Saarwellingen, im Januar 2009

Wein - Highlight


Riecine – Toskana: Die Essenz des Sangiovese

Ein mythischer Name aus einer der magischen Kulturlandschaften der Welt brilliert mit authentischen Weinen voller Noblesse!

Laue Abende in der Toskana verführen zum Träumen: Bei Vollmond tauchen die Hügel in ein bleiches Märchenlicht und Dörfer, romantische Gehöfte und Zypressen zeichnen sich wie Scherenschnitte in die Nacht. Die Toskana kann man riechen in diesen Nächten („Da packt mich ein Verlangen”, sang dereinst Konstantin Wecker): Den schweren Duft des steinigen Bodens, den erdigen Morgendunst ihrer Wälder. Im Frühling das betörende Parfum aus Gärten und Olivenhainen, den wilden Lorbeer und die Süße der Akazienblüten. Den berauschenden Geruch des Herbstes, wenn die Traubenernte begonnen hat. Und schließlich den Wein, die Seele der Toskana. Es ist die süchtig machende Gesamtheit all der betörenden Sinneseindrücke, die sanfte, allumfassende Harmonie, welche den einzigartigen Charakter dieser großen Kulturlandschaft prägt. Gänsehautatmosphäre, unvergesslich in der Seele verwahrt. Kein Wunder, dass seit meiner Jugend die großen Weine der zauberhaften Toskana zu meinen persönlichen Lieblingsgewächsen gehören: Herzblutweine, deren Stilistik jedoch in den letzten drei Jahrzehnten erheblichen Veränderungen unterworfen war!

„Der Chianti, wie wir ihn aus den 70er und frühen 80er Jahren kennen, war oft dünn, sauer, hell und besaß unreife, bittere Tannine. Solche Weine gibt es heute in der Toskana kaum mehr. Niemand soll deshalb behaupten, dass die Qualität insgesamt nicht ganz gewaltig gestiegen sei. Nur: Das Pendel hält nie in der Mitte inne, sondern schlägt immer ins andere Extrem aus. Heute sind nicht zu dünne und saure, sondern zu fette Weine ohne Temperament und Sortencharakter das Problem”, so das dezidierte Urteil von Andreas März, streitbarer, aber kompetenter Chefredakteur der Insider-Zeitschrift MERUM. Und wie recht hat dieser kritische Geist: Nach den dünnen, sauren Weinchen der 80er Jahre wurden und werden heute mit hohem kellertechnischem Aufwand viel zu viele fette, in ihrer Stilistik austauschbare Marmeladenweine aus internationalen Rebsorten produziert: Rubens trifft Schwarzenegger. Viele wahre Toskana-Liebhaber haben jedoch einfach keine Lust, diese „barriquegeschwängerten” Monstertropfen zu trinken, die vor schierer Kraft kaum zu laufen, geschweige denn grazil im Glase zu stehen vermögen!
Aber es gab und gibt die rühmlichen Ausnahmen in der Toskana: Handwerklich, in größter Achtung vor der Natur vinifizierte Sangiovese-Weine (die autochthone Urrebe der Region), vibrierend lebendige Geschöpfe voller Individualität – und somit das genaue Gegenteil eines in industrieller Massenproduktion gefertigten, immer gleich schmeckenden „Coca-Cola”-Produkts! Eine dieser leider so raren Trouvaillen können wir Ihnen heute als Neuaufnahme präsentieren: Das Weingut Riecine aus Gaiole in Chianti ist in jeder Hinsicht eine Perle und einer der strahlenden Fixsterne von „bella Italia” und nimmt in stilistischer Hinsicht eine absolute Ausnahmestellung ein. Seine Weine sind so betörend anders – schwebenden Wesen ähnlich, in unverfälschter, höchst authentischer toskanischer Weintradition! Diese Inkarnation von burgundischer Feinheit in Duft und Textur bildet den Gegenpol zu den unzähligen austauschbaren Technoweinen, die heute den Markt überschwemmen. Doch hier finden wir sie endlich wieder, die bisweilen verloren geglaubte, die andere, die helle Seite des Mondes. Originäres Chainti, wie es nobler und unverfälschter nicht sein kann!

Kein Zweifel: „Riecine” ist in den knapp vier Jahrzehnten seines Bestehens zur Legende geworden. Nur eine Handvoll anderer Weingüter der Toskana kann auf eine solche, die Maßstäbe definierende Qualitätsgeschichte zurückblicken wie dieses 1971 von dem Engländer John Dunkley gegründete Kleinod. Der Inhaber einer Londoner Werbeagentur war „ausgestiegen” und erfüllte sich einen Lebenstraum, als er zusammen mit seiner italienischen Frau gerade einmal 1,5 ha bester Rebfläche (mit einer jahrhundertealten Weinbautradition übrigens) von ihrem berühmten Nachbarn „Badia a Coltibuono” abkaufte. Ihre Maxime von Beginn an: Qualität, Qualität und nochmals Qualität, visionäre Konzentration auf die uralte autochthone Edelrebe der Region, den Sangiovese, geringe Erträge von sorgfältig gepflegten Reben in biologischem Anbau („Großartige Weine können nur aus großartigen Trauben kommen”) und sensible Vinifizierung im Weinkeller – und das alles ohne jegliche Holzorgien im feinduftig transparenten Wein! Unter Liebhabern dieser leider nur in kleinen Mengen produzierten traumhaften toskanischen Pretiosen ist seit Jahren unstrittig: John Dunkley, sein genialer schottischer (!) Kellermeister und Betriebsleiter Sean O’Callaghan (liebevoll als Meister der Sangiovese tituliert) und Gary Baumann, New Yorker von Geburt und Wahl-Mailänder wie -Toskaner, der das Gut vor einem Jahrzehnt nach dem Tode von Dunkleys Frau kaufte und es heute zusammen mit O’Callaghan leitet, führten dieses toskanische Kleinod an die absolute Spitze ihrer Region und machten es zu einem der besten Weingüter ganz Italiens! Die konsequente Hinwendung zum zertifizierten biologischen Anbau war dabei nur noch das letzte Tüpfelchen auf einem steilen Erfolgsweg, dessen Credo stets die höchstmögliche Qualität im Glase war, vinifiziert aus DER autochthonen Rebsorte der Toskana! Das Resultat solch liebevoller Arbeit im Detail sind geschliffene Sangiovese-Delikatessen – völlig frei von modischen überreifen Aromen, fetter Frucht oder gar trockenen Tanninen. Handwerkliche Sangiovese-Weine voller Eleganz statt holzüberladener Supertuscans aus internationalen Modesorten! Diese urigen, authentischen Chianti gehen schlicht unter die Haut! Sie beschwören die Magie ihrer Herkunft, sie rufen wehmütige Erinnerungen wach an laue Sommerabende unter toskanischem Himmel und das unbeschreiblich schöne fahle Licht in der Abenddämmerung, sie besitzen burgundische Textur und sind außerordentlich vielschichtig im faszinierenden Duft. Gänsehautatmosphäre!
Die Sehnsucht nach solch ursprünglichen, unverwechselbaren, authentischen Weinen zu fairen Preisen, bei deren Genuss Erinnerungen wach werden an unvergessliche Tage in einer einzigartigen Hügellandschaft und das pralle Leben in mediterranem Ambiente, lodert im Herzen eines jeden echten Toskanafans. Diese originären Chianti wagen avantgardistische Tradition, besitzen Charisma und unverfälschten Herkunftscharakter: Sie sind die Essenz der Toskana, wahrlich ihr pochendes Herz! Die magischen Weine von „Riecine” gehören schlicht zu den größten Weinen Italiens!


648507 Riecine, Rosé IGT, rosé 2007 7,95 Euro
Ein Rosé im Winter? Aber ja doch, wenn es sich um eine derart grandiose Ausnahmequalität handelt, die sich über Monate in der Flasche positiv entwickelt und nicht wie ein Komet im Nu verblüht. Feinste Frucht paart sich mit animierender Würze und versprüht mediterrane Lebensfreude, die an den kalten Tagen die Sehnsüchte nach lauen Sommerabenden in der Toskana zu stillen vermag! Fließt saftig und cremig über die Zunge, animierend wirkt feine Säure im Trunk, die der transparenten Frucht Struktur und Nervigkeit verleiht. Welch perfekter Begleiter herzhafter mediterraner Gerichte! Ein Rosé derart authentischer Stilistik ist ganz, ganz rar in Italien und findet sein Pendant in den berühmten, aber wesentlich teureren Bandol-Rosés von der französischen Mittelmeerküste. Unbedingt probieren. Dieser LeckerSchmecker lässt selbst überzeugte Roségegner konvertieren!



648106 Riecine, Chianti Classico, rosso 2006 15,80 Euro
Für viele Toskana aficcionados bildet Riecines Chianti Classico aus zertifiziertem biologischen Anbau einen der großen Referenzweine des Chianti: Sangiovese kann anders schmecken, besser wohl kaum! Toskana unverfälscht und ungeschminkt, nobel im Duft und burgundisch in der Textur. Dieser grandiose Chianti aus großem Jahr verströmt einen bezaubernden Hauch von Rosenblättern, Veilchen, Sauerkirschen, Minze, Pfeffer, Dörrobst, Weihrauch und betörenden Gewürzen, der in mir sentimentale Erinnerungen auslöst an meine erste Toscanareise vor vielen Jahren – Die Zeit steht still, unverwechselbare Gerüche und Erinnerungen kehren wieder. Die Zunge jubiliert ob der Feinheit und Transparenz der Frucht, die sie zärtlich liebkost und der erfrischenden Säurestruktur, die zum fröhlichen Gelage animiert: Das ist wahrlich ein handwerkliches Meisterwerk voll burgundischer Finesse mit reifen, cremigen Tanninen, das wohlige Emotionen auslöst. Seine seidige, geschmeidige Fülle, die zart-herben Anklänge an die duftende Erde der toskanischen Hügellandschaft nach einem zarten sommerlichen Landregen und seine animierend frische Säurestruktur machen einfach Lust, diesen urigen Chianti über einen Abend mit großem Genuss ‚solo’ zu leeren – ein Wein, der aber auch als kongenialer Essensbegleiter zu Pasta oder gehobener italienischer Küche dient. Ein duftiger Wein aus einer traumhaften Landschaft, ein originärer Chianti, wie er authentischer wohl kaum schmecken kann. Für meinen persönlichen Geschmack einer der schönsten Rotweine, die ich im abgelaufenen Jahr verkosten durfte: Noblesse oblige!
Zu genießen ab sofort, Höhepunkt 2010 bis nach 2014.



648205 Riecine, Chianti Classico Riserva, rosso 2005 32,00 Euro
Diese grandiose Riserva zeigt eine enorme Fülle, eine grandiose Kraft und eine wohlige Wärme und verwöhnt mit einer traumhaften Frische Nase und Gaumen gleichermaßen. Welch ein Reichtum an fruchtiger Süße und zugleich auch eine erdverbundene Würze! Eine solch geballte Ladung an Frucht und Terroir mit perfekt strukturierten Tanninen habe ich bislang bei einer Riserva in der Toskana nur ganz selten gefunden. Tief rubinrot läuft dieser verführerische, lasziv-erotische Wein ins Glas ... und dann tauche ich ab in die schemenhaften Bilder meiner Kindheit und schnuppere Großmutters Rumtopf mit eingelegten Kirschen, Brombeeren und Pflaumen. Aber: Hier stört keine marmeladige Überreife, stattdessen verwöhnt eine dichte, saftige, fast sahnige, herrlich kühle Frucht. Noble Bitterschokolade, Veilchen, dunkle Edelhölzer, viel Würze, wilde Kräuter, Tabak und mineralische Noten im kräftigen, langen, intensiven Nachhall ergeben Biss, Frische und pures Trinkvergnügen. Welch Essenz des Terroirs: Eine Sinfonie der unermesslichen Melodien, die ein großer Sangiovese in unkopierbarer Weise erklingen lassen kann. Die Frucht erlesenster Selektion der besten Trauben, die in den eng bestockten Weinbergen auf etwa 500 Meter über dem Meeresspiegel gewachsen sind. Ein sensationeller Chianti: Prächtige Aromen, feine Duftigkeit und wärmender Charme – wahrlich der verzaubernden Toskana pochendes Herz.
Zu genießen ab sofort, Höhepunkt 2010 bis nach 2014.



648304 Riecine, La Gioia, IGT rosso 2004 38,00 Euro
„La Gioia” bedeutet Freude! Und das grandiose Flaggschiff unseres toskanischen Kleinods, basierend auf Sangiovese und erschaffen aus rigoroser Traubenselektion von einer Vielzahl verschiedener Parzellen, ist in der Tat eine Quelle purer Freude aller Sinnen und die kaum für möglich gehaltene Steigerung des Riserva, schlicht das Non-Plus-Ultra. Ein großer Wein, der jeden Genießer sofort in seinen Bann zieht, der von allen Ingredienzien im Überfluss hat, der aber nicht mit vorlauten Tönen protzt, sondern ganz im Gegenteil sehr pointiert ist, geschliffen, ein unverwechselbarer Edelstein, ein Rohdiamant. Betörende Frucht von Wild- und Sauerkirschen, leicht likörhaft verdickt, zart mineralisch unterlegt, mit Anklängen an Veilchen, Kakao, Tabak, Schokolade und mit einer deutlichen mineralischen Würze. Bei jedem Schwenken des Glases tritt eine andere Note in den Vordergrund, dabei bleibt dieser noble Wein immer auf der feinen, distinguierten Seite, delikat, frisch und elegant. Vor allem ist da nicht nur diese verführerische zarte Fruchtsüße, sondern auch eine prononcierte, frische Säure, eine tiefgründige Mineralität und eine dezente Herbe von Cassisblättern und Tabaknuancen als ideales Gegenwicht: Tolle Spannung zwischen Brillanz, Opulenz und artisanaler Kraft! Das ist die unvergleichliche differenzierte Komplexität eines ganz, ganz großen, originären Sangiovese, der mit einem faszinierenden Spiel zwischen Kühle und Wärme betört. Für mich einer der legendären toskanischen Crus mit der ungebärdigen Kraft und rassigen Schönheit einer arabischen Vollblutstute. Ein überzeugender Beweis, dass große Chianti-Weine zur italienischen Rotweinelite gehören! Natürlich drei Gläser im Gambero Rosso!
Zu genießen ab sofort (profitiert enorm von mehrstündigem Dekantieren,) Höhepunkt Ende 2009 bis 2014.