Bodegas Y Viñedos Bernabeleva / Orusco

Bernabeleva
Drei Visionäre haben sich gefunden: Die Brüder Bilnes und Winzer-Magier Marc Isart Pinos (links). Ihre Weinberge liegen in einem intakten ökologischen Umfeld: Nachhaltiges Wirtschaften mit uralten Rebstöcken!

Irgendwo im spanischen Niemandsland sorgt seit einiger Zeit ein Weingut unter der Leitung eines ebenso ehrgeizigen wie tatkräftigen Oenologen für Furore – mit außergewöhnlichen Garnacha-Weinen, die durch ihre Finesse eher an burgundisch inspirierte Pinots erinnern denn an heißblütige Südländer.

Bereits nach unserem ersten Treffen waren wir ob dieser ungewöhnlichen Qualitäten derart begeistert, dass uns sofort klar war, unverzüglich mit der Zusammenarbeit mit diesem begnadeten Weinmacher beginnen zu wollen. Allerdings mussten wir uns über ein Jahr gedulden, bis es heute endlich soweit ist – denn in Insiderkreisen kursiert der Name dieses kleinen Weinguts als Top-Geheimtipp und dementsprechend sind die Weine oftmals kurz nach ihrem Erscheinen bereits ausverkauft!

Doch beginnen wir der Reihe nach. Vor uns auf dem Tisch steht eine ganze Reihe von Gläsern mit Rotweinen zum Probieren; wir sind völlig ahnungslos, welche Weine in den Gläsern ausgeschenkt wurden. Blind tasting im Schnelldurchgang, alles ganz gut, aber nichts, was uns vom Hocker reißt. Probenalltag! Doch dann der letzte Wein in der Reihe: Er elektrisiert. Ungewöhnlich, anders, faszinierend, frisch, aromatisch, elegant, dicht, trotz der relativ hellen Farbe, einfach super. Was ist denn das? NAVAHERREROS!

Szenenwechsel. Madrid, die Königliche. Genau Richtung Westen muss man die spanische Hauptstadt, mit 600– 800 m die höchstgelegene Europas, verlassen, um nach San Martín de Valdeiglesias zu gelangen. Eine gute Stunde braucht man und mit jedem Kilometer, den man zurücklegt, verändert sich die Landschaft, wird schroffer, gebirgig fast, die Außentemperatur kühlt deutlich ab, man merkt die Höhe. Am Horizont wachsen die östlichen Ausläufer der Bergkette Sierra de Gredos gen Himmel, eingerahmt von alten, magisch anmutenden Wäldern, die noch immer das keltisch-iberische Erbe der Region verströmen; struppige Pinien und felsige Gipfel bestimmen die Szenerie. Hier, im äußersten Westen der erst zu Beginn der neunziger Jahre gegründeten DO Vinos de Madrid, zu Füßen der markanten Kuppe des Cerro de Guisando, liegt das kleine Kellereigebäude und von hier kommen also die von intimen Kennern der spanischen Weinszene als „die besten der gesamten Region“ geltenden Weine.

Bernabeleva
1934: Luisa Álvarez Esquerdo, Tochter des Bernabeleva-Gründers Vincente Alvares-Villamil, geht den ‚Weg des Bären‘.
Den Ursprung für diese noch relativ junge Erfolgsgeschichte legte bereits vor knapp 100 Jahren ein renommierter Madrider Arzt namens Vincente Alvares-Villamil, der 1923 das 400 ha große Gelände kaufte. Inspiriert von der mythischen Aura der von der keltischen Vergangenheit durchdrungenen Gegend mit aus Felsbrocken geformten Steinbären, die quasi heilige Stätten waren, taufte er das Areal auf den Namen „Bernabeleva“, was sich mit ‚Bärenwald‘ oder ‚Der Weg des Bären‘ übersetzen lässt. Der Arzt glaubte an die magische Besonderheit dieses Ortes und pflanzte edle Garnacha-Rebstöcke, um seinen neuen Traum zu verwirklichen: ausdrucksstarke Weine mit tiefgründigem Charakter zu vinifizieren. Doch die politische Instabilität des folgenden Jahrzehnts, der darauffolgende spanische Bürgerkrieg und die bleierne Zeit des Franco-Faschismus beendeten seinen Traum vom großen Wein. Vorerst. Es folgte eine lange Zeit des Dornröschenschlafs, es wurden belanglose Weine hergestellt oder die Trauben an die Kooperative geliefert. Aber die Zeit arbeitete kontinuierlich für die Reben, die Jahr für Jahr an Qualität gewannen und heute bis zu über 80 Jahre alt sind! Tolle Voraussetzungen, um im Jahr 2006 den Wendepunkt in der Geschichte des Weinguts einzuleiten. Zwei Urenkel von Vincente, Juan Diez und Santiago Matallana Bilnes, erbten einen Teil der Weinberge. In ihnen schlägt der gleiche Pioniergeist, der seinerzeit ihren Urgroßvater umtrieb. Da sie selbst jedoch keinerlei Erfahrung als Winzer oder Önologen hatten, mussten sie Rat von außen holen und sie engagierten dafür den bestmöglichen Berater, Raul Perez, der einen großartigen Ruf als Spezialist für „cool climate“-Weine genießt, um ihre Vision für das Projekt „Bernabeleva“ zu entwickeln: Kühle Weine voller Reinheit und Ausdruckskraft, in Harmonie mit dem Land ihrer Vorfahren und unabhängig von den aktuellen Moden im spanischen Weinbau. So entwickelten sie gemeinsam ihr Projekt und dann gelang den beiden Urenkeln wiederum ein Glücksgriff: Zur Umsetzung der Ideen engagierten sie den feinfühligen Weinmacher Marc Isart Pinos.

Wahrlich ein Glückstreffer: Der Katalane (ja, ausgerechnet ein Katalane in der Höhle des Löwen; Fußballfans wissen, was wir meinen) fungiert gleichzeitig als Weinmacher und Vollzeitmanager des Weinguts und empfängt die Besucher, die sich in diese abgelegene Gegend verirren. Ruhig, bedächtig und mit viel Geduld entführt er jeden Gast in die Geheimnisse seiner Arbeit, erklärt, zeigt, macht sie sinnlich erfahrbar. Welches Wort vermag am besten seine Ausstrahlung zu erklären, die jeden Zuhörer in seinen Bann zu ziehen vermag? Vielleicht ist es seine persönliche Hingabe, sein Herzblut in diesem großartigen Projekt.

Eine Fahrt im Geländewagen zu den verschiedenen Parzellen hilft besser zu verstehen, was Marc so leidenschaftlich erklärt. Jeder Weinberg hat eine andere Bodenfärbung, keine Bodenzusammensetzung gleicht der anderen, manche stehen flach auf einem Hochplateau, andere auf zum Teil steil ansteigenden Hängen, die nach Süden oder Norden exponiert sind. Häufig dominieren magere, nährstoffarme, gelbliche Sandböden, in die sich die knorrigen, meist über 80 Jahre alten Buschreben ducken, im Untergrund findet sich Granit mit verschiedensten mineralischen Einschüben. In den bis zu 1000m über dem Meeresspiegel gelegenen Weinbergen wachsen hauptsächlich autochtone alte Garnacha- und Albillo-Rebstöcke, dazu etwas Moscatel de Grano Menudo, Tinto Morenillo, Macabeo und etwas Garnacha Blanca.
 
Bernabeleva
Liebe Kunden: Was Marc aus diesen Weinbergen und unter diesen extremen Bedingungen auf die Flasche zaubert, ist schlichtweg genial. Seine Garnacha-Weine verströmen ein geradezu verschwenderisches, sinnliches südländisches Parfüm. Im Mund strahlen sie eine enorme Tiefe und Komplexität aus, sind unglaublich finessenreich und wohlschmeckend, relativ hell in der Farbe, ohne auch nur einen Hauch an geschmacklicher Intensität zu verlieren, es sind allesamt leuchtende Rohdiamanten.

Vor über 90 Jahren hatte Vincente Alvares-Villamil einen Traum, heute hat dieser sich unter den begnadeten Händen von Marc Isart erfüllt. Konsequent in der Ablehnung jeglicher moderner weinindustrieller Effekthaschereien, mit minimalistischer Kellerarbeit und umso anspruchsvollerer bio-dynamischer Weinbergsarbeit wird die Tradition, die Geschichte und die Schönheit und Harmonie des Landes der Ahnen zu flüssigen Träumen. Diese unauflösliche Verbindung mit den uralten Wurzeln ist die Quelle der Inspiration für die Erzeugung grandioser Weine.

PS: Auf dem Flaschenetikett reitet Diana, die keltische Göttin der Jagd, auf dem Rücken eines Bären, den Weinpokal erhoben in der Hand. Der Mythos lebt. Lasst die Bären los!

 

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