Cahors

Vom Niedergang und der Wiederauferstehung eines der großen Weinanbaugebiete Frankreichs

Quercy im Südwesten Frankreichs ist eine zauberhafte Landschaft. In Millionen von Jahren hat der wildromantische Lot zwischen der Garonne-Ebene und den Auvergne-Bergen sein Flussbett in die trockene Hochebene am Rande des Zentralmassivs gegraben und seine für den Weinanbau so wertvollen Sedimente angehäuft. Er mäandert durch abrupte Felsabbrüche und weiß getünchte Kalkklippen, aber auch durch fruchtbare, grün leuchtende Täler und Weinberge auf flachen Geländeterrassen. Immer wieder windet sich der Lot in weiten Schleifen, auf deren Landzungen mittelalterliche Städte und Burgen liegen. In diesem zauberhaften Tal gedeiht die kapriziöse Malbec-Traube bestens, die dereinst auch im Médoc höchstes Ansehen genoss und ein hoch geschätzter Bestandteil vieler hochklassiger Bordeauxgewächse war, in den letzten Jahrzehnten jedoch vom pflegeleichteren Merlot weitestgehend verdrängt wurde. Bei sorgsamer Pflege, niedrigen Erträgen und fein dosierter Extraktion vermag die Malbec-Rebe Großes, ja Unerhörtes zu leisten: Sie bringt dann Weine hervor, welche als ultimative Herausforderung der allerbesten Weine vom Ufer der Gironde gelten.

Nach Ansicht vieler wahrer Weinkenner gehört daher die Region Cahors zu den aufregendsten Anbaugebieten der Welt überhaupt. Die Weine sind deshalb so spannend, weil sie von ganz eigener Stilistik sind: die Fruchtaromatik ist expressiv, die Struktur größten Bordelaiser Gewächsen ebenbürtig, die Finesse bei gereiften Gewächsen der Spitzenwinzer häufig burgundisch. Sehr selten habe ich so wohlbalancierte Rotweine genießen dürfen. Sie hinterlassen am Gaumen den Geschmack von vollkommener Fülle, sie sind reichhaltig, cremig und harmonisch sowie von einer blumig-würzigen Kraft, die sehr nachhaltig ist. Ein großer Cahors, nicht umsonst berühmt geworden als der Wein der Könige und Päpste, ist gewirkt wie ein edler Samtteppich, der den Gaumen mit seinen überaus wohlschmeckenden Aromen vollständig auskleidet. Wer jemals einen gereiften Cahors gekostet hat – etwa aus dem Spitzenjahrgang 1990 – ist hingerissen von den subtilen Aromen: Trüffel, Unterholz, Beeren und Lakritze paaren sich mit einer Minzfrische, ähnlich einem Mouton-Rothschild. Insbesondere die Weine von Château Du Cèdre erinnern an die größten Bordelaiser Gewächse. Keine Frage, ein wirklich guter Cahors gehört zu den langlebigsten Rotweinen der Welt. Das Reifepotential liegt bei etwa 15-20 Jahren und mehr, selbst im Stahltank ausgebaute Weine von 1975 und 1982 zeigten sich bei meinen Verkostungen vor Ort noch zu Beginn des neuen Jahrtausends in tadelloser Verfassung, ohne störenden Alterston.

Wegen ihrer kraftvollen Fülle, der komplexen Fruchtaromen und der enormen Eleganz kann man für eine bestimmte Stilrichtung innerhalb der Weine der Region auch die Bezeichnung „Burgunder des Südens” wählen. Château Lamartine mit seinen herausragenden Weinen voller Finesse und Sinnlichkeit scheint mir neben der neuen Generation der großen Gewächse von du Cèdre der beste Beleg dieser These. Mit einem Pinot Noir hat ein Auxerrois, so das in der Region häufig gebrauchte Synonym für Malbec, auch gemein, dass seine Weine zwischen „Himmel und Hölle” schwanken können – großartige Gewächse von den talentiertesten Weinmachern wechseln sich ab mit animalischen, rustikalen Weinen, die kaum trinkbar sind, dennoch aber unter dem Appellationssiegel für teures Geld verkauft werden. Die wirklich guten Cahors, die zumeist auch in ihrer Primärfruchtphase erstaunlich zugänglich sind, brauchen stets einige Jahre auf der Flasche, um vollständig auszureifen. Doch dann sind es äußerst harmonische, subtile Rote, die ihr Terroir vortrefflich ausdrücken. Sie profitieren im Cahors von einer idealen Mischung zwischen mediterranem und atlantischem Klima: genügend Niederschläge – Trockenstress ist für die Reben ein Fremdwort – ausreichend Sonnenstunden und im Herbst durchlüftet ein frischer Wind die Weinberge. Allerdings neigt diese Rebsorte auch zum Verrieseln und ist anfällig für Krankheiten. Aus diesem Grund wurde sie aus den Weingärten des Bordelais weitgehend verbannt – im Libournais des 19. Jahrhunderts war sie hingegen noch die wichtigste Sorte! Nur im malerischen Tal des Lot wird sie in Europa heute in größerem Stil kultiviert und sorgt ansonsten in Südamerika für Aufsehen.

Doch Vorsicht: Wer die Erträge nicht reduziert und überextrahiert, keltert, wie oben angesprochen, nur animalische, wild-würzige Weine, rustikal und belanglos, die dem Ansehen von Cahors schaden. Und viele dortige Winzer arbeiten immer noch nachlässig und produzieren zu Dumpingpreisen Billig-Gesöff für Supermärkte. Sie zehren von dem Ruhm einiger weniger herausragender Domänen und nutzen „bauernschlau” die noch immer bzw. aufgrund der Spitzenleistungen der Vorzeigegüter wiedererlangte hohe Reputation der Region für ihren Absatz unsagbarer Plörre.

Es gibt auch nicht den EINEN Cahors. Wie oben bereits skizziert, sind dafür die Terroirs und die individuelle Handschrift der Winzer zu unterschiedlich: Es befinden sich exzellente Lagen auf Talebene, dann auf teils sehr steinigen oder auch sandigen Terrassen in Hanglagen unterschiedlicher Niveaus (z.B. Lamartine, Haut Monplaisir und Du Cèdre, wobei letztere Domaine das Privileg besitzt, dass die Hälfte ihres Terroirs aus kalkhaltigen Böden in einer Enklave außerhalb der Terrassen besteht) und auf hochgelegenen, wiederum zumeist extrem steinigen Plateaus.

Wichtig zu wissen für ein tieferes Verständnis der Weine der Region ist auch, dass das Cahors, galloromanischen Ursprungs und damit eines der ältesten und berühmtesten Weinanbaugebiete Frankreichs, in seiner langen Geschichte bedauerlicherweise drei gravierende Katastrophen hat überstehen müssen. Zum ersten die wirtschaftlichen Sanktionen des Bordelais zu Beginn der Neuzeit, die heute noch für die extreme Rivalität beider Regionen verantwortlich sind: Die Bordelaiser Handelshäuser sperrten den Cahorswinzern einfach den Transportweg über das Wasser zu ihren Märkten in Nordeuropa ab, voller Neid auf die viel konzentrierteren, kräftigen, fruchtigen und dunkelfarbenen schlichtweg besseren Weine aus dem Cahors – die als „the black wines” in England sehr gefragt waren –, mit denen man als geeignetes Verschnittmaterial die eigenen, dünnen, blassen Weinchen aufpäppelte. Ein wahrer Wirtschaftskrieg und -krimi!

Dann suchte Ende des 19. Jahrhunderts die Reblausplage die Region heim und den wohl schlimmsten Schlag ereilte das Cahors mit dem verheerenden, mehrwöchigen, harten Jahrhundertfrost 1956, dem damals 99 % aller Anpflanzungen zum Opfer fielen! Heute sind erst wieder ca. 4.000 ha bepflanzt, die Neuanpflanzungen nach dem Frost erreichen langsam ihr optimales Alter und 1971 wurde Cahors zum kontrollierten Ursprungsgebiet (AOC) ernannt und ausschließlich Malbec, Merlot und Tannat als Rebsorte zugelassen. Ein Cahors, so die Vorschriften, muss mindestens 70 Prozent Malbec (auch Cot oder Auxerrois genannt) enthalten. Und in den letzten Jahren ist Cahors endlich eine Region im Glück, denn sie profitiert von einer schier einzigartiger Abfolge von mittlerweile großen Jahrgängen nacheinander: Die abgefüllten Weine der Jahrgänge 1998-2005 zeigen eindrucksvoll das enorme Potenzial einer Appellation, die den großen Renommierregionen der Welt in nichts nachsteht. Die besten Gewächse, und nicht nur im Jahrhundertjahrgang 2005, befinden sich, und das schreibe ich mit Bedacht, auf dem Niveau gar von Premier Grand Crus aus dem Bordelais und wir sind stolz, Ihnen diese Weine auf Weltklasseniveau präsentieren zu können.

Kunden, die sich für diese Region interessieren, kauften unter anderem:

Pinard de Picard GmbH & Co. KG
Erlesene Weine, Spirituosen & Feinkost
Alfred Nobel Allee 28
66793 Saarwellingen / Campus Nobel
Deutschland

☏ 06838/97950-0
Fax: 06838/97950-30
info@pinard.de


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