Saarwellingen, im März 2007

Wein - Highlight


Domaine Michel Ogier - Côte Rôtie

Finessenreiche Kultweine burgundischen Stils aus einer der berühmtesten Appellationen Frankreichs – extrem rar und von legendärer Qualität!

Domaine Michel Ogier
Blick über die Weinberge der Domaine Michel Ogier

Michel und Stephane Ogier, dieses großartige Tandem Vater und Sohn, wird unter Insidern, selbst von der Winzerkonkurrenz an der nördlichen Rhône, hinter vorgehaltener Hand respektvoll als die heimliche Nr. 1 der Côte Rôtie tituliert.

Domaine Michel Ogier
Stephane Ogier beim Verkosten des neuen Jahrgangs

Auch Parker urteilt, dass auf dieser noch relativ jungen Domaine „einige der fesselndsten Weine der Appellation produziert werden mit einem der besten Preis-Genussverhältnisse (one of the areas best wine values”), doch was dieses Kleinod (im wahrsten Sinne des Wortes, gerade einmal 2,5 ha spektakulär guter, extrem steiler Lagen stehen unter Ertrag) im Jahrgang 2004 produziert, ist schlicht traumhaft schön. Zwar ist 2004 an der nördlichen Rhône ein Jahrgang, der, ähnlich wie im südlichen Teil, etwas im Schatten des übermächtigen 2003ers steht, doch wollen mir persönlich auch hier die 04er einfach besser gefallen, da die besten Weine wesentlich balancierter, harmonischer und frischer daherkommen als die übermächtigen, sehr alkoholstarken 2003er. Doch ist dies sicherlich eine Frage der persönlichen Geschmacksvorlieben. Und was die rührigen Ogiers 2004 vinifiziert haben, „übertrifft wohl selbst die herausragenden Qualitäten der Vorgängerjahre, denn aufgrund weiterer subtiler Verbesserungen in der Weinbergsarbeit sowie dem zunehmenden Alter der Rebstöcke haben unsere Weine nochmals an burgundisch anmutender Finesse gewonnen”, so Stephane Ogier mit sichtlichem Stolz angesichts seiner von der Fachwelt so heiß diskutierten herausragenden Qualitäten.

Die logische Konsequenz: Alle Händler, die nicht bereits vor Jahren das Potential dieser neuen Musterdomaine erkannten, stehen angesichts der zu verteilenden kleinen Quantitäten vergebens Schlange, um diese aromaintensiven, konzentrierten und dabei sehr eleganten und komplexen Syrah beziehen zu können. So haben sich die großen Weine der auch landschaftlich so reizvollen Côte Rôtie (extrem steile Hänge wie an der Mosel, der Saar oder in Rüdesheim) in den letzten Jahren zwar mit zu den beliebtesten Gewächsen Frankreichs entwickelt, sind jedoch für Liebhaber nur schwer erhältlich. Sie besitzen in ihrer schönsten Ausprägung eine kühle Stilistik und eine aufregende, komplexe Aromatik aus Cassisbeeren, Himbeeren, Oliven, gebratenem Speck, frischem Fleisch, schwarzen Oliven, Rauch und wilden Düften wie Moschus, unterlegt mit einer fabelhaften Mineralität, wie sie nur ganz wenige andere Rotweine der Welt aufweisen können. Diese puristische Stilistik vermag so manchen Weinnovizen bisweilen etwas abzuschrecken, lässt sie aber den Liebhabern expressiver, rassiger Syrah als ausgesprochen sinnlich und verführerisch erscheinen: Es sind die Antipodenweine zu den marmeladigen Kraftmonstern aus Übersee!

Domaine Michel Ogier

Etwas südlich von Lyon wachsen die besten Weine der Appellation Côte Rôtie auf zwei imposanten, steil zur Rhône hin abfallenden, terrassierten Berghängen, die eine Höhe von etwa 300 Metern mit einem Gefälle von 30 bis 55 Grad erreichen, so dass jeglicher Einsatz von Maschinen ausgeschlossen ist und die gesamte Weinbergsarbeit manuell erfolgen muss. Erst seit Anfang der 80er Jahre füllt Michel Ogier seine an den Steilhängen der so genannten „Côte Blonde” auf Granitterrassen und zum anderen auf den Schieferterrassen der „Côte Brune” wachsenden, je zur Hälfte von knapp 20 Jahre jungen und von sehr alten Rebstöcken stammenden Syrahweine selbst ab. Vorher verkaufte er einen Großteil seiner Ernte an zwei der berühmtesten Winzer der nördlichen Rhône, an Max Chapoutier sowie an Marcel Guigal – bei letzterem hatte er übrigens lange Zeit extrem erfolgreich als Kellermeister gearbeitet. Zwar rechnet sich Ogier zu Recht selber eher zu den Traditionalisten in der Appellation, doch vergärt er seine Weine zu etwa der Hälfte in neuen Barriques und füllt relativ früh auf Flasche ab, so dass ungewöhnlich feine, finessenreiche, seidige Syrah mit einer beeindruckenden beerigen, reifen Fruchtsüße und einer animierenden Säure erzeugt werden. Diese faszinierende Kombination aus Aroma und Finesse, Kraft und Struktur, Dichte und Tiefe findet man sonst nur noch bei den legendären Gewächsen von Guigal, insbesondere der „Mouline” scheint von der Stilistik ähnlich, doch verfügen die Weine von Ogier darüber hinaus über eine derart außergewöhnliche Eleganz für einen Rhônewein, dass sie viele Kenner auch an große Crus aus Pomerol oder aus dem Burgund erinnern. Meine ganz besondere Empfehlung für Liebhaber zutiefst finessenreicher und ungewöhnlich mineralischer Rotweine – Weinunikate, die wie ein Fanal aus dem Meer uniformer Langweiler internationaler Machart herausragen!

161205 Ogier, „La Rosine”, Vin de Pays Rhodanienne, rouge 2005 15,95 Euro
Von einer großartigen Parzelle, die unmittelbar an die Spitzenlagen der Côte Blonde angrenzt, mit nach Süden abdrehenden, identisch erstklassigen Böden gesegnet, aber eben außerhalb der Appellation gelegen, deshalb nur ein Vin de Pays, stammt diese legendäre Preissensation, die im Geschmack einem wirklich guten Côte Rôtie sehr ähnlich ist. „Zusammen mit August Clapes Côtes-du-Rhône, der auch aus 100% Syrah hergestellt wird, ist dies einer der besten Weine aus dem nördlichen Rhônetal, den man zu einem spektakulären Preis-Genussverhältnis bekommt und der besser schmeckt als viele reguläre Côte Rôties”, so urteilt auch Parker über diesen tiefdunklen, dichten, attraktiven, weichen Wein, der in der Nase ein ausgeprägtes Aroma von Heidelbeere und Kirsche zeigt in Verbindung mit Cassis, Vanille, Kaffee, Zimt, Lakritze, schwarzem Pfeffer und Kardamon. Am Gaumen schlank und präzise, demonstriert er auf geniale Weise die Mineralität eines großen Côte Roties in Verbindung mit der verführerischen Säure eines finessenreichen Burgunders (einen Vergleich, den auch Jancis Robinson zieht!), harmonische Struktur, weicher, süßlicher Abgang. Zusammen mit dem 91er und 99er der klar beste „Rosine”, den die sympathischen Ogiers bisher vinifiziert haben!
Zu genießen ab sofort bis 2015.


Domaine Michel Ogier
Blick in den weitläufigen Barriquekeller

161104 Ogier, Côte Rôtie, „Reserve du Domaine” rouge 2004 37,00 Euro
Der Jahrgang 2004 ist dunkelbeeriger, verspielter, finessenreicher, femininer ausgefallen als der mächtigere 2003er. Dieser zutiefst faszinierende delikate Wein brilliert zudem wie immer durch seine burgundische Eleganz, seine herausragende Komplexität, eine tiefdunkle Farbe und intensive Aromen: Traumhafte Nougatnoten und Karamell entsteigen verführerisch dem Glase, mit etwas Luftkontakt offenbaren sich Noten von eingelegten Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren, Weihnachtsgewürzen, geräuchertem Speck, Vanilleschoten und feinen indischen Gewürzen. Ein wunderschöner Wein, der trotz seiner traditionellen Vinifikation die pure Exotik ausstrahlt. Am Gaumen sehr dicht, konzentriert, tief, reichhaltig und ungemein frisch, dazu eine herrliche reife Süße im phantastisch langen Abgang. „Ein fabelhafter Wein, der mit einem nicht enden wollenden Nachhall besticht und einen für diese Fülle fast spektakulär niedrigen Alkoholgrad aufweist”, urteilt begeistert Christina Hilker, Deutschland Sommelier des Jahres 2006. Die ungemein kühlen, traumhaft weichen, rauchigen Gerbstoffe präsentieren sich mächtig (enormes Lager- und Entwicklungspotential!) und saftig zugleich sowie von seidener Struktur. Nach meinem persönlichen Geschmack einer von Ogiers bisher brillantesten Côte Rôtie und wohl auf der gleichen Qualitätsstufe wie der mit 95 Punkten von Parker geadelte 99er. Meine ganz besondere Empfehlung für diesen edlen Syrah in Referenzqualität!
Zu genießen ab sofort in seiner schönsten Primärfruchtphase (Dekantieren bitte), Höhepunkt voraussichtlich 2009 bis nach 2020.