzte Detail ausgeklügelten wissenschaftlichen Seite auch die eher intuitive Art kennen lernen, erstklassige Weine herzustellen, wollte sein Wissen und seine Erfahrungen erweitern und bat deshalb Eloi Durbach (Sie wissen, der leidenschaftliche Kopf hinter der Domaine Trévallon) um eine Art Assistentenstelle. Doch dieser lehnte zunächst brüsk ab, mit der Begründung, was Telmo während seines Studiums vermittelt bekommen habe, reiche vielleicht aus, um Coca Cola zu produzieren, aber nicht, um bei ihm zu arbeiten! Aber Telmo blieb hartnäckig, überzeugte Durbach, ihn anzustellen, blieb wiederum drei Jahre und erlernte hier die „menschliche” Seite des Weines und seiner Erzeugung kennen. Weitere Stationen seiner außergewöhnlichen Lehr- und Wanderjahre führten ihn noch einmal zu drei ganz großen Winzerpersönlichkeiten Frankreichs, Perrin, Guigal und Chave.

Telmo Rodriguez

Eine extreme Steilterasse aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln fotografiert.

Telmo Rodriguez

Danach mit einem theoretischen und praktischen Rüstzeug ausgestattet wie kaum ein zweiter avancierte er zu einem Vorreiter notwendiger Innovationen innerhalb der spanischen Weinkultur. Als sehr fruchtbar erwies sich dabei die enge Zusammenarbeit mit Pablo Vicente Eguskiza, der in Bordeaux sein Examen als Ingenieur der Agrarwissenschaften erworben hatte und langjähriger Mitarbeiter von Jean-Claude Berrouet (Önologe von Moueix) gewesen ist. Mit wissenschaftlicher Akribie erforschten sie die Bedingungen, unter denen mit den besten spanischen Reben optimale Ergebnisse zu erzielen waren. Dabei hatte Telmo eine Vision: Er scharte ein begeisterungsfähiges und engagiertes Team von Önologen und befreundeten Winzern um sich, mit denen er seither – nach umfangreichen Studien, Experimenten und großen Anstrengungen im Weinberg– höchst individuelle, terroirbetonte, konzentrierte, aber für die iberische Halbinsel auch ungemein finessenreiche Weine ausschließlich aus autochthonen Rebsorten in unterschiedlichen Anbaugebieten Spaniens produziert, mit großem Erfolg und „mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis (VINUM)”, wie die Fachpresse unisono konstatiert. Zögern Sie nicht, werte Kunden, sich diesen Weinen anzunähern: Eine bessere Gelegenheit, große spanische Weine mit einem hervorragenden Preis-Genussverhältnis zu finden, wird es ganz selten geben! Rodriguez’ authentische Tropfen sind allesamt höchst eigenständige und unverwechselbare „vinos con alma”, wie Telmo sie selbst bezeichnet, „Weine mit Seele”!


420107 Rodriguez, Basa, Vino de Rueda blanco 2007 7,50 Euro
Dieser ungemein beliebte leckere Trinkspaß, eine erfrischende Cuvée aus Verdejo, Viura und Sauvignon Blanc gilt unter Kennern als einer der spannendsten trockenen spanischen Weißweine für unfassbar wenig Geld. Herrlich fruchtig und würzig in der verführerischen Nase: Aromen von reifen Stachelbeeren, Holunderblüten, frisch gemahlenem Heu und Cassis vermählen sich mit einem exotischen Früchtekorb und mineralischen Anklängen von der Verdejotraube. Große Qualität kann traumhaft preiswert sein!

Rodriguez, Basa, Vino de Rueda blanco

420207 Rodriguez, Al Muvedre, Vino Alicante, tinto 2007 5,30 Euro
Der STERN feiert diesen sensationell preis„werten” Klassiker unseres Programms euphorisch unter der zutreffenden Schlagzeile „Al Muvedre – Schrecken des Supermarkts” als seinen besonderen Weintipp: „Es sind nicht unbezahlbare Ego-Weine, mit denen der junge Telmo Rodriguez nach Ruhm und Ehre greift. Eher sind es die bodenständigen Tropfen. Einer der kreativsten unter den Star-Weinmachern Spaniens sucht in seiner Heimat nach typischer Expression von Herkunft, Rebsorte und Klima. In Alicante, sonst vinologisches Niemandsland, entdeckte er Terrassenanlagen mit alten Rebstöcken der Sorte ,Monastrell’, frankophilen Weintrinkern unter den Namen ,Mourvèdre’ bekannt. Nun ist die Gegend von Alicante zwar die Heimat dieser dickschaligen Rebsorte, gleichwohl wussten die Bauern dort deren Kraft und Würze bis vor kurzem nicht in Weinqualität umzusetzen. Telmo Rodriguez kam, half und liefert nun auf herzerfrischende Weise authentischen Monastrell. Die Ausstattung der Flasche wirkt durch gekonnte Simplizität edel und raffiniert. ‚Al’ steht für Alicante, ‚Muvedre’ für die Rebsorte. Der unkomplizierte Wein erfreut das Herz des preisbewussten Weintrinkers, den die anonymen Supermarkttropfen immer wieder quälen, der aber vom Geizen nicht lassen kann. Hier wird er zu einem Spottpreis glücklich! Herrlich wild zeigt der Wein Charakter in Duft und Geschmack, milde Gerbstoffe tragen saftige Würze an den Gaumen. Schmeckt nach deutlich mehr, als er kostet – da hat der Supermarktwein nichts zu melden”.

Gut gebrüllt, STERN! Unser heute präsentierter charaktervoller 2006er aus großem Jahr demonstriert eindrucksvoll die fabelhaften Qualitäten dieses Alltagsweins de luxe und begeistert mit seiner wollüstig-opulenten, herrlich in der Süße balancierten Frucht mit betörenden Anklängen an dunkle Beeren, Walnüsse, Schokolade, schwarze Trüffel, Tabakkiste und getrocknete Kräuter, zart unterlegt mit dem Aroma von getrockneten Datteln, Feigen und Pflaumenmus. Seit Jahren einer unserer erfolgreichsten Rotweine überhaupt, doch wohl noch nie war er so gut und so geschliffen wie in 2006! Eine traumhaft leckere Hommage an die großartige Rebe des Mittelmeerraumes, die Mourvèdre. Unbedingt probieren! Robert Parker: „Ein sensationelles Schnäppchen”!
Trinkreife ab sofort bis Ende 2011.

Rodriguez, Al Muvedre, Vino Alicante, tinto

420407 Rodriguez, „Dehesa Gago”, tinto 2007 8,50 Euro
Der legendäre Weinberg zählt zu den ältesten in Spanien: Schon die Pilger im Mittelalter auf dem Weg nach Santiago de Compostella stärkten sich an diesem großartigen Wein für ihren mühevollen Weg! Im Westen Kastiliens, an der Grenze zu Portugal gelegen, in der so ungemein dynamischen Region Toro, in sehr ärmlichen, uralten Rebanlagen mit einer extrem exponierten Sonneneinstrahlung produziert Telmo, dieser sympathische „Wunderknabe des spanischen Weinbaus”, einen Rotwein, der von Parker seit Jahren zu den „awesome wine values” gezählt wird, die also ein Preis-Genussverhältnis bieten, das nicht nur seiner Meinung nach geradezu unglaublich ist: 100% Tinta de Toro-Trauben aus 40 bis 70 Jahre alten, überwiegend wurzelechten Weinstöcken ergeben ein traumhaftes Gewächs von schwarzroter Farbe, einem berauschenden Bukett nach Crème de Cassis, Kirschen, wilden Brombeeren, Walnüssen, Schlehen, Oliventapenade und dunklem Tabak mit einer süßlich-würzigen Fruchtexplosion im Munde. Verführerisch und sehr dicht am Gaumen, Kirsch-, Brombeer- und Schwarze Johannisbeernoten vermählen sich mit Bitterschokolade und Lakritz und Noten von orientalischen Gewürzen, Zimt, Nelke und Kreuzkümmel, ungemein komplex, fleischig, generös, eine noch kompakte, aber herrliche Tanninstruktur, pfeffriger Nachhall, „zu gut, um wahr zu sein,” (Parker), ein Wein, der im 99er Jahrgang vom FEINSCHMECKER zu den 100 besten Weinen der Welt gezählt wurde (eine Einstufung, die mir schon ein wenig übertrieben scheint, andererseits aber den betörenden Reiz dieses reinsortigen, authentischen Tempranillo verdeutlicht) und einer unserer meist verkauften spanischen Rotweine überhaupt.
Zu genießen ab sofort, Höhepunkt Herbst 2009 bis 2015.

Rodriguez, „Dehesa Gago”, tinto

422306 Rodriguez, Gabo do Xil Mencia, Valdeorras tinto 2006 7,90 Euro
Im Jahre 2002 wandte sich Spaniens sympathischer Superstar der spannenden DO Valdeorras zu, einer bis dato nur Insidern bekannten Region Galiziens, in der auf terrassierten Rebflächen, die noch aus römischer Zeit stammen und die das große Potential dieses vergessenen Anbaugebietes demonstrieren, autochthone Sorten wachsen, die höchst individuelle Weine ergeben. Die interessanteste dieser Reben ist die Mencia-Traube, die man wegen der Finesse der aus ihr produzierten Rotweine lange Zeit fälschlicherweise für eine Verwandte des Cabernet Franc hielt. Und spektakulär ist in der Tat der schier unglaublich FEINE Stil dieses ungemein preis„werten” Weines, den Telmo aus perfekt gereiften Trauben von erstklassigen Hanglagen mit besten Granit- und Schieferböden vinifiziert hat. Bei aller Komplexität der betörenden, eleganten Aromen von Veilchen, Mandeln und roten Früchten, begeistern mineralische Noten und eine tänzerische Leichtigkeit, die selbst Intimkenner bei einem Rotwein von der iberischen Halbinsel in diesem Maße bisher nicht erlebt haben dürften. Mit seiner vibrierenden Frische, seiner verspielten Frucht sowie den gerade einmal 12,5 Volumenprozent Alkohol ist dieser traumhafte Tropfen, der ureigene Wege geht, geradezu der Antipode zu allen Marmeladenweinen der Neuen Welt. Welch Triumph der schwebenden Transparenz – eine Revolution am spanischen Rotweinhimmel! Für Liebhaber eines finessenreichen Stils mit moderaten Alkoholgradationen ein unbedingtes Muss!

Zu genießen ab sofort bis 2010+.

Rodriguez, Gabo do Xil Mencia, Valdeorras tinto

422204 Rodriguez, Pegaso, Barrancos de Pizarra, tinto 2004 24,00 Euro
In der Castilla, nördlich von Madrid, liegt ein kleiner, legendärer Weinberg mit Namen Cebreros, einer der historischen großen Terroirs Spaniens, der fast in Vergessenheit geraten war, wohl, weil die extrem harte Bearbeitung in dem unwegsamen Gelände nur mit Hilfe von fleißigen und geduldigen Pferden möglich ist. Doch diese sehr steilen Hügel in über 1.000 m Höhe („eine Art Priorat mit kühlen, für die komplexe Fruchtausbildung idealen Nächten”, so Telmo) aus Schiefer!- und Tonböden tragen einen wahren Schatz – über 80 Jahre alte Grenachereben besten genetischen Materials mit extrem geringem Ertrag von unter 20 hl/ha. Für Telmo Rodriguez, diesen stets wachen, umtriebigen Geist die ideale Gelegenheit, einen spektakulären, autochthonen Terroirwein zu erzeugen, der sich in seiner stilistischen Einzigartigkeit von den anderen großen spanischen Rotweinen fundamental unterscheidet. Was ist das für ein betörender, vielschichtiger, traumhaft komplexer Wein, meilenweit von allen modisch marmeladigen Tendenzen entfernt, wie ein sehnsuchtsvoller Gruß aus einer verschollenen, lieb im Gedächtnis verhafteten Zeit wirkend, in der die Qualität eines großen Gewächses noch ausschließlich im Weinberg erzielt wurde. Tiefrote Grenachefarbe, ungemein faszinierende, noble Nase mit betörenden Aromen von reifen schwarzen Beeren, Kirschen und mediterranen Kräutern, dazu zarte Anklänge an Pfeffer und Mineralien. Am Gaumen eine dem gigantischen Jahrgang 2004 geschuldete enorme Kraft und Dichte, eine animierende Frische und Finesse sowie komplexe Beerenfrüchte, betörende Kräuteraromen und edle Schokoladenanklänge, feinst strukturiert und nobel unterlegt von seidenen, cremigen Tanninen und im grandiosen Finale begeistert ein lang anhaltender, zutiefst mineralischer Abgang.

Ein großer Wein aus Spaniens Jahrhundertjahrgang, den ich insbesondere Liebhabern komplexer Tropfen anempfehlen möchte, deren Trinkvergnügen weit jenseits der Vordergründigkeit von modern-marmeladigen Extraktionsbomben beginnt! Dieses tief mineralische und herrlich frische, höchst individuelle Weinmonument, die legendäre eiserne Faust im seidenen Samthandschuh, stellt eines der größten Weinwerte dar, die Sie in Spaniens größtem Jahrgang der Neuzeit genießen können, ein fabelhaft schöner Wein, ganz nahe dem Ideal und ein Glücksfall für Liebhaber autochthoner Weine aus Spanien – Weltklasse-Qualität zu bezahlbaren Preisen! Viele wesentlich hochpreisigere Priorat-Weine haben gegen diesen urwüchsigen Charakterwein nicht den Hauch einer Chance!
Zu genießen ab sofort aus einem großen Burgunderpokal, Höhepunkt jedoch erst 2010 bis 2020, mindestens.

Rodriguez, Pegaso, Barrancos de Pizarra, tinto