Saarwellingen, im März 2009


Azienda Agricola Nello Baricci – Montalcino

Burgundische Noblesse in erfrischend spröder Verpackung, Montalcino ungekünstelt, Wein und Landschaft von großem Reiz und herber Schönheit

2004 ist wohl der größte Jahrgang aller Zeiten in Montalcino - Mit der Höchstbewertung von 5 Sternen durch die Kommission des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino geadelt!

Azienda Agricola Nello Baricci
Nello Baricci

Laue Abende in der Toskana verführen zum Träumen: Bei Vollmond tauchen die Hügel in ein bleiches Märchenlicht und Dörfer, einsame Gehöfte und Zypressen zeichnen sich wie Scherenschnitte in die Nacht. Die Toskana kann man riechen in diesen Nächten: den schweren Duft des steinigen Bodens, den erdigen Morgendunst ihrer Wälder. Im Frühling das betörende Parfum aus Gärten und Olivenhainen, den wilden Lorbeer und die Süße der Akazienblüten. Den berauschenden Geruch des Herbstes, wenn die Traubenernte begonnen hat. Und schließlich den Wein, die Seele der Toskana. Es ist die süchtig machende Gesamtheit all der betörenden Sinneseindrücke, die Harmonie aller Einzelteilchen, welche den einzigartigen Charakter dieser großen Kulturlandschaft prägen. Gänsehautatmosphäre, unvergesslich in Hirn und Herz eingebrannt.

Und immer wieder, wenn ich einen bestimmten Wein öffne, der mir nie aus dem Sinn zu gehen scheint, seit ich ihn das erste Mal getrunken habe, an ihm rieche und ihn danach wohlig auf der Zunge verspüre, sehe ich vor meinem geistigen Auge das traumhafte Städtchen Montalcino in der milden Abendsonne weithin sichtbar auf seinem in fahles Licht getauchten Berghügel leuchten. Welch wohlig-sentimentale Erinnerung! Ist es nicht Terroircharakter in seiner schönsten Form, wenn ein Wein uns so deutlich an seinen Ursprung erinnert und den Durst der Seele stillt? Warum nur, um alles in der Welt, schmecken dann so viele Brunelli als (durchaus hochwertige, aber dennoch) austauschbare Kopien eines internationalen Weinstils, der in Barrique-Langeweile zu ersticken droht? Zahlreiche, bis vor wenigen Jahren noch traditionell arbeitende Brunello-Winzer finden immer mehr Geschmack an Röstaromen und Holztanninen, während gleichzeitig die kundige Kundschaft zunehmend ihre Barrique-Abneigung in Kaufverweigerung äußert. Ich jedenfalls fühle mich in guter Gesellschaft mit echten Weinliebhabern und Toskana-Freaks, die das „altmodische” Bedürfnis nach typischen, von jeglichen Fremdaromen verschonten, dafür trinkanimierenden, authentischen Terroir-Weinen verspüren. Und mein Fernweh nach Montalcino wird erheblich getrübt, wenn der zu Hause verkostete Brunello nicht nach Brunello schmeckt!

Azienda Agricola Nello Baricci

Dafür gibt es keinen einleuchtenden Grund, denn die besten Parzellen des Anbaugebietes von Montalcino verfügen über ein phantastisches Terroirpotential. „Der Sangiovese ergibt dort authentische Weine, die tatsächlich unvergleichlich sind und dem Brunello den Ruf eines der großen Weine der Welt eintragen. Wenn nun Produzenten solcher Lagen ihre Weine mit moderner Önologie so verfremden, dass man beim besten Willen nicht mehr auf ihre Herkunft schließen kann, dann ist das ein Kulturfrevel. Diese Verfremdung des Weins ist umso dümmer, als Weine aus Spitzenlagen dadurch nicht mehr von Weinen aus den heißen Plantagen im Süden des Hügels zu unterscheiden sind. Es soll mir mal einer erklären, warum ein Brunello, der gleich schmeckt wie eine Maremma-Cuvée oder ein Wein aus den Abruzzen oder aus Kampanien, seinen Preis wert sein soll!” So das zornige, aber meinen geschmacklichen Vorlieben nach absolut zutreffende Urteil von Andreas März, streitbarer Chefredakteur von MERUM, einer unbedingt empfehlenswerten Zeitschrift, die sich vehement für unverfälschte Olivenöle und authentische Weine Italiens engagiert. Und von einem originären, unverfälschten Terroirwein aus Montalcino will ich Ihnen jetzt erzählen.

Bei meinem ersten spontanen und unangemeldeten Besuch (ein lieber Weinfreund und Intimkenner der italienischen Szene hatte mich mit großem Nachdruck dazu „genötigt”) auf dem kleinen Gehöft auf dem im Norden des Montalcinogebietes gelegenen Montosoli-Hügel, der schon seit jeher wegen seiner Höhenlage und den starken Unterschieden zwischen warmen Tages- und relativ kühlen Nachttemperaturen als ideales Anbaugebiet burgundisch inspirierter Weine voller Eleganz und Finesse berühmt ist, traf ich einen älteren Herrn, der in kurzen Hosen und Unterhemd gemütlich in seinem Stuhle lehnte und sehr zufrieden, so schien es, in die Welt hinaus schaute. Ich fragte ihn, ob er mir sagen könne, wo ich den Besitzer finde. Ein freundliches Lächeln erfüllte bei dieser Frage sein Gesicht und er entgegnete mir voller Wärme: „Io sono Baricci”. Und als ich schließlich wissen wollte, ob es denn möglich sei, auch ohne Voranmeldung seine Weine zu verkosten, lies er mich durch ein viel sagendes Kopfnicken wissen, dass Nello Baricci (so sein vollständiger Name) sich mit offenem Herzen über jeden Besucher seines Weingutes freue, der Interesse an seinen großen, traditionsreichen Weinen mitbringe. „Aber die Proben sind eine Sache der Jüngeren,” flüsterte Nello mir zu und rief seinen Schwiegersohn Pietro, der mich dann zum kleinen, aber feinen Weinkeller geleitete.

Azienda Agricola Nello Baricci

Pietro erzählte mir dann voller Stolz von der langen Geschichte des Traditions-Weingutes, von den 60er Jahren, als Nello Baricci mit einigen Winzern aus Montalcino das Brunello-Konsortium gründete und davon, dass von diesen Gründungsmitgliedern heute nur noch Nello Baricci lebe, von den 10 Brunello Weingütern, die es damals gab und den 250 heute existierenden Weingütern, die oftmals einen Brunello produzieren, der nach allem schmeckt, aber nur nicht nach der wunderbaren Rebsorte Sangiovese und seiner Heimat Montalcino. „Unsere Philosophie”, fährt er in Fahrt gekommen fort, „ist von Anfang an so einfach wie klar. Wir beobachten die Natur und ernten unsere Sangiovese-Trauben, wenn sie ihre optimale Reife haben. Die Gärung dauert durchschnittlich 15-18 Tage. Dann werden die Weine nach traditioneller Art, genau so unverfälscht wie früher, ohne irgendeines der modernen Kellermittelchen einzusetzen, in großen Fässern über 3 Jahre ausgebaut. Nach einem Jahr der Flaschenreife kommen die Weine schließlich in den Handel”.

Und was für ein unverwechselbarer Stil zeichnet diese urtraditionellen Brunelli aus! Ganz anders als die vielen Konzentrationsmonster „schleicht” sich dieser Wein eher leise in alle Sinne und betört durch burgundische Finesse und Eleganz. Auch im Mund setzt sich diese feine Klarheit des Weines betörend fort und bleibt noch minutenlang am Gaumen haften, wenn das Glas schon lange geleert ist. Die extrem langlebigen Brunelli von Baricci sind große, unverwechselbare Sangiovese-Unikate. Es sind ungemein elegante Weine, die durch feinste Frucht, kraftvolle Klarheit, betörende Eleganz und ein langes Finale dem Ruhm des großen Brunello gerecht werden. Ein „Muss” für Liebhaber subtiler Genüsse, welche Kaschmir und Seide, Finesse und Eleganz mehr schätzen als vorlautes Krachen im Glase oder Holzorgien für Bibermäuler. Ein urtraditioneller Referenzwein für unbeirrt auf die Flasche umgesetzte Brunello-Authentizität!

Azienda Agricola Nello Baricci
Kerngesunde Trauben liefern die Basis der urwüchsigen Gewächse
der Azienda Agricola Nello Baricci

Mit der Verkostung des Rosso di Montalcino findet mein Besuch einen wunderbaren Abschluss. Dieser Wein, der in internen Verkostungen in Montalcino zum besten Rosso des Jahrgangs 2005 gekürt wurde (!), besticht durch seine tolle Frucht und seine kraftvolle Konzentration. Ein Wein mit großer Struktur, gleichzeitig ungemein frisch und lebendig. Spontan beschließe ich, diesen Wein zu meinem abendlichen Absackerwein zu machen, wenn ich in meinem Hotelzimmer die täglichen Eindrücke auf den Weingütern sortiere und nehme einige Kisten mit in der Gewissheit, immer wieder großen Weingenuss erleben zu dürfen. Beim Hinausgehen treffe ich dann wieder auf Nello Baricci, ich blicke in sein immer noch sehr zufriedenes Gesicht und er schaut offen in meine Augen, welche die Ehrfurcht vor seinen großen Weinen nicht verbergen wollen. Und dann stelle ich noch eine ganz dumme Frage: „Warum sind Ihre Weine eigentlich nicht in den gängigen Weinführen bei Gambero Rosso und Robert Parker zu finden?” Er schaut mich mit seinem zufriedenen Lächeln weiter an und sagt einfach nur achselzuckend „Perché?”.
Werte Kunden: Der Brunello von Baricci verkörpert genau die Stilistik eines Weines aus Montepulciano, den ich persönlich immer wieder trinken möchte. Ein unverfälschter Heimatwein mit Seele, unkopierbar auf der Welt, eines der immer seltener werdenden großen Weinoriginale. Genau so empfindet übrigens Andreas März, der die Baricci-Weine, die preislich wie qualitativ gesehen die meisten Prestige-Barrique-Brunelli als völlig überteuert demaskieren, auf dem Gut verkostet, danach höchst bewertet und kommentiert hat: „Toll finde ich unter anderem, dass der heutige Brunello von Baricci genau so schmeckt wie seine Brunello der frühen 80er Jahre, die mich vor 20 Jahren wiederholt nach Montalcino pilgern ließen. Gäbe es doch mehr Baricci in Italien! Nur sehr wenige italienische Winzer können sich leider damit brüsten, ihrem Stil seit 20 Jahren treu geblieben zu sein”. Wahrlich: Törichte Moden kommen und gehen, echte, originäre Qualität ist zeitlos! Wohl bekomm’s!


640107 Baricci, Rosso di Montalcino 2007 14,90 Euro
Welch wunderbares Schnäppchen aus einem Traumjahrgang der Toskana! Der kongeniale Nachfolger unseres 2005er Bestsellers, der zum schönsten Rosso des Jahrgangs 2005 gekürt wurde!
Welch betörende Nase, feinduftig und transparent, geschmeidig und erfrischend mineralisch zugleich: Ein verzaubernder, ein fröhlicher Wein, der Leben atmet und Emotionen auslöst, weil er so rein und authentisch, so unverfälscht riecht und schmeckt, dass jedem Brunello-Liebhaber das Herz aufgeht, wenn man ihn im Glas hat. Denn die Qualität dieses fabelhaften Rosso hält bereits locker mit denen vieler hochpreisiger Brunelli mit! Das ist die echte Toskana, das ist ein authentischer Montalcino, das ist ein nobler Seelentröster von entwaffnender Natürlichkeit und Ausstrahlung. Der Rosso 2007 von Baricci ist derart lecker, dass er zu verdunsten scheint, so schnell sind stets die Gläser geleert! Betörend komplex in der Nase mit Anklängen an pralle, reife Schwarzkirschen, Rosenblätter, Pinien, Wacholder, Nelken und feine Gewürze – und dann: Duftende Veilchen blühen am Wegesrand. Verführerisch gleitet dieser rote Noble über die Zunge, animierend wirken seine feine Säure und eine bemerkenswerte Mineralität im Trunk, die der Transparenz dieses herrlichen Rosso Struktur und Nervigkeit verleihen. Ein wunderbar balancierter Rosso aus einer anrührend schönen Landschaft, solo genossen oder als perfekter Begleiter herzhafter mediterraner Gerichte. Ein authentisches toskanisches Urgestein, das von seiner wohltuend altmodischen Stilistik her so schmeckt wie in der guten alten Zeit. Kompromisslos umgesetzte Tradition mit Charisma, Charakter und Authentizität. Montalcino ungekünstelt – originärer kann man das Blut der Toskana nicht genießen!
Zu genießen ab sofort, Höhepunkt Mitte 2010 bis ca. 2014.

Baricci, Rosso di Montalcino

640204 Baricci, Brunello di Montalcino, rosso 2004 32,50 Euro
2004 ist wohl der größte Jahrgang aller Zeiten in Montalcino – Mit der Höchstbewertung von 5 Sternen durch die Kommission des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino geadelt! Vergleichbar in seiner Ausnahmequalität den Jahrhundertjahrgängen 2005 in Bordeaux und 2007 an der südlichen Rhône.
Die langlebigen aristokratischen Brunelli von Baricci brillieren als urwüchsige unverwechselbare Sangiovese-Unikate mit Herz und Seele. Es sind Jahrgang für Jahrgang ungemein traditionelle Weine, die durch feinste Beerenfrucht (dazu Noten von Rosen, Orangenblüten und mediterranen Kräutern), eine noble Eleganz und ein langes Finale den Ruhm und den Mythos eines großen Brunello in die ganze Welt hinaus tragen. Und dieser fabelhafte 2004er aus einem Jahrhundertjahrgang ist bei aller inneren Dichte, samtenen Fülle und lasziven Vollmundigkeit geradezu ein Antipodenwein zu den nur allzu vielen „dicken”, marmeladigen Wuchtbrummen und zu den austauschbaren Weltweinen im technisch gestylten Einheitslook, die leider so häufig auch in Italien vinifiziert werden. Ein nobler Kern intensiver Mineralität, eine betörend saftige Frucht, deren Opulenz von einer nahezu nordischen Kühle ummantelt wird und cremige, fabelhaft seidene Tannine verwöhnen, nein, streicheln und liebkosen zärtlich die Zunge. Welch phantastische Säurestruktur (!), welch herrlich balancierte Textur, welche Präzision und welch animierende Trinkigkeit! Diese betörend duftige und zugleich wilde aromatische Transparenz, gepaart mit warmer Kraft und Würze sowie balsamisch reifer Süße, machen Nello Bariccis unmodisch-urwüchsigen Brunello einmalig und stets mit Freude in einer Blindprobe identifizierbar. Dies ist burgundische Noblesse in erfrischend spröder Verpackung, Montalcino ungekünstelt, Landschaft von großem Reiz und herber Schönheit. Wie der Wein – authentischer kann man einen Brunello auf der Flasche nicht erleben: „Gäbe es doch mehr Baricci in Italien!” jubelt daher Andreas März begeistert in MERUM.
Vergleichen Sie, werte Kunden, den Preis dieses edlen Brunello doch bitte einmal mit dem der anderen großen Montalciner: Er macht schlichtweg Staunen! Selbst in den Prestigeregionen der Weinwelt gibt es sie also noch, selten zwar, aber bisweilen kann man sie finden – Fabelqualitäten zu werten Preisen, wie dieser authentische Heimatwein voller Noblesse, Charakter und Originalität! Mein Fernweh nach Montalcino entflammt jedenfalls stets aus Neue, wenn ich ihn zu Hause verkostete: Ein Brunello, der nach nichts außer Brunello schmeckt!
Zu genießen ab sofort wegen seiner phantastisch feinen, schmelzigen Tannine (Dekantieren bitte oder über wenigstens zwei Abende aus der geöffneten Flasche probieren), Höhepunkt 2011 bis ca. 2020.

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