Saarwellingen, im März 2007

Wein - Highlight


Château Lamartine - Cahors

„Schade, dass man Wein nicht streicheln kann”, Kurt Tucholsky

Château Lamartine
Blick über die Rebzeilen auf Château Lamartine

„Ohne Zweifel macht Alain Gayraud die Pinot Noir aus Cahors”, so charakterisiert Frankreichs Winzerstar Pascal Verhaeghe (Domaine du Cèdre) voller Stolz die stilistisch höchst eigenständigen Weine seines mittlerweile in Insiderkreisen höchst angesehenen Freundes.

Château Lamartine
Alain Gayraud beim Verkosten

Diese authentischen Weine sind von subtilem und delikatem Charakter, sehr tief und dicht, vollkommen harmonisch und von einer raren Eleganz und Finesse gezeichnet – fürwahr Cahors’sche Crus. Die Weinberge, insgesamt 30 Hektar, liegen in idealer süd-südwestlicher Exposition auf der zweiten und dritten Terrasse hoch über dem Tal des malerischen Flüsschens Lot. Die kargen, gut drainierten Böden sind stark kalkhaltig (wie im Burgund) und hohe Eisenanteile sorgen für Komplexität und feine Würze im fertigen Wein. Zudem liegt Château Lamartine am äußersten westlichen Punkt der Appellation Cahors und verfügt somit über ein einzigartiges Mikroklima, welches neben südlichen Einflüssen auch vom Atlantik her – ähnlich dem nahen Bordelais – geprägt wird. So überstehen die sehr tief wurzelnden Reben auch heiße Sommer ohne jeglichen Trockenstress.

Alain Gayraud ist eine der Schlüsselfiguren im französischen Südwesten: Er spielte eine treibende Rolle bei der Wiederherstellung der AOC Cahors 1971 und bereitet derzeit zusammen mit seinem Freund Pascal Verhaeghe eine bahnbrechende Klassifikation des einst so berühmten Weinanbaugebietes in Quercy (altgallischer Name für Cahors, bedeutet soviel wie: „die am Ufer eines schönen Flusses leben”) vor. Dieses dreistufige Modell sieht – in Anlehnung an Burgund – eine Einstufung der Lagen als Grand und Premier Cru vor. Die einfachen Weine werden nur unter dem Namen der Appellation Cahors geführt. „Wir brauchen diese Klassifikation, um das durch rustikale Massenweine heruntergekommene Image der Region aufzupolieren. Denn das Potenzial unserer Region ist gewaltig und gleichwertig mit dem Bordelais!” Diese auf den ersten Blick manchem Weinfreund gewagt erscheinende These Alain Gayrauds findet ihre Bestätigung nicht nur in historischen Texten der Vergangenheit, in denen gar von einer Überlegenheit des „black wine” aus dem Cahors über die Konkurrenz aus dem Bordelais die Rede ist, davon überzeugt auch jeder Schluck der großartigen Weine von Lamartine!

Château Lamartine
Blick in den Barriquekeller auf Château Lamartine

Zum Jahrgang 2004: Der Jahrgang 2004 bot im Cahors die erdenklich besten klimatischen Voraussetzungen. Nach einem optimalen Sommer, es war warm, aber nicht zu heiß, fiel von Anfang September bis Mitte Oktober, bis zum Ende der Ernte also, kein einziger Tropfen Regen, so dass alle Trauben in kerngesundem Zustand eingebracht werden konnten. Die Weine, die Alain daraus erzeugt hat, sind mit dem Begriff spektakulär nur unzureichend beschrieben, Weine mit einer Finesse, Rasse, Eleganz und insbesondere einer Komplexität wie wohl nie zuvor. Dabei sind die Nuancen zu den ebenfalls phantastischen 2002ern (Sie wissen, werte Kunden, 2002 war im Cahors, im Burgund und an der Loire ein ganz großer Jahrgang!) sehr gering. Die Weine haben die gleiche Balanciertheit, Finesse und Eleganz, bei aller Dichte und Konzentration, wie in 02, doch irgendwie von allem einen Tick mehr! Die seit Jahren praktizierte vorbildliche Bodenarbeit und der Verzicht auf jeglichen Einsatz chemischer Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel tragen erkennbar Früchte und führen zu lockeren, „lebenden Böden” voller Kleinstlebewesen mit einer hohen Wasserhaltekraft. So verfügen Alains authentische Gewächse über eine unnachahmliche Frische und Eleganz, eine duftige Frucht und eine unvergleichlich burgundische Finesse. Genau diese nicht bis an die Schmerzgrenze vorangetriebene Konzentration verleiht den saftigen Weinen von Lamartine ein äußerst attraktives Trinkvergnügen!


508104 Château Lamartine, rouge 2004 8,90 Euro
Bereits dieser zu einem Drittel in gebrauchten Barriques (ansonsten Betoncuvées) ausgebaute Alltagswein aus vorbildlich selektierten Malbec- und Merlottrauben besticht durch seine klare, feingliedrige Struktur und seine traumhafte Aromatik. In der Nase fasziniert ein intensives Bukett von dunklen Beeren, traumhaft unterlegt von einer ausgeprägten Röstaromatik, die an Kaffee, noble Bitterschokolade und getoastetes Schwarzbrot erinnert. Am Gaumen präsentiert sich dieser burgundisch inspirierte Wein leicht, fast tänzerisch, mit ausgeprägter Mineralität und feinkörniger Säure-und Tanninstruktur. Eine solch ausgeprägte aromatische Fülle bei einem so moderaten Alkohol ist schlicht spektakulär. Das cremige Tannin ist feinkörnig, und im animierenden Nachhall, der von einer ausgeprägten Kirschnote und einer fein durchwobenen Würze dominiert wird, blüht die Frucht noch einmal regelrecht auf und klingt tief mineralisch aus. Welch ungewöhnlich langes Entwicklungs- und Reifepotential für einen Wein in dieser so genussfreundlichen Preisklasse!
Wegen seiner geschmeidigen Tannine und seiner spielerischen Eleganz schon ab sofort wunderschön zu genießen (der perfekte Wein zum Osterlamm!), Höhepunkt Ende 2007 bis mindestens 2012.


Château Lamartine

508204 Lamartine, Cuvée Particulière, rouge 2004 12,50 Euro
„Niemals zuvor war die ‚Cuvée Particulière’ in ihrer Reife, ihrer Konzentration und in der Finesse ihrer Tannine qualitativ so dicht bei der Cuvée Expression wie in 2003. Und 2004 gefällt uns noch besser, denn in diesem Jahrgang begeistert Lamartine mit einer enormen Frische und Frucht”, jubelt begeistert die „Bibel” der französischen Weinkritik, das „Classement des meilleurs vins de France”! In der Farbe tiefschwarz, mit ganz leichten violetten Aufhellungen zum Rande hin. Bereits bei meiner ersten Fassprobe umschmeichelten sehr komplexe, feinst ziselierte Aromen die Nase: Noten von kleinen süßen Waldfrüchten, eingelegte Schattenmorellen, Cassis, kandierte Feigen, süßes Früchtebrot, Pfeffer, Tabakkiste, Zedernholz, ein Hauch von Gewürzanklängen, Nelke und Zimt, dazu Veilchen und feine Raucharomen. Dieses gesamte faszinierende Spektrum findet sich auch im Mund wieder, mit Anklängen an Brotkruste, herrlichen Würznoten, Salbei und Lavendel: Eine großartige Fruchtdichte mit burgundischer Eleganz und Finesse, ein großer Terroirwein des Cahors! Die 1988 erstmals vinifizierte „Cuvée Particulière” ist ein Ausbund an innerer Dichte, Konzentration und Feinheit gleichermaßen. Das Potenzial dieses in gebrauchten und neuen Barriques ausgebauten Weins (90 % Malbec, 10 % Tannat) ist grandios:
Davon konnte ich mich bei meinem letzten Besuch vor Ort vergewissern, als mich Alain den 1990er probieren ließ, einen durch sein edles Rosenparfum und Aromen von kleinen Griotte-Kirschen zutiefst beeindruckenden Wein. Die dezente Süße in den ungemein weichen, seidenen, cremigen Tanninen wird in 2004 belebt durch mineralische Frische und einen stringenten Säurenerv – ein großer Wein, Charakter pur, zum mehr als fairen Preis! In seiner Preisklasse von beispielloser Qualität, ‚nüchtern’ bewertete 91 Punkte‚ doch gefühlt-geschmeckte’ 93+!

Unbedingt ein bis zwei Stunden vor dem Trinken dekantieren, dann können Sie diesen großen Wein bereits jetzt zu dunklen Fleischgerichten wie Hirschrücken mit Wachholdersoße und Brombeersoufflé oder geschmorte Rehkeule mit eingelegten Kirschen und Schwarzwurzelgemüse genießen; seine wahre Größe zeigt sich jedoch erst in zwei bis drei Jahren bis weit nach 2018, wenn der mächtige Tanninkern abgeschmolzen und die Säure perfekt integriert sein wird.


Château Lamartine
Handverlesen wird das Gut auf Château Lamartine

508304 Lamartine, Expression, rouge 2004 25,90 Euro
Dieser ausschließlich in neuen Barriques ausgebaute reinsortige Malbec ist nicht nur einer der großen Klassiker der Region, bereits der 99er wurde schlicht als der „größte unter allen verkosteten Weinen des französischen Südwestens” angesehen, so die Eloge der „Revue du Vin de France”. Erwarten Sie jedoch bei dieser Spitzencuvée keinen hyperkonzentrierten Monsterwein, im Gegenteil: Sie genießen zwar einen im Kern tiefschwarzen Wein mit violetten Reflexen und einem kardinalsroten, irisierenden Rand, doch mit einer – bei aller Dichte und Konzentration – großen Eleganz und kühlen, cremigen Tanninen. In der Nase eine betörende, komplexe, tiefgründige Aromenintensität: frisch gepflückte Waldbrombeeren, Schattenmorellen und Zwetschgen begleiten Noten, die an frisch geschroteten schwarzen Pfeffer und Wachholderbeeren erinnern, dazu Lavendel, Veilchen, Unterholz, geräuchertes Fleisch und schmelzige Schokolade, feinst unterlegt mit einem delikaten, vanilleartigen Holzton und rauchigen Anklängen. Am Gaumen präsentiert sich dieser spektakulär schöne Wein extrem saftig, dicht, cremig, mineralisch und glycerinreich. Von enormer Faszination! Die kühle, beerige Frucht mit ihrer zarten Kirscharomatik und den feinen Gewürznoten zeigt viel Finesse, ist aber noch eingebettet in eine eher ungewöhnliche Opulenz und besitzt daher viel Babyspeck sowie (noch) deutliche Holzanklänge vom feinfühligen Ausbau in neuen Barriques. Dazu ein immens langer, traumhaft mineralischer und frischer Nachhall, den man so schnell nicht wieder vergisst. Übrigens: Christina Hilker, im Gault Millau 2005 als Sommelier des Jahres geehrt, schwärmt von diesem „verführerischen Wein als perfekte Ergänzung für intensive Wildgerichte mit fruchtig süßlichen Einschlägen wie z.B. eine Etouffé-Taube, glasiert mit orientalischen Gewürzen an Périgord-Trüffelsoße und cremigem Selleriegemüse”.
Dieser große Wein präsentiert sich zurzeit noch sehr verschlossen und wird seine Genussreife voraussichtlich zwischen 2012 und 2030 erreichen!