Saarwellingen im März 2008

News


Vom Reiz der späten Reife – Rieslingqualitäten wie von einem anderen Stern!

Die weltweit gesuchten Kultweine des sympathischen Winzeridols Klaus-Peter Keller gelten heute unter Weinliebhabern wie Fachjournalisten gleichermaßen als Archetypus großer deutscher Weltklasserieslinge: Beseelte, Emotionen auslösende Grand Crus, Maßstab und Vorbild aller großen Terroirweine der Welt!

Jancis Robinson, master of wine, die Grande Dame der internationalen Weinjournalisten, schwärmt in der Financial Times: „Wenn ich nur einen einzigen Wein zeigen dürfte um zu beweisen, wie großartig trockener deutscher Riesling mit seiner einzigartigen Finesse und großen Mineralität schmecken kann, würde ich einen Keller-Riesling wählen. Diese phantastischen Weine sind die deutschen Montrachets – Man hat den Eindruck, dass sie immer noch ein bisschen besser werden.”

„Weingut des Jahres 2006 – beste Weißweinkollektion – einziger trockener Spitzenriesling mit 100 Punkten!” (Gerhard Eichelmann)

„Kollektion des Jahres” und „Winzer des Jahrzehnts”, so das Urteil des Gault Millau, der in seiner aktuellen 2009er Edition die magischen Rieslinge des Winzermagiers aus Flörsheim-Dalsheim auf die Plätze eins, zwei und drei wertet. Ein Paukenschlag und eine einzigartige Auszeichnung in der Historie deutscher Weinführer!


VON DER SYMPHONIE GROSSER TERROIRS

Es sind bisweilen unspektakuläre Randnotizen, die den Stellenwert von Menschen und Weinen mehr zu verdeutlichen wissen als 1000 Worte: Aubert de Villaine, weltweit geachteter Eigner von Romanée-Conti, und Frankreichs großer alter Mann des Weinjournalismus, Michel Bettane, zwei Legenden der französischen Weinwelt, tranken im November 2008 nach der Präsentation des neuen Romanée-Conti Jahrgangs in Paris beim anschließenden Menü – Kellers Große Gewächse aus 2007! Doch was kann man denn auch sonst noch nach einem La Tâche und einem La Romanée-Conti mit Freude genießen, wird der kenntnisreiche Leser zu Recht anmerken.

Weingut Keller
So zieren Deutschlands Vorzeigerieslinge die festlichen Tafeln der Connaisseure aller Länder und demzufolge sind Kellers Pretiosen die gesuchtesten und rarsten Spitzenrieslinge der Welt! Kein Wunder, wurde doch kein anderes Gut im letzten Jahrzehnt derart mit Ehrungen und Preisen überhäuft und in den vinologischen Olymp erhoben wie „Deutschlands Winzer des Jahrzehnts, Klaus Keller”, so die einzigartige Auszeichnung eines großen Lebenswerks durch den „Gault Millau. Unter den schier unzähligen weiteren Elogen möchte ich hier nur eine besonders hervorheben: Auf der ‚Vin Italy’ erhielten die Kellers als bisher einziger deutscher Erzeuger den begehrten „International Award”, mit dem nur eine sehr kleine Elite absoluter Weltklassegüter (Preisträger: Margaux, Penfolds, Vega Sicilia) geehrt worden ist. Trotz dieser in Deutschland bisher einmaligen Erfolgsgeschichte dachte Sohn Klaus-Peter („Schon als kleiner Junge konnte ich nie schnell genug aus der Schule nach Hause kommen, um im Weinberg mitzuarbeiten”) nicht im Traum daran, es gemütlicher angehen zu lassen, seit er mit dem Jahrgang 2000 hauptverantwortlich in die Weinbergs- und Kellerarbeit des rheinhessischen Traditionsgutes hineinwuchs, das er mittlerweile auch offiziell von seinem Vater übernommen hat. Voller Ehrgeiz und Enthusiasmus ging er ans Werk, eigene Ideen, die er während seines Studiums in Geisenheim und bei großen Winzern des Burgunds entwickelt hatte, in die Weinbergsund Kellerarbeit mit einzubringen.

Nicht die Revolutionierung der bisherigen Arbeit war sein Ziel, wie hätte dies aufgrund des vorgefundenen beispielhaften Qualitätsstandards auch sein können, sondern subtile, behutsame Weiterentwicklung. Den singulären Charakter des unverwechselbaren Terroirs der großen rheinhessischen Kalklagen, auch und gerade der neu erworbenen Westhofener Parzellen, im Einklang mit der Natur einfühlsam zu interpretieren und infolge extrem selektiver Lese im fertigen Wein so unverfälscht und authentisch wie nur irgend möglich zum Klingen zu bringen, darin investiert er kompromisslos all seine Tatkraft und sein herausragendes vinologisches Wissen.

Weingut Keller
Die kleinbeerigen Träubchen des Morstein strahlen um die Wette:
Welch goldener Spätherbst

Das Resultat: Unter der Führung des ebenso fachlich begnadeten wie menschlich sympathischen Klaus-Peter Keller schwingt sich die gesamte Region Rheinhessen zu einem vorher nie geahnten Höhenflug empor und steht heute als Synonym gar für trockenen Weltklasseriesling deutscher Provenienz. Der magische Klang, der wohlige Schauer, der Weißweinliebhaber in aller Welt erfasst, wenn denn edelsüße Gewächse aus der Hermannshöhle, dem Scharzhofberg oder der Wehlener Sonnuhr im Glase funkeln, geht jetzt für trockene Rieslinge von diesen großen Terroirs in Rheinhessen aus: Der Dalsheimer Hubacker und die Westhofener Lagen sind wie die Noten einer Partitur, die sich unter dem Dirigat einfühlsamer Künstler zu einer einzigartigen Symphonie entfalten – Maßstab und Vorbild großer deutscher Terroirweine!

Weingut Keller
Fabelhafter Reifezustand der lockerbeerigen Trauben
im Kirchspiel im Herbst

Kein Wunder also, dass die Keller’schen Großen Gewächse heute weltweit derart gesucht werden, dass sie teilweise genau so schwer erhältlich sind wie die mythischen Weine von Romanée-Conti! Bei diesem fulminanten Aufstieg in die kleine Riege absoluter Weltklassewinzer war es natürlich kein Nachteil, dass Klaus-Peter neben seinem unbedingten Einsatzwillen, seinem enormen vinologischen Wissen und seinem großen Geschick und Einfühlungsvermögen wie alle Winzer nördlich gelegener Anbauregionen auch von der Klimaerwärmung profitiert, welche die früher (zu) kühlen rheinhessischen Hügellagen mit ihrem fabelhaften kalkhaltigen Terroir enorm begünstigt! Kellers vorbildlich bearbeitete, humushaltige Böden können zudem das Wasser hervorragend speichern und verhindern somit jeglichen Trockenstress bei den Reben. Kein Wunder also, dass schon bei ähnlichen klimatischen Begebenheiten in einer Warmphase im Mittelalter die Rieslinge aus dem rheinhessischen Hügelland mit ihren Spitzenlagen auf den erstklassigen Kalkböden (die man wegen ihrer kalkreichen und felsigen Struktur mit den größten Terroirs des Burgund vergleichen kann) legendären Ruf besaßen. Bereits zu dieser Zeit waren die besten Lagen Dalsheims und Westhofens im klösterlichen Besitz, die bekanntermaßen nur in den Filetstücken der besten Weinbauregionen der Welt begütert waren. Klaus-Peter Kellers Spitzenterroir „An Abtes Erden” erinnert namentlich noch daran und heute gewinnen die Kellerschen Spitzen-Rieslinge quasi jede Auszeichnung, die es zu gewinnen gibt!

Weingut Keller
Kellers Abtserde - Deutschlands Romanée Conti?

Was mir an Klaus-Peter Keller so imponiert, ist, wie souverän er, tatkräftig unterstützt von seinem Vater, die schwere Herausforderung meistert, das hohe Niveau des Weinguts als die unumschränkte Nr.1 Rheinhessens und als primus inter pares in ganz Deutschland nicht nur zu halten – dies allein wäre schon aller Ehren wert gewesen, wenn auch mancher Neider ihm hätte vorwerfen können, „nur” von einem großen Erbe zu profitieren – sondern den hohen Qualitätsstandard durch akribische Weinbergsarbeit und die dadurch bedingte transparente Herausarbeitung der Terroirs Jahrgang für Jahrgang immer weiter noch zu steigern! Konsequenterweise nehmen daher die Ehrungen des Weingutes stetig zu. Sie hier aufzuzählen, hieße, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen. So sei hier nur erwähnt, dass seine Rieslinge als EINZIGE trockenen deutschen Weißweine von kompetenten Journalisten zweimal mit der Traumnote 100 hymnisch gefeiert wurden und Jancis Robinson, eine der drei einflussreichsten Weinkritiker der Welt, Kellers trockene Rieslinge mit den höchsten Bewertungen adelte, die sie jemals in der ganzen Welt trockenen Weißweinen zuerkannte!

Weingut Keller
Kleinbeerige, kerngesunde Träubchen strahlen mit der Sonne um die Wette.

Doch Klaus-Peter ist nicht nur erfolgreich. Er ist ungemein sympathisch (was nicht an unserer gemeinsamen Vorliebe für den gleichen Fußballverein liegt, wegen dessen Ergebnissen wir so oft gemeinsam leiden müssen) infolge der Bodenhaftung und Menschlichkeit, die er sich stets bewahrt hat: Alles Arrogante oder Überhebliche ist ihm wesensfremd, immer hat er ein offenes Ohr für seine Kollegen, mit denen er sich fachlich austauscht und freundschaftliche Beziehungen pflegt. Bei aller Professionalität, bei aller visionären Tatkraft, die ihn so auszeichnen, er hat es geschafft, den kleinen Jungen tief in seinem Innern zu bewahren, den ich vor meinem geistigen Auge sehe, seinen Schulranzen in die Ecke donnernd und mit seinen Eltern in die Weinberge aufbrechend: Ein Winzer mit Leib und Seele, der seine Berufung gefunden hat.

Weingut Keller
Des Meisters Hand prüft im goldenen Spätherbst die Qualität
der Große-Gewächs-Träubchen.

Dabei ist Klaus-Peter, allen Erfolgen zum Trotz, immer auf der Suche nach der weiteren Optimierung seiner weinberglichen Arbeit. In der Zeit, wenn andere erfolgreiche Winzer um die Welt jetten, um ihre Produkte auf Messen zu vermarkten (was bei ihm, der stets ausverkauft ist, auch gar keinen Sinn machen würde), findet man ihn garantiert im Weinberg. Dabei ist er in keinster Weise eigenbrötlerisch, im Gegenteil, ihn zeichnet ein ausgesprochen weltoffenes Wesen aus und privat bereist er zusammen mit seiner ebenso attraktiven wie tatkräftigen Frau Julia und seinen beiden Kindern die renommierten Weinbauregionen der Welt – besonders gerne das Burgund, eine uralte Liebe von ihm: Die roten Rieslinge, wie er diese grandiosen Pinot Noirs gerne zu nennen pflegt, brillieren genau mit der gleichen Eleganz und Finesse wie seine eigenen Gewächse! Zumeist aber findet man ihn in den Weinbergen seiner rheinhessischen Heimat, wo er mit immer neuen Ideen versucht, die Qualitäten seiner Weine noch weiter zu steigern – sofern dies überhaupt möglich ist. Denn Klaus-Peter weiß, dass es viele Faktoren sind, zumeist eine Summe von Kleinigkeiten, selten revolutionäre Neuerungen, die zusammen einen wirklich großen Wein ausmachen! Einbringen von Mulch und Kompost in Junganlagen, um die Feuchtigkeit in trockenen Sommern im Boden halten zu können, bestmögliche Rebenselektionen mit uraltem genetischen Material (statt moderner Massenklone), die ganz kleine, dickschalige, lockerbeerige, aromenintensive Träubchen erbringen, diese Reihe innovativer Maßnahmen im Weinberg ließe sich mühelos fortsetzen, alles der Prämisse untergeordnet, dass großer beseelter Wein nur in Weinbergen mit erstklassigem Terroir, mit ‚lebenden’ Böden voller Mikroorganismen wachsen kann und dass er letztendlich erst durch die einfühlsame Gestaltungskraft des Menschen seine endgültige Form findet.

Großer Wein wächst im Weinberg, aber entsteht in Kopf und Bauch eines visionären Winzers: Weine der absoluten Weltspitze zu vinifizieren setzt sehr viel Intuition voraus. Originäre, unverfälschte charaktervolle Weine kann man nicht am Reißbrett konzipieren und als Massenprodukt vermarkten. Da gehören Bauchentscheidungen und das intuitive Verstehen der Natur dazu, das Belauschen der Reben, die unbedingte Liebe zur Traube. Wie einfühlsame Pferdeflüsterer für den Laien wie von Zauberhand traumatisierte Tiere heilen, gibt es auch begnadete Rebenflüsterer. Männer und Frauen, die das ganze Jahr über ganz nah dran sind an ihren Trauben, die bei Wind und Wetter im Wingert stehen statt im Nadelstreifenanzug zu repräsentieren. Nach vielen Jahren der intensiven Beschäftigung mit dem Wein und seinen Machern ist mir klar geworden, dass das letzte Quäntchen an Qualität aus den Trauben herauszuholen, neben der unumstößlichen Voraussetzung des Besitzes großer Lagen, auch eine Frage der Intuition und des kreativen Kopfes ist, des wachen Intellekts. Klaus-Peter Keller ist ein solch kluger Kopf.

Weingut Keller
Der Hubacker – eine der großen mythischen Lagen Reinhessens.

Der waschechte Rheinhesse ist in seinen jungen Jahren bereits zum Weltstar avanciert (eine Titulierung, die er wegen seiner Bescheidenheit selbst vehement ablehnen würde) – und genießt überall auf der Erde einen legendären Ruf. Doch jegliche Allüren sind ihm fremd. Er erweist sich im Gegenteil als ungemein sensible Persönlichkeit und einfühlsamer Interpret seiner großen Lagen – mit viel Gespür für ein Terroir, das sinnlich erlebbar den Gaumen verwöhnt. Sein Arbeitsleben ist oftmals durch einen 14Stunden-Tag geprägt. Warum macht ein weltberühmter Winzer das? Die entwaffnende Antwort lautet schlicht: „Weil wir unsere Weine einfach selbst gern so trinken”. Und ich gestehe freimütig: Ich bin seit Jahren bekennender Keller-Fan! Die Rieslinge des fachlich begnadeten wie menschlich sympathischen Klaus-Peter Keller begeistern mich ebenso wie viele andere Weinliebhaber auf der ganzen Welt. Denn Sie, liebe Kunden, empfinden und schmecken wohl ähnlich – unsere Verkaufszahlen sprechen eine beredte Sprache. Kellers beseelte Weine lösen tiefe Emotionen aus und können gar als Archetypen ihrer Edelreben gelten. Klaus-Peter ist jung an Jahren bereits eine der ganz großen Winzerpersönlichkeiten der Welt, mit ihm intensiv zusammenarbeiten zu dürfen, ein großes Geschenk! Danke.


Zum Jahrgang 2008: In den letzten 4 Jahrgängen (2004 wie 2005, 2006 und 2007) haben die Kellers nach Ansicht vieler Weinkenner die besten Kollektionen in Deutschland vinifiziert. Jancis Robinson, Gerhard Eichelmann, Sam Hofschuster in www.wein-plus.de, der Gault Millau, Vinum, Falstaff und der Weinwisser setzten abwechselnd oder gleichzeitig die Großen Keller’schen Gewächse an die Spitze aller deutschen Rieslinge! Und im Jahrgang 2008 hat sich Klaus-Peter infolge einer harten Weinbergsarbeit, die es ihm ermöglichte, extrem spät zu ernten, in einem goldenen, nein, nicht Oktober, sondern November (!) vielleicht nochmals selbst übertroffen! Er hat fabelhafte Weißweine vinifiziert, die in sich die Vorzüge zweier großer deutscher Riesling-Jahrgänge vereinen: Sie verfügen über die einzigartige Mineralität, die großartige Frische, die Finesse, die Präzision, die rassige Säure und das tänzerische Spiel der 2004er (die Klaus-Peter die Ehrung „Kollektion des Jahrgangs” im Gault Millau eintrug) sowie die Feinheit, innere Dichte und Konzentration der 2007er. Alle meine bisherigen Fassproben deuten darauf hin, dass 2008 daher zumindest auf Augenhöhe ist mit dem legendären 2007er, der in Publikationen alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab, vielleicht gar einen Wimpernschlag besser. Was sich nicht zuletzt darin ausdrückt, dass Klaus-Peter zwei potentielle 100-Punkte-Weine im Keller reifen hat!

Weingut Keller

Doch lassen wir zum Jahrgang 2008 Klaus-Peter Keller selbst zu Worte kommen, denn sein Jahrgangsbericht hat mittlerweile Tradition bei Pinard de Picard. Regelmäßig informieren wir Sie, liebe Kunden, aus berufenem Winzermund brandaktuell über die Qualitäten des neuen Jahrgangs und seine jeweiligen Besonderheiten. Und selten war die Spannung so groß wie beim Jahrgang 2008, da alle Deutsch-Wein-Freunde natürlich die Frage umtreibt, ob und inwiefern es möglich war, die Fabel-Qualitäten aus 2007 zu wiederholen – oder gar zu übertreffen:

Klaus-Peter Keller berichtet: „2008 – Der Reiz der späten Reife!

Liebe Freunde von Pinard de Picard und vom Weingut Keller,

hätten Sie es gewusst? 2008 zählt in Deutschland zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen in 1901!

Dass viele Menschen dieses Jahr aber rückblickend eher nicht als mit Traumtemperaturen gesegnet betrachten, liegt wohl an zwei Dingen: Zum einen fehlten Perioden mit extrem heißen Tagen (worüber sich Reben, die am liebsten Temperaturen im Bereich von Mitte 20°C mögen, sehr „gefreut” haben), zum anderen kam die Natur 2008 nur sehr langsam in Schwung. Der Austrieb des jungen Grüns begann in 2008 deutlich später, als wir das in den letzten Jahren gewohnt waren. Insbesondere der kühle und regnerische April (mit mehr als 80 mm Niederschlag, die im Nachhinein betrachtet ein Segen waren, da die für die Versorgung unserer Reben mit Nährstoffen und Mineralien so wichtigen Wasservorräte aufgefüllt wurden: Die Reben tankten Kraft und Energie!) führte zu einem nahezu zehntägigen Vegetationsrückstand im Vergleich zum Vorjahr, das jedoch den frühesten Austrieb aller Zeiten gebracht hatte. Und der etwas zögerliche Start war in den Wingerten bald vergessen, als sommerliche Temperaturen in Mai und Juni das Wachstum derart beschleunigten, dass wir mit der Arbeit im Weinberg kaum nachkamen. In diesem Wachstumsabschnitt der Rebe achten wir penibel darauf, dass die Rebtriebe möglichst gerade aufwachsen, um optimale Durchlüftungs- und Belichtungsbedingungen für die heranwachsenden Trauben zu bieten. Gleichzeitig werden überschüssige Triebe am Rebstamm (sog. Wasserschosse) entfernt, damit die volle Kraft der Rebe in die Ausbildung der jungen Trauben geleitet wird.

Nach einem temperaturmäßig optimalen Juli kamen dann, wie bestellt, im August endlich lang ersehnte Regenfälle (einige Kollegen, deren Böden nicht die optimalen Wasserspeichermöglichkeiten besitzen, um das Nass des Frühjahrs zu bewahren, hatten aufgrund der Trockenheit bereits mit der Bewässerung von Rebanlagen begonnen). Auch wenn dieser Monat in 2008 kein ideales Badewetter brachte, war er dennoch fast 1°C wärmer als im langjährigen Schnitt: Ein kleiner Albtraum für viele Urlauber also, ein Traum jedoch für die Reben. Um die üppig wachsenden Wildkräuter zu bändigen, mussten wir zahlreiche Extraschichten mit der Handhacke einschieben. ‚Da haben wir uns ja was eingefangen mit der Abtserde’, stöhnte unser Mitarbeiter Werner Mayer, ‚der Boden ist hier ja beinahe wie im Steinbruch.’Aber nach 3 Tagen mit unserem kompletten Team waren die Böden um die Rebpflanzen perfekt gelockert und die Wachstumsbedingungen den ganzen August über ideal.

Im zunächst feuchten September entfernten wir überschüssige Blätter aus der Laubwand, um ein schnelles Abtrocknen der Trauben zu gewährleisten und zu zeitigen Botrytisbefall zu verhindern. Die Säure wurde in dieser Reifephase langsamer veratmet als in den Vorjahren und pendelte sich auf 2004er Niveau ein. Das stabile Säuregerüst in Kombination mit den sehr hohen Extraktwerten dürfte ideale Voraussetzungen für einen besonders langlebigen und lagerfähigen Jahrgang bieten. Allerdings nur dort, wo die Winzer das Risiko eingingen, die Vegetationsperiode bis in den November hinein voll auszureizen. Denn im Unterschied zu 2007 war 2008 ein Jahr, in dem man richtig kämpfen musste, um die perfekte Reife zu bekommen. Bei all unserem Wollen und Können, uns muss immer klar sein, dass wir Winzer letztendlich von Mutter Natur abhängig sind. Wir können durch harte Arbeit im Weinberg nur die Grundlagen für einen großen Jahrgang liefern. Doch dann muss die Natur mitspielen. Und wie toll sie dies dann letztendlich tat in 2008! Denn als wollte sie uns ein großes Geschenk machen, trug zur optimalen Reife der Trauben entscheidend ein regenarmer Oktober bei. Mit nur 12mm Niederschlag fielen gerade einmal 25% der normalen Oktobermenge – Und bei Tagestemperaturen zwischen 10 und 15°C und strahlend klaren Nächten kam es zu einer extrem langsamen Ausreifung der Trauben. Diese optimalen klimatischen Bedingungen waren der Knackpunkt des Jahrgangs! Denn wie keine zweite Rebsorte profitiert unsere Edelrebe Riesling von moderaten Temperaturen, kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen. Nur dann reifen ihre Früchte langsam heran, gewinnen an aromatischer Konzentration und Komplexität, Vielschichtigkeit und Mineralität und bilden dieses unverwechselbare Spiel aus zwischen Finesse, Eleganz und großartiger Säurefrische, das die großen Rieslingweine zu weltweit einzigartigen Unikaten macht.

Weingut Keller

Aber nicht nur der extrem regenarme Oktober, in gleichem Maße trug ein Goldener November zu einem Jahrgang bei, der sich bei uns zu einem großen Rivalen des phantastischen 2007ers entwickeln wird. Zahlreiche Riesling-Lagen erreichten hier ihre volle physiologische Reife, wie im 2004er Jahrgang, für den wir vom Gault Millau mit der Auszeichnung ‚Kollektion des Jahrgangs’ geehrt wurden. Insbesondere die Rieslingtrauben unserer Spitzenlagen HUBACKER, KIRCHSPIEL, ABTSERDE und MORSTEIN profitierten enorm von den kalten Oktober- und Novembernächten bei strahlenden Spätherbsttagen: Bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt verbesserte sich die Aromenstruktur der kleinbeerigen Träubchen von Tag zu Tag. Hier zahlte sich ganz besonders aus, dass wir in der Vegetationszeit Hunderte von Arbeitsstunden zusätzlich in Pflegemaßnahmen zur Gesunderhaltung der Trauben (z.B. Entblätterung, Entfernen von Doppeltrieben, Halbierung von Trauben von Hand) investiert hatten. Wir erwarten daher wie in 2007 sehr hochwertige, finessenreiche trockene Rieslinge mit feinrassigem Säurespiel und prägnantem Terroirausdruck.

Auch in Zukunft werden wir versuchen, wie seit vielen Jahren bereits, in zahlreichen kleinen Schritten auf die sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen in der Welt zu reagieren (z.B. engere Zeilenabstände der Reben zur besseren Beschattung und gestutzte Laubwände, damit durch eine niedrigere Assimilationsleistung die Trauben zur langsameren Ausreifung und komplexeren Aromenbildung geführt werden, eine höhere Stockdichte zur tieferen Einwurzelung und gleichmäßigere Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen). Wir haben den personellen Aufwand im Weinberg in den letzten Jahren immens erhöht, um uns und Ihnen alljährlich größtmöglichen Trinkspaß zu ermöglichen. Mit großer Vorfreude, Ihnen schon bald unsere ersten 2008er Weine präsentieren zu dürfen (ab April bietet Ihnen Pinard die Basisweine des neuen Jahrgangs an), wünsche ich allen Kunden von Picard de Picard zahlreiche genussvolle Stunden beim Wein,

Ihr Klaus-Peter Keller”.


Herzlichen Dank, Klaus-Peter, für Deinen spannenden Bericht, der mich nochmals hautnah miterleben lässt, wie wir mit dem Jahrgang 2008 lange mitfieberten, ob wir denn tatsächlich die Fabel-Qualitäten aus 2007 wieder erleben dürfen. Die extrem lange Vegetationsperiode, die Du durch aufwändigste Weinbergsarbeit geradezu erzwungen hast, denn so wurden die kerngesunden Trauben in einem Altweibernovember wie gemalt gerettet, Deine liebevoll gepflegten Rebstöcke, die ihr optimales Alter erreicht haben, das großartige, kalkgeprägte, energetische Terroir, das durch die jahrelange mühevolle Bodenarbeit ungemein feinkrümelig geworden ist, voll prallen Lebens durch die Aber-Milliarden von Kleinstlebewesen, die sich in jedem Quadratmeter dieser großen rheinhessischen Lagen tummeln, die schon in der Warmperiode des Mittelalters den Ruhm der dort produzierten Rieslinge in alle Welt hinausgetragen haben und all Deine Erfahrungen, die Du in Deiner langjährigen Kellerarbeit als ständiger Weggefährte Deines Vaters gesammelt hast, lassen in 2008 geniale, emotional zutiefst berührende Weine erstehen, die Maßstäbe setzen für alle großen Weißweine der Welt!