Saarlouis, 2. September 2007

Domaine Laffont - Madiran

Grandiose Gewächse aus der Tannattraube:
Die wilden Musketiere aus der Gascogne gelten wegen ihrer Herz-schonenden Wirkung als die gesündesten Weine der Welt!

Pierre Speyer, ungemein liebenswerter Winzer belgischer Herkunft, erfüllte sich nach 20 jähriger Tätigkeit in der Filmbranche und 2 jähriger intensiver Suche im französischen Südwesten seinen Lebenstraum: Er erwarb 1993 eine sehr kleine (3,5 ha), allerdings mit bis zu 70 Jahre alten Rebstöcken bepflanzte Domaine im Madiran mit optimal ausgerichteten Südhängen und erstklassigem Terroir (sehr ärmliche, schwere Lehmböden unterschiedlicher Ausprägung und Parzellen mit kleinen Kieselsteinen), das Kenner für das beste der Region halten und wurde Winzer. Schon seine ersten Jahrgänge nach behutsamer Restauration der alten Weinberge ließen aufhorchen, ohne dass er jedoch damals bereits wirklich zur Elite der Appellation gehörte. Spätestens mit dem 99er Jahrgang hat er sich jedoch, inspiriert von den Vorstellungen und Ideen unseres gemeinsamen Freundes Pascal Verhaeghe (Château du Cèdre), in die Handvoll Spitzenwinzer dieser erstklassigen Appellation katapultiert. Kein Wunder: Setzt Pierre doch kompromisslos auf extrem aufwändige handwerkliche Tätigkeiten im Weinberg und auf Minimalintervention im Keller. Seine kontinuierlichen Verbesserungen der Bodenstruktur im Wingert, das arbeitsintensive Wegschneiden der seitlichen Wurzeln, um die Hauptwurzeln tiefer in die Erde zu treiben, die optimale Blattwerksarbeit, die extrem späte Lese im Oktober, wenn die Trauben auf den Punkt die volle physiologische Reife erreicht haben und die Inbetriebnahme des neuen klimatisierten Weinkellers mit idealen Lagermöglichkeiten, eine extrem schonende Pressung der Trauben durch eine eigens von ihm erdachte Konstruktion, die meisterhafte Anwendung der Mikrooxidation (Diese Methode, ursprünglich von Patrick Ducournau entwickelt und von unserem Freund Pascal Verhaeghe, Château du Cèdre, perfektioniert, wird mittlerweile in vielen Teilen der Welt angewandt, um gerbstoffdominante Rebsorten zu domestizieren) und das Extrahieren nur der feinsten Tannine aus den dickhäutigen Schalen der Tannattraube, all diese Maßnahmen katapultieren Pierres so charaktervolle und urwüchsige Weine in die absolute Spitzenliga des gesamten französischen Südwestens.

Doch nicht nur wegen ihrer herausragenden Qualitäten auf absolutem Spitzenniveau sind die Tannat-Weine der Domaine Laffont seit Jahren ungemein beliebte Klassiker in unserem Programm. Darüber hinaus sind sie auch die „gesündesten Weine der Welt” – so urteilt zumindest Dr. Roger Corder vom Londoner William Harvey-Institut für Kreislaufforschung. Der renommierte Mediziner hat das so genannte French Paradox genauer untersucht, das 1979 zum ersten Mal in der Zeitschrift „Lancet” beschrieben wurde: Es wurde beobachtet, dass die Bevölkerung in Südwestfrankreich seltener Herzinfarkte als Menschen in anderen Industrienationen erleidet, obwohl sie sich infolge ihrer traditionellen Küche, erinnert sei hier nur an die berühmte „foie gras”, fettreicher und üppiger ernähren als irgend wo sonst. Der französische Arzt Dr. Serge Renaud brachte das Phänomen 1992 in Zusammenhang mit dem hohen Rotweinkonsum. Doch Roger Corder war irritiert durch widersprüchliche Studien, die dem Rotwein mal eine lebensverlängernde Wirkung zusprechen und dann wieder keinen Unterschied finden zwischen Rotwein, Weißwein und Bier. Also untersuchte Corder anhand 28 völlig unterschiedlicher Weine aus verschiedenen Ländern, ob ein Bestandteil von Rotwein, die Polyphenole, denen man die Herz schützende Wirkung zuschreibt, unterschiedslos in allen Fällen die Blutgefäße vor Verstopfung bewahrt.
Und Corders Experiment hatte einen eindeutigen Sieger: einen tiefdunklen, fast pechschwarzen Madiran, hergestellt aus der Tannat-Rebe. Auch Cabernets haben in diesem Experiment gut abgeschnitten, kalifornische Weine landeten im Mittelfeld, Australier bildeten zusammen mit Weiß- und Rosé-Weinen die Schlusslichter im Wettstreit um die beste Schutzwirkung. Das schlechte Abschneiden der hellen Weine hatte Corder erwartet: Polyphenolhaltig sind vor allem die Haut und die Kerne der Trauben, die nur beim Rotwein bis zum Schluss mitfermentiert werden. Die krassen Unterschiede zwischen den einzelnen Rotweinen aber waren es, die ihn elektrisierten. Seine Lösung nach vielen Gesprächen mit Winzern in aller Welt: Die Traubensorte ist zwar wichtig, aber genauso die Verarbeitung der Trauben. Die Weine, die schlecht abschnitten, hatten meist nur Gärzeiten von vier bis fünf Tagen. In den traditionellen Weinregionen Frankreichs, und insbesondere bei den Weinen, welche die Herz schützende Funktion besitzen, betragen sie aber bis zu drei Wochen. Um die Polyphenole, auf die es ankommt, aus den Kernen heraus zu lösen, sollten es mindestens neun bis zehn Tage sein, schätzt Corder.

Seine Schlussfolgerung: Nicht Rotweine oder Polyphenole an sich schützen vor Herz-Kreislauferkrankungen, sondern jene Polyphenole, die aus Trauben der Tannat-Rebe nach längerer Gärung freigesetzt werden. Die Tannattraube ist mit der Cabernet-Sauvignontraube (und natürlich auch der Malbectraube aus dem Cahors) verwandt, doch enthält sie noch wirksamere Polyphenole. Die optimale Herz schützende Wirkung findet man daher bei Weinen aus dem Madiran – und damit genau aus denjenigen Regionen, in denen das French Paradox ursprünglich beschrieben wurde. Wohl bekomms mit den authentischen Weinen Pierre Speyers, in denen man sowohl die Kraft und Urwüchsigkeit der Tannat-Rebe findet, wie sie auch den großen Gewächsen der Domaine Berthoumieu zu eigen sind, als auch eine Finesse, Mineralität und Komplexität, die nur wenigen großen Gewächsen Frankreichs zu eigen ist!

Eine persönliche Anmerkung noch: Wenn ich so beobachte, wie viel Schein und Big Business mittlerweile in weiten Bereichen der Weinszene Einzug gehalten haben, dann freue ich mich immer wieder über die persönlichen Beziehungen zu den Winzern, die sich ihre Natürlichkeit und Menschlichkeit bewahrt haben. Mit einer atemberaubenden Kollektion traumhafter Weine hat sich Pierre Speyer innerhalb weniger Jahre in die absolute Spitze der Winzer des wilden französischen Südwestens katapultiert. Doch Pierre gehört zu denjenigen Menschen, die der Erfolg in keinster Weise verändert hat, er ist ein ungemein sympathischer Mensch geblieben und von ihm als Winzer werden wir noch viel hören in den nächsten Jahren. Da bin ich mir ganz sicher!


504106 Laffont, Cuvée „Hécate”, rouge 2006 17,50 Euro
Im Stil und in der Qualität dem großartigen 2004er sehr ähnlich: Von der Revue du vin de France in ihrer Jahrgangsbeurteilung 2006 zu den besten Weinen des gesamten französischen Südwestens gezählt!


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