Saarwellingen, im September 2008

Wein - Highlight


Domaine Michel Ogier - Côte Rôtie

Noble Kultweine burgundischen Stils aus einer der berühmtesten Appellationen Frankreichs – extrem rar und von legendärer Qualität!

Domaine Michel Ogier
Blick über das extrem steile Terroir der Domaine Michel Ogier
auf die majestätisch dahingleitende Rhône

Michel und Stephane Ogier, dieses großartige Tandem Vater und Sohn, wird unter Insidern, selbst von der Winzerkonkurrenz an der nördlichen Rhône, hinter vorgehaltener Hand respektvoll als die heimliche Nr. 1 der Côte Rôtie tituliert. Auch Parker urteilt, dass auf dieser noch relativ jungen Domaine „einige der fesselndsten Weine der Appellation auf absolutem Weltklasseniveau produziert werden mit einem der besten Preis-Genussverhältnisse („one of the areas best wine values”), doch was dieses Kleinod (im wahrsten Sinne des Wortes, gerade einmal knapp 3 ha spektakulär guter, extrem steiler Lagen stehen unter Ertrag) im Jahrgang 2006 produziert, ist schlicht traumhaft schön. Zwar ist 2006 an der nördlichen Rhône ein Jahrgang, der, ähnlich wie im südlichen Teil, anfangs etwas im Schatten des übermächtigen 2005ers stand, doch wollen mir persönlich hier wie dort (und teilweise auch im Burgund) die 06er wohl noch ein wenig besser gefallen, da die besten Weine wesentlich balancierter, harmonischer, präziser und frischer daherkommen als die enorm konzentrierten 2005er. Doch ist dies sicherlich auch eine Frage der persönlichen Geschmacksvorlieben. Stilistisch erinnern die 2006er sehr an den legendären 1991, einen der größten Nord-Rhônejahrgänge aller Zeiten, der zusammen mit dem 90er einen überragenden Zwillingsjahrgang darstellte – wie jetzt 2005/6. Und was die rührigen Ogiers 2006 vinifiziert haben, „übertrifft wohl selbst die herausragenden Qualitäten der Vorgängerjahre, denn aufgrund weiterer subtiler Verbesserungen in der Weinbergsarbeit sowie dem zunehmenden Alter der Rebstöcke haben unsere Weine nochmals an burgundisch anmutender Finesse gewonnen”, so Stephane Ogier mit sichtlichem Stolz angesichts seiner von der Fachwelt so heiß diskutierten herausragenden Qualitäten.

Domaine Michel Ogier
Stephane Ogier präsentiert voller Stolz seinen neuen Jahrgang

Die logische Konsequenz: Alle Händler, die nicht bereits vor Jahren das Potential dieser neuen Musterdomaine erkannten, stehen angesichts der zu verteilenden kleinen Quantitäten vergebens Schlange, um diese aromaintensiven, konzentrierten und dabei sehr eleganten und komplexen Syrah beziehen zu können. So haben sich Ogiers große Weine von der auch landschaftlich so reizvollen Côte Rôtie (extrem steile Hänge wie an der Mosel, der Saar oder in Rüdesheim) und ihres nicht minder spektakulären Gegenübers auf der andren Rhôneseite, der wiederentdeckten und restaurierten uralten Steillagen ais der Römerzeit südlich von Vienne, in den letzten Jahren zwar mit zu den beliebtesten Gewächsen Frankreichs entwickelt, sind jedoch für Liebhaber nur schwer erhältlich. Sie besitzen in ihrer schönsten Ausprägung eine kühle Stilistik und eine aufregende, komplexe Aromatik aus Cassisbeeren, Himbeeren, Oliven, gebratenem Speck, frischem Fleisch, schwarzen Oliven, Rauch und wilden Düften wie Moschus, unterlegt mit einer fabelhaften Mineralität, wie sie nur ganz wenige andere Rotweine der Welt aufweisen können. Diese originäre Stilistik vermag so manchen Weinnovizen bisweilen etwas abzuschrecken, lässt sie aber den Liebhabern expressiver, rassiger Syrah als ausgesprochen sinnlich und verführerisch erscheinen: Es sind die Antipodenweine zu den marmeladigen Kraftmonstern aus Übersee! Und daher meine ganz besondere Empfehlung für Liebhaber zutiefst finessenreicher und ungewöhnlich mineralischer Rotweine – Weinunikate, die wie ein Fanal aus dem Meer uniformer Langweiler internationaler Machart herausragen! Keine Region der Welt kann Syrah besser, edler und klassischer als die nördliche Rhône!

Domaine Michel Ogier

161206 Ogier, „La Rosine”, Vin de Pays Rhodanienne, rouge 2006 14,95 Euro
Von einer großartigen Granit-Parzelle, die direkt unmittelbar an die Spitzenlagen der Côte Rôtie angrenzt, mit nach Süden abdrehenden und identischen erstklassigen Böden gesegnet, aber eben außerhalb der Appellation gelegen, deshalb nur ein Vin de Pays, stammt diese legendäre Preissensation, die im Geschmack einem wirklich guten Côte Rôtie sehr ähnlich ist. Noble Kräuterwürze verwöhnt die Nase, betörende Aromen von schwarzen Oliven und Cassis vermischen sich mit Lakritze, Süßholz, schwarzen Kirschen sowie Noten von grünem Tee, Fleisch und Räucherspeck und intensiven floralen Noten, die an Rosen, Lavendel und Veilchen erinnern. Wunderbar frisch, schlank und präzise becirct der Wein im Mund, wunderbar rauchige, zart süßliche und dennoch enorm kühle Gerbstoffen umhüllen zärtlich die Zunge. „Zusammen mit August Clapes Côtes-du-Rhône, der auch aus 100% Syrah hergestellt wird, ist dies einer der besten Weine aus dem nördlichen Rhônetal, den man zu einem spektakulären Preis-Genussverhältnis bekommt und der besser schmeckt als viele reguläre Côte Rôties”, so urteilt auch Parker begeistert über diesen tiefdunklen, dichten, attraktiven, weichen Wein, der auf geniale Weise die Mineralität eines großen Côte Rôtie mit der verführerischen Säure eines finessenreichen Burgunders vermählt (einen Vergleich, den auch Jancis Robinson bei diesem Klassewein zieht!), harmonische Struktur, weicher, süßlicher Abgang. Zusammen mit dem 91er, 99er und 2005er der klar beste „Rosine”, den die sympathischen Ogiers bisher vinifiziert haben! Zu genießen ab sofort und in zwei Jahren auf seinem Höhepunkt verspricht dieser prächtige, hedonistische Landwein aus exzellentem Jahrgang ein klassisches Syrah-Erlebnis voller Ursprünglichkeit, das in der ganzen Welt nirgendwo kopiert werden kann!

Ogier, „La Rosine”, Vin de Pays Rhodanienne, rouge


Domaine Michel Ogier
Blick in den weitläufigen Barriquekeller

161406 Ogier, L’âme soeur VdP de Seyssel, rouge 2006 26,50 Euro
Dieser reinrassige Syrah stammt von phantastischen, enorm steilen, liebevoll restaurierten und terrassierten Schieferböden und ist eine Demonstration für die unvergleichliche Qualität, die von „einer wundervollen Familie in ihrem kleinen Reich an der nördlichen Rhône” (Parker) vinifiziert wird. Aber unsere heute präsentierte fabelhafte Pretiose stammt nicht von den weltberühmten Steilhängen der Côte Rôtie (diese 2006er kommen erst später auf den Markt), sondern von der anderen Rhôneseite, südlich von Vienne, bei Seyssuel, gelegen. Hier ist seit wenigen Jahren Spektakuläres im Gange, was viele Weinliebhaber noch gar nicht wissen: Mit der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts fiel ein über Jahrhunderte (Quellen berichten von gerühmten Weinen aus der Römerzeit!) bewirtschaftetes, erstklassiges Terroir um eine ehemalige erzbischöfliche Festung jedoch der Vergessenheit anheim. Erst 1995 entdecken einige „junge Wilde” unter den Rhônewinzern, aufmerksam geworden durch die Lektüre altrömischer Schriften von Virgile, die verfallenen Terrassenlagen hoch über der Rhône wieder und sind begeistert über ein Terroir, dass demjenigen auf der anderen Flussseite, den Côte Rôtie, in Nichts nachsteht, das, im Gegenteil, das sogar über besonders gute mikroklimatische Bedingungen verfügt. Sofort machen sich die rührigen Ogiers (wie einige andere Spitzenwinzer der nördlichen Rhône auch) voller Enthusiasmus an die Arbeit, dieses uralte Weinbaugebiet, die „Vins de Vienne", wieder zu beleben. Sie roden mühsam das völlig zugewachsene Gelände und pflanzen auf erstklassigen schwarzen Schieferböden hochwertige Syrahklone in sehr dichter Bepflanzung, um eine hohe Wurzelkonkurrenz zu erreichen. Das Resultat: Die erstklassigen Schieferböden ergeben im Zusammenspiel mit den klimatischen Gegebenheiten während der Vegetationsperiode (Der Jahrgang 2006 an der Nord-Rhône ist verspielter, finessenreicher, femininer ausgefallen als der mächtigere 2005er) einen traumhaften Wein, der nochmals femininer und betörender in seiner Stilistik daherkommt als die noch im Holzfass reifenden Côte Rôtie. Dieser zutiefst faszinierende, delikate Wein brilliert durch seine burgundische Eleganz, seine herausragende Komplexität, eine tiefdunkle Farbe (gedecktes Kirschrot mit deutlichen violetten Reflexen) und intensive Aromen: Ein verzaubernder Duft nach Cassis, Holunder, Blau- und Brombeeren, reifen Kirschen, Eukalyptus, Veilchen, Lavendel, süßen Gewürzen, Unterholz, Tannennadeln und zart animalischen Noten von geräuchertem Speck (zusammen mit der Cassis-Note DAS charakteristische Kennzeichen der großen Syrahweine der nördlichen Rhône), gegrilltem Lammfleisch und Leder. Ein wunderschöner Wein, der trotz seiner traditionellen Vinifikation die pure Exotik ausstrahlt. Am Gaumen sehr dicht, konzentriert, tief, reichhaltig und ungemein frisch – welch anregende Säure( !), dazu eine herrliche reife Süße im phantastisch langen Abgang. „Ein fabelhafter Wein, der mit einem nicht enden wollenden Nachhall besticht und einen für diese Fülle fast spektakulär niedrigen Alkoholgrad (12,5 %) aufweist”, urteilt begeistert Christina Hilker, Deutschlands Sommelier des Jahres 2005. Und daher auch meine ganz besondere Empfehlung für diesen edlen Syrah in Referenzqualität, den wir zwischen 2010 und 2018 trinken möchten!

Ogier, L’âme soeur VdP de Seyssel, rouge