Saarlouis, 4. Juni 2005

News


WEINGUT VAN VOLXEM, WILTINGEN - SAAR

Stern (16/04): „Der Rebenflüsterer - Roman Niewodniczanski erzeugt Saarweine mit mythischem Ruf”
Phantastische Saarrieslinge 2004 eingetroffen!

Wer Roman Niewodniczanski persönlich kennt, weiß um die charismatische Begeisterungsfähigkeit und die besondere Aura, die ihn umgibt. Dabei ist er alles andere als ein weltfremder Träumer oder Esoteriker. Er ist unübersehbar ein gestandenes Mannsbild, steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Aber wenn ich mit ihm durch die ungemein steilen Weinberge des so traditionsreichen Gutes Van Volxem kraxele, wenn er sich in jeder Lage buchstäblich in die Rebzeilen hinein kniet, mit leuchtenden Augen die harmonisch duftende, ‚lebendige’ Erde durch die Finger rieseln lässt, die augenscheinlich die Grundlage seiner großen Rieslinge bildet, dann sehe ich, wie in der imposanten Gestalt eines Riesen (immerhin stolze 203 cm misst der Hüne) der kleine begeisterungsfähige Junge steckt, der, häufig genug tief verborgen, in jedem von uns weiter lebt und der dabei ist, seinen großen Traum zu verwirklichen. Wenige Winzer tragen diese Bestimmung und dieses Feuer in sich; bei Luc de Conti, dem genialen Winzer aus dem Bergerac, habe ich es gesehen, bei Didier Barral, bei Gauby und bei Deiss, bei Klaus-Peter Keller, bei Reinhard Löwenstein, bei Helmut Dönnhoff (wenn er von seinen Rebstöcken so liebevoll wie von seinen Kindern spricht) und einigen wenigen anderen. (Bei Interesse lesen Sie bitte die ausführliche Darstellung von Romans Philosophie und seiner Vita im Winzerportrait zu Van Volxem.)

Im klassischen Jahrgang 2004 - aufgrund der permanenten Weiterentwicklungen in Weinberg und Keller seinem eindeutig besten bisher - hat es Roman geschafft, tiefgründige Weine mit sensationeller Dichte auf absolutem Weltklasseniveau zu produzieren. Dabei besitzt kein Wein über 12% Alkohol, alle Gewächse faszinieren vielmehr durch ihre saartypische Leichtigkeit und Verspieltheit und besitzen dennoch, DAS Signum der Van Volxem’schen Rieslinge, eine sagenhafte Dichte und Konzentration, eine kristalline Mineralität und eine große Länge sowie ein unvergleichlich cremiges Mundgefühl. Sie tragen somit die Paradoxien der großen Weine der Welt in sich, diesen inneren Spannungsbogen, der nur wahre Meisterwerke kennzeichnet.

Romans 2004er Weine begeistern zudem durch ihre reife Säure und präsentieren sich ungemein frisch und animierend und zählen daher unumstritten zu den besten Kollektionen in ganz Deutschland; es sind begeisternde Rieslingunikate mit opulenter Frucht, gewachsen auf großen, steilen Lagen mit einzigartigem Terroir, nirgendwo auf der Welt kopierbar.

Romans große Lagenweine reifen zwar noch in ihren großen Holzfudern und werden erst im September frei gegeben. Doch heute bereits können wir Ihnen die beiden schon legendären Rieslinge dieses ebenso ehrgeizigen wie sympathischen Winzers aus dem Saar-Rieslingprojekt präsentieren, die in ihrem so fairpreisigen Sortiment von unübertrefflicher Qualität scheinen und die daher zu meinen persönlichen Favoriten zählen! Sie werden entscheidend dazu beitragen, der Region Saar die internationale Reputation zurück zu geben, die sie aufgrund ihres großen einzigartigen Terroirs verdient haben.

907104 Van Volxem, Saar Riesling, trocken 2004 8,60 Euro
Welch famoser Einstiegwein in die magische Welt der Weine des Traditionsgutes Van Volxem, aber alles andere als ein kleiner Wein. Im Gegenteil: Roman Niewodniczanski hat seinen Stil konsequent weiter entwickelt und so präsentiert er in seinem großen Jahrgang 2004 einen herrlich trockenen, vibrierend rassigen Riesling voll feiner, filigraner Frucht und einer beeindruckenden Mineralität. Reife gelbe sowie exotische Früchte, Litschi, feinste Würze und nach längerer Öffnung intensiv mineralische Noten (wie nie zuvor!) dominieren den faszinierend intensiven Duft, der betörend dem Glase entströmt. Am Gaumen präsentiert sich dieser absolut trocken schmeckende, rassige Riesling dicht, elegant, saftig und komplex und mit einem Extrakt und Mundgefühl, einer Vielschichtigkeit und Präzision, die für einen Saarriesling dieser Preisklasse wohl einzigartig ist.
Die enorme Frische erzeugt in Verbindung mit der ungemein reifen, feinen Säure permanent Lust auf den nächsten Schluck und animiert so zum fröhlichen Trinkgenuss; in der Aromatik zeigen sich Anklänge von Mirabelle und tropischen Früchten und im bemerkenswert langen, Nachhall eine beeindruckende Mineralität. Phantastisches Preis-Genussverhältnis, bravo Roman und seinem jungen, ungemein engagierten Kellermeister Dominik Völk für diese Meisterleistung!

P.S. Dieser rassige, feinsaftige Riesling ist auch ein universeller Essensbegleiter, selbst zu Fleisch- und Geflügelgerichten.
Ich empfehle sehr, diesen herrlichen Wein - den zweifellos besten Saarriesling bisher aus dem Hause Van Volxem - zu Dekantieren oder ihn über mehrere Tage aus der geöffneten Flasche zu probieren, da er noch viel Luft braucht. Dann schmeckt er bereits heute ausgezeichnet, Höhepunkt 2006 bis nach 2010.



907204 Van Volxem, Saar Riesling Alte Reben, trocken 2004 13,50 Euro
Das Potential an alten Reben an der Saar ist gewaltig und bundesweit gesehen äußerst selten, da in anderen Anbauregionen solch erstklassige Reben zumeist Flurbereinigungsmaßnahmen zum Opfer fielen.
Erstmals hat Roman in 2004 diesen Riesling überwiegend aus besten Parzellen des Millichberg (den es daher nicht mehr als Lagenwein gibt), dem Gottesfuß, dem Bockstein und dem Kanzemer Altenberg von 50 bis 120 Jahre alten Reben vinifiziert, der Sie angesichts seines moderaten Preises sprachlos werden lässt - auch wegen seiner Textur und des darauf beruhenden phantastischen Mundgefühls, auf das Roman so viel Wert legt und das in dieser Preisklasse äußerst selten zu finden ist.
Dieser Klassewein präsentiert sich noch dichter und komplexer in der vielschichtigen Aromatik als sein „kleiner” Bruder. Am Gaumen beeindrucken eine vibrierende Mineralität, eine animierende Frische und eine Wagenladung voll Frucht, insbesondere Grapefruit, Orangen und Kardamon; es fasziniert seine ungemeine Würze, nach längerer Öffnung zeigen sich Aromen wie von einer Fruchtcreme aus exotischen Früchten.
Obwohl die Zunge von einer fast cremigen Textur betört wird, fasziniert dieser harmonisch trockene Wein infolge seiner reifen, sehr bekömmlichen Säure und seiner kristallinen Mineralität auch durch seine Transparenz, sein Spiel und seine noble Finesse, die Leichtigkeit des Seins an magischen Abenden traumhaft widerspiegelnd. Viel Schmelz im ungemein langen, mineralischen Abgang, ein wundervoller Wein, ein phantastischer Essensbegleiter.
Zu genießen ab sofort (Dekantieren), Höhepunkt Herbst 2006 bis nach 2011.



P.S.I: Der STERN (Ausgabe 16/04) hat unter der liebevollen Schlagzeile „Der Rebenflüsterer” Roman Niewodniczanski und den „Saarweinen mit mythischem Ruf” eine fundierte und unbedingt lesenswerte Reportage mit faszinierenden Bildern aus den Steilhängen der Saar gewidmet. Wir veröffentlichen diese Hommage an einen großen Winzer und ein weltweit einzigartiges Terroir in Auszügen:

„Oh , ihr Deutschen!“ ruft der Brite Brett Turner, Einkäufer der Universität Cambridge, die den größten Weinkeller Englands besitzt, „ihr Deutschen seid doof, weil ihr kaum erkennt, was für exzellenten Wein es hier gibt. Weine dieser Qualität gibt es nur in dieser Region, einmalig! Das ist großartiger, als Chablis früher war. Authentischer Wein, man spürt ihm seine Lage an. Sein Terroir! Aber ihr trinkt den Müll aus Übersee. Ihr werft eure Tradition weg! Ihr zerstört eine Kulturlandschaft, die in 2000 Jahren gewachsen ist!“

Der Brite schimpft und klagt, zeigt auf brach liegende Weinberge: „Das tut weh. In Burgund würde so etwas nicht passieren, die würden Millionen für solche kostbaren Steillagen bezahlen!“ Für Weinfreunde haben die Steillagen klingende Namen. Sonnenberg, Altenberg, Scharzhofberg heißen die großen, aber diese Weinberge sind auch Monster. Extrem steil, bis zu 60 Grad. „Kein Weinstock soll stehen, wo ein Pflug kann gehen,“ hieß es früher. Alles muss von Hand und auf dem Rücken auf die Schieferhänge hochgeschleppt werden, Stroh, Dung, Steinmehl, mehrmals im Jahr muss Unkraut gejätet, müssen Reben beschnitten und entlaubt, faule Trauben ausgelesen werden. Plackerei, Schinderei. Als Dank schenken die Schieferhänge den gequälten Winzern in guten Jahren unglaubliche Rieslinge. Aber die Jungen im Dorf haben dazu keine Lust mehr. Sie schwitzen im Fitness-Studio. Und gehen in die Fabriken, wenn sie welche finden. 50 Winzer gab es vor 20 Jahren in Kanzem, heute sind es fünf.

Aber es gibt eine Gegenbewegung. Insbesondere einer spielt im Weinbau an der Saar eine immer größere Rolle. 20 Hektar bester Lagen um Wiltingen gehören nun zu dem Gut, sein neuer Besitzer rekultiviert stillgelegte Hänge. Und hat in fünf Jahren erreicht, wofür andere Generationen brauchen, meist, ohne es je zu seiner Klasse zu schaffen. Van-Volxem-Wein wird in den großen Häusern in Paris, Hamburg, Berlin ausgeschenkt, es sei „wahnsinnig, gigantisch, was dieser Kerl geschaffen hat,” lobt ihn Stuart Pigott, einer der besten Riesling-Kenner der Welt. Sei Name: Roman Niewodniczanski.

„Glauben Sie mir“, sagt Roman fast beschwörend, „diese Gegend hier ist genial. Was Burgund für den Rotwein ist, ist die Saar für den Weißwein, für den Riesling. Beide Gegenden haben Mönche bepflanzt, beides sind zickige Gebiete, Himmel und Hölle liegen nah beeinander, beides sind klimatische Grenzbereiche, kühl und fordernd. Man muss um seinen Wein zittern. Jeder Regenschauer im Herbst ist wie ein Peitschenschlag.“ Schon oft habe er heulend vor Frust im Weinberg gestanden, aber dass muss wohl so sein: „ Nur Angst schafft großen Wein.“ Und großen Wein, den will er schaffen, den größten, koste es, was es wolle.

Niewodniczanski will den Erfolg. Den Willen dazu hat er von zu Hause. Großbürgerlich die Familie, streng katholisch das Weltbild, mit unverrückbaren Normen. Und dieser Familie muss er es zeigen, dass er kein schwarzes Schaf ist. Der Bruder verdient Geld mit Bier, und Roman - verliert er es ? Mit Wein ? Er will seiner Familie sagen können: Ihr verkauft viel Bier, aber ich leiste in der Welt des Weins Einzigartiges. Ich schaffe Unikate.

In der Heimat. Um einen Wein zu machen, den es nur dort geben kann, der von seiner Lage erzählt, vom Schiefer uralter Meeresböden, von der Hitze und Kälte der Berge, von den Menschen, die für diesen Wein rackern. Er sagt: „ Ich leide unter jeder schlechten Flasche Wein, auf der Saar steht. Ich finde das grausam.“

Früher, gut 100 Jahre ist das her, hatte der Saarwein einen mythischen Ruf, war doppelt so teuer wie Wein aus dem Bordelais, eine gute Flasche kostete 15 Goldmark, das wären heute ein, zwei Monatslöhne, auf der „Titanic“ waren mehr Saar- und Moselweine als Weine aus Burgund.

Früh am Morgen weht der Wind kühl die Saar herab, Niewodniczanski liegt auf den Knien ganz oben im „Scharzhofberg“, seiner besten Lage, es ist so steil, dass man sich anseilen möchte. Karg ist der Boden, die Reben kämpfen sich durch Schiefer, Niewodniczanskis Weinstöcke werden gepflegt wie Kleinkinder. Manchmal allerdings auch gequält, um den maximalen Geschmack herauszuholen: Nach der Blüte wird die untere Hälfte der Trauben weggeschnitten - das macht sie kleiner, schafft mehr Aroma. Er kniet in seinem Weinberg, wühlt in der Erde, lässt bläulich-rötlichen Schiefer und Mist zwischen den Händen zerbröseln, riecht an dem Dreck, sagt: „Duftet gut.“

Ist der Mann verrückt? Redet er so, weil er sein Tun verklären, sein Gewissen beruhigen muss? Es geht doch um etwas ganz anderes, meint er, um etwas viel Größeres. Er sieht sich eher in einem Kulturkampf. Wein als Spielball der Globalisierung. Es geht darum, was Wein ist: ein Naturprodukt oder Industrieware aus Labors. Längst eilen „Flying Winemakers“ um die Welt, Notärzte des Weines, die mit Chemie und technischen Tricks den Stoff färben, verdichten, aufpumpen, ihn auf globalen Einheitsgeschmack trimmen.

Niewodniczanskis Weine sind Handarbeit, Präzisionsarbeiten wie eine Leica, wie eine Glashütten-Uhr, schwieriger noch zu machen, denn sie sind der launischen Natur abgerungen. Ohne den Schnickschnack, der die meisten Weine heute so beliebt macht, ohne High-Tech-Hefen, Enzyme, Schönungsmittel reifen sie - gegen den Trend, der Gärung in Stahttanks vorschreibt - langsam in Holzfässern, spät kommen die Weine auf Flaschen. Und so entstehen sie dann, die Weine, große Weine mit eigenem Charakter - trocken, mit einer feinen dezenten Süße.

Seine Weine, so sieht es Niewodniczanski, sind Kampfansagen an die industriellen Massenweine aus Übersee. Kampfansagen an Weinkritiker wie den übermächtigen Robert Parker, der mit seinem Punktesystem weltweit den Wein nach seinem Geschmack formiert. Schwere, rauchige Weine liebt der Amerikaner, vanillige Bomben, breiig, aber gefällig. „Ich mache Weine gegen diese Infantilisierung des Geschmacks“, sagt Niewodniczanski.

Neulich war ein US-Importeur bei Niewodniczanski, Parker-Weine wollte der, ökonomisch wäre das für Niewodniczanski ein großartiger Deal gewesen. „Ich konnte das nicht machen. Ich bin kein Öko-Spinner, kein Weltverbesserer. Ein Freund meinte: Mach’s! Du bist ein Arschloch! Doch ich hab ein großes Problem: Ich mag nur guten Wein.“

P.S.II: Kennen Sie dieses Gleichnis aus alter Zeit? Ein betagter Winzer empfängt am Totenbett seine drei Söhne. Diese sind überzeugt, ihr Vater müsse im Laufe seines arbeitsreichen Lebens ein Vermögen verdient haben und fragen ihn, wo er denn seinen Goldschatz versteckt habe. Der alte Winzer, der die Unlust seiner Söhne vor harter körperlicher Arbeit nur zu gut kennt, fordert diese auf, sich zu ihm zu bücken und flüstert mit letzter Kraft: „Graben, Ihr müsst graben”. Danach stirbt er. Nach der Beerdigung beginnen die Söhne wie verrückt, die Weinberge umzugraben, in der Annahme, der Vater habe den vermeintlichen Goldschatz in irgendeiner Parzelle vergraben. Doch sie finden nichts. Umso verbissener graben sie weiter, tagaus, tagein und versetzen so den Boden in ein optimal aufgelockertes, vitales Terroir. Das Resultat: Jahr für Jahr werden ihre Weine besser, sie verkaufen sich ausgezeichnet und die Söhne werden tatsächlich reich. So haben sie dann wirklich einen Goldschatz gefunden, doch mit harter Hände Arbeit. Das Vermächtnis ihres weisen Vaters ist erfüllt.