Saarlouis, 25. November 2005

Klaus Peter Keller informiert uns aus erster Hand über den Jahrgang 2005 in Rheinhessen!

Er schreibt:

Liebe Weinfreunde, liebe Kunden von Pinard de Picard,

dieses Jahr haben wir bereits in den ersten Novembertagen die Ernte 2005 abgeschlossen – lediglich eine kleine Hubacker-Parzelle wartet noch auf die passenden Minusgrade für die Eiswein-Ernte. Es ist fast unglaublich, aber bereits Ende Oktober hatten wir die Sonnenscheindauer eines ganzen Jahres erreicht, so dass wir bei bester Witterung unsere TOP-Rieslingparzellen im ‚Hubacker’, ‚Kirchspiel’ und ‚Morstein’ einbringen konnten. Mittlerweile hat überall in unserem Weinkeller das „Blubbern“ der Gärung eingesetzt und die Moste und Jungweine erlauben im Zusammenhang mit den klimatischen Jahrgangsgegebenheiten erste Aussagen zur Qualität des Jahrgangs:


Kühler Beginn…

Der Jahrgang 2005 kam langsam in Gang. Erst Ende Februar/Anfang März hatte der frostige Winter seinen Höhepunkt erreicht. Mit dicker Winterkleidung standen wir im Weinberg und stellten uns auf einen späten Entwicklungsbeginn ein. Doch dann: Ein erheblicher Wärmeschub im April mit Temperaturen von nahezu 30°C begünstigte das Wachstum der jungen Rebtriebe enorm, so dass die Rebblüte in der ersten Junihälfte bereits voll im Gang war. Mäßige Temperaturen verzögerten dann erneut das Verblühen der Gescheine und führten zu Verrieselungen, die gerade in den früh blühenden Spitzenlagen die Erträge um bis zu 20% verminderten. Auch ergiebige Niederschläge, die in der Vegetationszeit so bedeutsam für den Aufwuchs der Triebe und die Versorgung der Trauben mit wichtigen Inhaltsstoffen sind, ließen lange auf sich warten. Hier zahlte sich jedoch unsere jahrelange knochenharte Aufbauarbeit in den handwerklich bearbeiteten Weinbergen aus. Unsere Böden besitzen hervorragende Humusgehalte – speichern Wasser wie ein Schwamm- und geben bei Bedarf dieses Wasser wieder langsam an den Rebstock ab.


August 2005: Unschöne Zeit für viele Urlauber – ideale Bedingungen für die Rebstöcke!

Als ganz entscheidend für die Qualität des Jahrgangs 2005 sehen wir den Zeitraum von August bis Oktober 2005. Viele von Ihnen werden den August noch als kühl und feucht in Erinnerung haben. Genauso war es auch – aber für die Reben ergaben sich nahezu ideale Bedingungen. Der in den Vormonaten arg strapazierte Wasserspeicher konnte endlich wieder aufgefüllt werden und bei Tagestemperaturen um 20°C schritt die Reifeentwicklung langsam, aber stetig, voran. Im Grunde genommen geht es den Weinreben dabei nicht anders als uns Menschen auch: Wir sind bei der Arbeit unter freiem Himmel bei Temperaturen von 20-25°C wesentlich leistungsfähiger als bei 30°C und mehr. Und gerade durch die verlangsamte Reife gewinnen unsere Weine an Ausdruck, Finesse und Eleganz – heben sich somit wohltuend von allzu alkohollastigen, schnell gereiften „Monster-Konzentraten“ ab.


Der Altweibersommer – ein Traum für Mensch und Traube

An den Bilderbuch-Altweibersommer, der auf den kühlen August folgte, denken wir sicher alle gerne zurück. Der September war nahezu 2°C wärmer als im langjährigen Durchschnitt und führte zu einer hervorragenden Ausreife unserer Spätburgundertrauben, die bei Erträgen um 30 hl/ha Ende September und Anfang Oktober eingebracht wurden. Kleinbeerige, dickschalige, kerngesunde Träubchen, die wie gemalt am Rebstock hingen. Nach der klassischen Gärung im großen Holzbottich können wir hier schon ein erstes Urteil wagen: Kein Zweifel! 2005 wird ein ganz großer Jahrgang für unsere Spätburgunder.

In den letzten Jahren mussten wir nach der Pinot-Ernte oftmals eine kleine „Zwangs-Erntepause“ wegen mehr oder weniger ergiebigen Niederschlägen akzeptieren. Nicht so in 2005! Die Großwetterlage blieb stabil und was an Niederschlägen drohte, regnete sich am nahe gelegenen Donnersberg ab. T-Shirt-Temperaturen waren im Oktober angesagt. Nachdem die Silvaner-Ernte um den 15. Oktober ihren Abschluss fand (kerngesunde Trauben), widmeten wir uns dem Riesling und Rieslaner. Die Trauben waren in den letzten Wochen ideal herangereift, blieben kleinbeerig und dickschalig und lachten uns mit ihren goldenen Bäckchen verführerisch an. Auch waren erste Beeren von edler Botrytis überzogen, die in den folgenden Wochen noch weiter eintrockneten.

Die für unsere nördlichen Anbaugebiete so wichtige Kombination aus nicht zu hohen Tagestemperaturen und kühlen Nächten führte zu einer phantastischen Aromenreife und die Mineralität und Vielschichtigkeit des Jahrgangs war bereits im Traubenstadium deutlich schmeckbar! Da wir auch in 2005 unsere Trauben sehr lang am Stock ausreifen ließen, hatten wir große Mühe unsere besten Parzellen vor Vogelfraß (die wissen, was gut ist!) zu schützen. Noch wichtiger als eine motivierte Lesemannschaft war in diesen Tagen das engagierte Team von Helfern, das Parzelle um Parzelle vor oftmals Tausenden von Vögeln zu schützen hatte. Wie bereits eingangs geschrieben, hatten wir Ende Oktober in 2005 die Sonnenscheindauer des gesamten Jahres erreicht, so dass wir bei bester Witterung unsere Top-Rieslingparzellen im Hubacker, Morstein und Kirchspiel einbringen konnten. Die Moste begeisterten uns schon beim Keltern: reife Säure, feine Dichte, edle Nachhaltigkeit. Es besteht die begründete Hoffnung auf große trockene und edelsüße Rieslinge (natürlich auch Rieslaner!) – allerdings in recht geringer Menge und das ist nun wirklich der einzige Wehrmutstropfen des Jahrgangs. Die Kleinbeerigkeit und das Verrieseln der Trauben während der Blüte sowie die optimalen klimatischen Bedingungen in einem der schönsten Altweibersommer seit Menschengedenken haben dazu geführt, dass 2005 mit Sicherheit zu den ganz großen Jahrgängen zählen wird…und darauf kommt es uns schließlich an.
Winterliche Grüße aus dem heute erstmals verschneiten Dalsheim.

Ihre Familie Keller


2005: rar – aber exzellent! Dies ist das eindeutige Resümee von Klaus-Peters Jahrgangsbeschreibung. Daher nochmals unsere dringende Empfehlung. Teilen Sie uns bereits heute Ihre Reservierungswünsche für die Großen Gewächse Hubacker, Morstein und Kirchspiel sowie den G-Max mit. Im Frühjahr nächsten Jahres, wenn wir die Zuteilung von Klaus-Peter Keller erhalten (erst dann wird er wissen, welche Fässer letztendlich die Klasse für die absoluten Top-Weine besitzen), schreiben wir Sie an und teilen Ihnen mit, inwieweit wir alle Ihre Wünsche erfüllen können.

Herzliche Grüße aus Saarlouis,

Tino Seiwert