Saarwellingen im April 2008

News


Klaus-Peter Kellers Jahrgangsbericht 2007:
Von Farbenrausch und Winzerglück

In den Jahrgängen 2004 wie 2005 und 2006 haben die sympathischen Kellers nach Ansicht vieler Weinkenner die besten Kollektionen in Deutschland vinifiziert. Jancis Robinson, Gerhard Eichelmann, Sam Hofschuster in www.wein-plus.de, der Gault Millau, Vinum, Falstaff und der Weinwisser setzten abwechselnd oder gleichzeitig die Großen Gewächse an die Spitze aller deutschen Rieslinge! Und im Jahrgang 2007, der mir persönlich zu vorschnell als bester deutscher Jahrgang der Neuzeit angesehen wird (Dies trifft in der Spitze zu, aber nicht in der Breite! Leider haben zu viele Winzer nach dem traumhaften September zu früh geerntet, weil sie den Witterungsbedingungen nicht trauten und wohl nicht glauben konnten, dass der Oktober gleich phantastische Bedingungen bieten würde und raubten ihren Träubchen daher die Möglichkeit zur perfekten Ausreifung), hat sich Klaus-Peter infolge der besten Erntebedingungen, unter denen er jemals sein Lesegut einbringen konnte, nochmals selbst übertroffen! Er hat fabelhafte Weißweine vinifiziert, die in sich die Vorzüge zweier großer deutscher Riesling-Jahrgänge vereinen: Sie verfügen über die einzigartige Mineralität, die großartige Frische, die Finesse, die Präzision, die Rasse und das tänzerische Spiel der 2004er sowie die innere Dichte und Konzentration der 2005er. Alle meine bisherigen Fassproben deuten darauf hin, dass 2007 der bisher größte Jahrgang ist, der auf dem Weingut Keller vinifiziert worden ist!

Doch lassen wir hierzu Klaus-Peter Keller selbst zu Worte kommen, denn sein Jahrgangsbericht hat mittlerweile Tradition bei Pinard de Picard. Regelmäßig informieren wir Sie, liebe Kunden, aus berufenem Winzermund brandaktuell über die Qualitäten des neuen Jahrgangs und seine jeweiligen Besonderheiten. Und selten war die Spannung so groß wie beim Jahrgang 2007, der ja schon im Vorfeld mit Superlativen nur so überschüttet wird!


Klaus-Peter Keller berichtet:
Von Farbenrausch und Winzerglück – Der Jahrgang 2007

„Liebe Freunde von Pinard de Picard und vom Weingut Keller,

wenn im letzten Herbst gleichzeitig mein Vater (Geburtsjahrgang 1949) und mein Großvater (Jahrgang 1926) ins Grübeln kommen, wann denn zuletzt ein Oktober so schön wie 2007 ausgefallen ist, muss ein außergewöhnlicher Jahrgang anstehen. Und das ist in 2007 der Fall! Nach sehr kurzem, feuchten Winter und mildem Frühjahr kamen Austrieb und Blüte früh wie nie zuvor in unserem rheinhessischen Hügelland. Da hieß es für die gesamte „Keller-Mannschaft” im Frühsommer abends Extraschichten im Weinberg leisten, um die schnell heranwachsenden Triebe aufzubinden und sie gerade zu richten, um für eine optimale Belichtung und Belüftung unserer Trauben zu sorgen. Ende Juli schien gar ein Erntebeginn in den letzten August- oder ersten Septembertagen wahrscheinlich, eine Vorstellung, die keine rechte Freude in mir aufkommen ließ, denn ein großer Riesling profitiert enorm von einer langen Vegetationsperiode und kühlen Nächten im Spätherbst. Diese Bedingungen sind ideal für rassig-mineralische Rieslinge mit größtmöglicher Aromenkomplexität.
Doch dann hatte der Wettergott ein Einsehen und ein äußerst kühler und feuchter August erfreute zwar nicht die Urlauber, ließ die Reben aber durchatmen. Wachstum und Reife verzögerten sich merklich – und die für die Versorgung unserer Reben mit Nährstoffen und Mineralien so wichtigen Wasservorräte wurden aufgefüllt, die Reben tankten Kraft und Energie für den nahenden Herbst. Insbesondere für den Riesling waren die klimatischen Bedingungen im August wie ein Geschenk des Himmels. Denn wie keine zweite Rebsorte profitiert diese Edelrebe von moderaten Temperaturen, kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen. Nur dann reifen ihre Früchte langsam heran, gewinnen an aromatischer Konzentration, Vielschichtigkeit und Mineralität und bilden dieses unverwechselbare Spiel aus zwischen Finesse, Eleganz und großartiger Säurefrische, das die großen Rieslingweine zu weltweit einzigartigen Unikaten macht.

Wie bestellt hielt dann im September ein herrlicher Altweibersommer Einzug. Temperaturen von 15 bis 20 °C sorgten für einen gleichmäßigen Reifeverlauf, die kühlen Nächte für eine phantastische Aromenreife. Und gerade einmal 4 mm Niederschlag fielen im gesamten Oktober (üblich sind ca. 60mm).Die Sonne strahlte mit den Trauben (und natürlich den Winzern) um die Wette. Unsere spätreifenden Sorten kamen somit in den Genuss einer bis zu 160-tägigen Vegetationszeit – und damit einer einmalig langen Ausreifephase der Träubchen am Rebstock! Welch Geschenk der Natur, das wir dankbar aufgriffen: Wir waren ununterbrochen über 6 Wochen Tag für Tag im Weinberg – um im Jahrgang 2007 für Sie und für uns das Gute vom Besten zu trennen. Traumhafte, paradiesische Erntebedingungen! Und es kommt extrem selten vor, dass ein Jahrgang sich über alle Rebsorten hinweg so homogen groß präsentiert. Doch in 2007 hatten wir diese Ausnahmesituation! Ob rot oder weiß – trocken oder edelsüß – es gab großartige Trauben in jeder Kategorie.”

Insbesondere die Rieslingtrauben unserer Spitzenlagen HUBACKER, KIRCHSPIEL, ABTSERDE und MORSTEIN profitierten enorm von den kalten Oktobernächten: Bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt verbesserte sich die Aromenstruktur der kleinbeerigen Träubchen von Tag zu Tag. Hier zahlte sich ganz besonders aus, dass wir in der Vegetationszeit mehr als 500 Arbeitsstunden zusätzlich in Pflegemaßnahmen zur Gesunderhaltung der Trauben (z.B. Entblätterung, Entfernen von Doppeltrieben, Halbierung von Trauben von Hand) investiert hatten. Die extraktreichen Moste unserer Filetstücke wiesen bei der Ernte zwischen 95 und 100° Oechsle auf bei Säurewerten um 8 g/l. Wir erwarten daher sehr hochwertige, finessenreiche trockene Rieslinge mit feinrassigem Säurespiel und prägnantem Terroirausdruck.

Auch in Zukunft werden wir versuchen, wie seit vielen Jahren bereits, in zahlreichen kleinen Schritten auf die sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen in der Welt zu reagieren (z.B. engere Zeilenabstände der Reben zur besseren Beschattung und gestutzte Laubwände, damit durch eine niedrigere Assimilationsleistung die Trauben zur langsameren Ausreifung und komplexeren Aromenbildung geführt werden, eine höhere Stockdichte zur tieferen Einwurzelung und gleichmäßigere Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen). Wir haben den personellen Aufwand im Weinberg in den letzten Jahren immens erhöht, um uns und Ihnen alljährlich größtmöglichen Trinkspaß zu ermöglichen. Mit großer Vorfreude, Ihnen schon bald unsere ersten 2007er Weine präsentieren zu dürfen (ab März/April bietet Ihnen Pinard die Basisweine des neuen Jahrgangs an), wünsche ich allen Kunden von Picard de Picard zahlreiche genussvolle Stunden beim Wein,

Ihr Klaus-Peter Keller”.


Herzlichen Dank, Klaus-Peter, für Deinen spannenden Bericht, der uns hautnah miterleben lässt, warum der Jahrgang 2007 auf dem Weingut Keller alle Vorschlusslorbeeren rechtfertigt, die seit Monaten durch Weinforen und die Presse geistern. Die extrem lange Vegetationsperiode in einem Altweibersommer wie gemalt, Deine liebevoll gepflegten Rebstöcke, die ihr optimales Alter erreicht haben, das großartige, kalkgeprägte, energetische Terroir, das durch die jahrelange mühevolle Bodenarbeit ungemein feinkrümelig geworden ist, voll prallen Lebens durch die Aber-Milliarden von Kleinstlebewesen, die sich in jedem Quadratmeter dieser großen rheinhessischen Lagen tummeln, die schon in der Warmperiode des Mittelalters den Ruhm der dort produzierten Rieslinge in alle Welt hinausgetragen haben und all Deine Erfahrungen, die Du in Deiner langjährigen Kellerarbeit als ständiger Weggefährte Deines Vaters gesammelt hast, lassen in 2007 geniale, emotional zutiefst berührende Weine erstehen!