Saarlouis, 30. Oktober 2003

Weingut Prieler – Neusiedlersee-Hügelland

Burgenland

„Nirgends ist um fünf Uhr nachmittags das Leben so friedlich und doch auch so beängstigend schön wie in einem Weingarten im Burgenland”.

Wie recht der berühmte österreichische Schriftsteller und Autor des „Großen österreichischen Weinlexikons”, György Sebestyén, doch hat: Ein Abendspaziergang am Neusiedlersee – Europas größtem Steppenmeer im östlichen Zipfel Austrias, unmittelbar vor der ungarischen Grenze – wenn die letzten Sonnenstrahlen das zart im Winde sich wiegende Schilf bestreichen oder wenn in den Rieden berühmter Weinorte am frühen Morgen die exzellenten Böden im ersten Licht des Tages golden schimmern, sind dies schon unvergessliche Momente.
Doch des Weinliebhabers Herz denkt beim Begriff Burgenland natürlich an eine uralte Weinbautradition, die bis ins 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurückreicht, an feinwürzige, schmelzige, tiefgründige Weißweine, elegante, samtige, rassige und komplexe Rote sowie edelsüße Raritäten auf Weltklasseniveau.

Primär drei Faktoren prägen die großartigen Weine aus dem Burgenland: zunächst einmal das extrem vielfältige, erstklassige Terroir mit großen Bodenvarianzen und das vorherrschende milde pannonische Klima mit über 2000 Stunden Sonneneinstrahlung jährlich, das sich von der ungarischen Tiefebene her ins nordöstliche Österreich erstreckt. Seine Merkmale sind geringe Niederschläge und starke Temperaturunterschiede zwischen heißen Sommern und relativ kalten Wintern. Die Ostwinde sorgen für Trockenheit und halten kontinentale Einflüsse mit feuchten Winden in dieser Region Österreichs gering.
Allerdings finden sich in den einzelnen Gebieten zahlreiche Mikroklimate mit ihren variierenden Einflüssen, auch spielt der Neusiedlersee als Klimaregulator eine entscheidende Rolle. Zudem ist seine gewaltige Wassermenge für die großen Süßweine, die in Relation zu vergleichbaren deutschen Gewächsen extrem preiswert produziert und angeboten werden können, entscheidend mitverantwortlich, da sie Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Weinbergen reguliert.
So entsteht dort, insbesondere am östlichen Ufer im so genannten Seewinkel, der Edelpilz Botrytis cinerea, der die Traubenhäute durchdringt, so dass das Wasser aus den Beeren verdunstet, Aromastoffe, Extrakte, Zucker und Säuren sich jedoch so konzentrieren, dass edelsüße Weine auf absolutem internationalem Spitzenniveau daraus entstehen.

In vier Regionen ist das Burgenland unterteilt: Neusiedlersee, Neusiedlersee-Hügelland, Mittelburgenland und Südburgenland; heute präsentieren wir ein erstes Spitzengut mit faszinierenden Weiß- und Rotweinen für jeden Tag, aber auch erstklassige Kreszenzen auf absolutem Weltklasseniveau aus dieser so faszinierend vielfältigen Landschaft.
Bei der Auswahl der Rotweine haben wir großen Wert darauf gelegt, Produzenten ins Programm zu nehmen, deren authentische Weine bei aller Konzentration, Kraft und explosiven Frucht, die den Gewächsen dieser Region aufgrund von Terroir und Klima in die Wiege gelegt werden, ihre Herkunft widerspiegeln und über eine solch große Eleganz und Finesse verfügen, dass sie mit wirklichem Genuss getrunken werden können und nicht dick, fett, alkohollastig und monströs im Glase krachen, um auf Verkostungen zu blenden, wirklichen Kennern aber keine Freude bereiten. Diese unselige, international weit verbreitete Tendenz ist leider auch in Österreich nicht gerade selten anzutreffen.


Weingut Prieler – Neusiedlersee-Hügelland

„Du musst die Natur belauschen. Das Wechselspiel zwischen Klima und Boden nutzen. All Deine Erfahrungen einbringen, die Du in vielen Jahren rund um die Faktoren Wärme, Licht und Feuchtigkeit gesammelt hast. Und vor allem musst Du mit der Natur arbeiten. Niemals gegen sie. Daher haben wir bereits seit Jahren auf naturnahen Anbau umgestellt. So einfach sind die Grundlagen für große Weine von authentischer Qualität”.

Was Engelbert Prieler so gelassen ausspricht, als „einfache” Wahrheit bezeichnet, ist in der Realität das Resultat harter handwerklicher Arbeit auf großartigen Böden in besten, geschützten Lagen im einzigartigen Mikroklima des Neusiedler Sees mit einer intensiven Sonneneinstrahlung. „Nicht der Mensch, der Boden macht den Wein”, ergänzt Silvia Prieler, promovierte Mikrobiologin, die seit 1997 tatkräftig ihren Vater in Weinberg, Keller und Marketing unterstützt.
Und die Region Neusiedlersee-Hügelland, am Westufer des Sees gelegen, erweist sich als äußerst vielseitig, was Böden, aber auch Kleinklimate angeht. In den traumhaft schön gelegenen Hügeln und Fluren wachsen auf Schiefer, Sand oder Lehm in idyllischen Weinorten, die wie Perlen an einer Kette aufgehängt scheinen, Rot- und Weißweine, die zu den größten Gewächsen ganz Österreichs gehören.

In den sonnenverwöhnten Spitzenrieden von Schützen am Gebirge, wo die Prielers zu Hause sind, reifen inmitten eines Naturschutzgebietes in der Kessellage des Seebergs Weißburgunder- und Chardonnaytrauben auf lehmigem Sand mit remarkablen Kalkanteilen, die für eine feine Mineralität im fertigen Wein sorgen. Die Ried Ungerbergen mit ihren Sand- und Kalkmergelschichten liefert gehaltvolle Cabernet Sauvignon, karger Schieferboden, mit Ton und Lehm unterzogen, ist am Goldberg Fundament für herausragende, feinmineralisch-erdige Blaufränkische Weine.

Naturnaher Anbau, eine rigorose Mengenbeschränkung, ein kurzer Rebschnitt, aber eine hohe Laubwand zur besseren Photosynthese sowie eine rigorose mehrfache Traubenselektion von Hand sind die wesentlichen Kennzeichen der Prieler’schen Qualitätsphilosophie in den Rieden, vorsichtige Pressung, soweit als möglich Verwendung von weineigenen Hefen, temperaturkontrollierte Vergärung sowie schonender Ausbau im Edelstahl und in gebrauchten wie neuen Holzfässern kennzeichnen die sensible Arbeit im Keller:
Das so sympathische und ungemein gastfreundliche Ehepaar Prieler, Engelbert und Irmgard, das 1972 das elterliche Gut übernahm, hat, zusammen mit ihrer ebenso innovativen wie attraktiven Tochter Silvia, ihren ureigenen Stil gefunden und ihren Weinen ihre unverwechselbare Handschrift gegeben mit einprägsamer Frucht, großartigem Rebsorten- und subtilem Terroircharakter.

In Österreichs Fachpresse werden sie, völlig zu recht, hymnisch gefeiert (so bezeichnet beispielsweise der Gault Millau die Domaine als burgenländisches Paradeweingut, Auszeichnungen wie Österreichs Winzer des Jahres u.a. aufzuzählen, hieße Eulen nach Athen tragen) und ihre Weine mit Preisen überhäuft. Engelbert Prieler, Frohnatur und Genussmensch gleichermaßen mit strahlenden Augen, vermittelt im engagierten Gespräch eine profunde Kompetenz und ist ein höchst kreativer Perfektionist, der nicht nur zu den besten Winzern des Burgenlands gehört, sondern mittlerweile zur Elite der gesamten österreichischen Winzerszene.


731102 Pinot Blanc Seeberg 2002 8,95 Euro
Von alten Reben auf lehmigen und kalkigen Sandboden aus relativ hohen und damit kühleren Lagen stammt dieser feinfruchtige, süffige Weißburgunder, vergoren ausschließlich mit weineigenen Hefen, lange auf dem Hefelager belassen und ausgebaut im Edelstahl. Schönes, sattes Gelbgrün in der Farbe, reintönige, intensive Aromen von Grapefruit, und würzige Haselnuss-Mandel-Noten; am Gaumen eine bemerkenswerte Fruchttiefe und Extraktsüße, ein sehr harmonischer Wein mit zart mineralischen Noten sowie, infolge einer feinsaftigen, lebendigen Säure, ein verführerischer, jugendlicher Charme in Verbindung mit kraftvoller Eleganz. Zu genießen ab sofort bis 2005. Von ALLES ÜBER WEIN in einem Burgenland Special (Ausgabe 4/03) zu den 15 besten Weißweinen der gesamten Region gewertet und von A LA CARTE 2004 mit sensationellen 93 Punkten angesichts seines so genussfreundlichen Preises bedacht.



731201 Blaufränkisch Johanneshöhe, rot 2001 9,90 Euro
Von sandigen Lehmböden mit Kieselsteinen stammen die erst im Oktober handverlesenen Trauben, die spontan im Edelstahl vergoren und danach 18 Monate in großen Eichenfässern ausgebaut wurden. In der Nase ein faszinierend kühler, mineralischer Duft von Sauerkirschen, reifen Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren. Am Gaumen eine feste, würzige, profunde Fruchttiefe, ein zugleich eleganter als auch dichter Körper, cremige Tannine, griffige Art, mit sehr gut integriertem Holz, würzig-mineralischer, finessenreicher Abgang. Zu genießen ab sofort, doch ein eindrucksvolles Vergnügen bis wenigstens 2008, ein idealer Begleiter zu allen Arten von Wildgerichten, Rind und Pasta.



731301 Pinot Noir 2001 27,00 Euro
Von mineralischen Kalkböden mit nördlicher Ausrichtung aus der exzellenten Riede „Satz” stammt dieser barriqueausgebaute Pinot Noir (ein Klon aus der Bourgogne) mit samtigen Tanninen und einer exzellenten Fruchtkonzentration. In der Nase eine burgundische Fruchtfülle mit betörenden dunklen, aber auch roten Beeren und zart kirschige Noten. Am Gaumen kraftvoll, füllig und dicht, mit einer tollen Substanz und einer saftigen Fruchtsüße, sehr feines Tannin, Eleganz und Mineralität in Perfektion. Zu genießen jetzt bis mindestens 2008, „ein Pinot Noir, bezaubernd wie seine Produzentin” (VINUM). Denn dieser noble Pinot Noir wird von der Tochter des Hauses, Silvia Prieler, in eigenständiger Regie hergestellt. Wann immer man sie sucht, findet man sie im Weinberg oder im Keller, sozusagen in Klausur mit ihrem Burgunder. Vor zehn Jahren begann sie erst, sich mit Wein zu beschäftigen: Bei einer Verkostung von Burgundern entdeckte sie die Liebe zu dieser anspruchsvollen, aber auch kapriziösen Sorte und 1997 übernahm sie einen Weingarten des elterlichen Betriebes mit 25 Jahre alten Pinot-Noir-Reben. Eine Leidenschaft war geboren, der sie durch einen sehr persönlichen Weinstil ihren unverwechselbaren Ausdruck verleiht.



731400 Blaufränkisch Goldberg, rot 2000 55,00 Euro
Für mich einer der großen Rotweine Österreichs, ein exemplarischer Referenzwein der neuen Winzergeneration Austrias, das im Konzert der großen Rotweine der Welt als Charakterdarsteller in der obersten Liga mitspielt – und brilliert. Komplett im neuen Barrique reift Prielers Selektion von großartigen Reben der österreichischen Paraderebsorte, die von seinen besten Parzellen der Spitzenried Goldberg stammen. Der sehr steinige Schieferboden ist Teil einer erstklassigen Hanglage, die sich aufgrund des hohen Schieferanteils sehr schnell erwärmt. Gepaart mit kühlen Nächten und rigoroser Ertragsbeschränkung (30 hl/ha) ergibt dies einen traumhaften Wein mit sehr viel Mineralität, feiner Eleganz und enormer Kraft. 26 Monate liegt dieser Riese von Wein, der zu den eindrücklichsten, aber zugleich auch feinsten Weinerlebnissen gehört, denen man im Laufe eines Weintrinkerlebens begegnen kann, im neuen Barrique und gewinnt hier eine aromatische Komplexität, die ihn den größten Rotweinen der Welt ebenbürtig macht. In der Farbe ein dunkles Rubingranat mit zarter Randaufhellung, in der Nase ein sehr tiefer, mineralischer, fest gewirkter Duft von Kirschen und schwarzen Beeren, dabei holzwürzig und zarte Anklänge von Bitterschokolade, am Gaumen zeigt sich nach längerer Öffnung eine ungemein dichte, noble und sehr nachhaltige, perfekt gebaute Brombeerfrucht, schokoladige Textur, elegant und stoffig zugleich, die Tannine ungemein geschliffen, reif und edel, fein mineralisch, extrem nachhaltig, große Länge, riesiges Potential. Eine solche überzeugende Kombination von Fruchtfülle, seidiger Würze und großartiger Tanninqualität, die in Europa sehr selten ist, eher die großen Gewächse von Clarendon Hill anklingen lässt, findet man nirgendwo sonst außer im Burgenland: Österreichischer Weltklassewein, eindrucksvoll strukturiert, mit großer Individualität, unverwechselbar in Stil, Charakter und Geschmack, Referenzcharakter! Zu genießen ab sofort nach stundenlangem Dekantieren, Höhepunkt voraussichtlich 2005 bis nach 2015.

Dieser große Wein wird mit Elogen überschüttet. So vergibt ihm A LA CARTE 2004 mit 96 Punkten die höchste Bewertung aller österreichischen Rotweine der Jahrgänge 99/2000/2001, ALLES ÜBER WEIN zählt ihn in einer großen gemeinsamen Verkostung der Jahrgänge 99/2000 zu den 10 besten Rotweinen des Burgenlands und ganz aktuell gewann er auf dem Hamburger Weinsalon zusammen mit einem Konkurrenten die Auszeichnung ROTWEIN DES JAHRES 2003.
Herzlichen Glückwunsch!




Die Weine der Familie Prieler sind eine große Bereicherung unserer vielfältigen Weinpalette und demonstrieren eindrucksvoll die Zukunft der so viel versprechenden Region Neusiedlersee-Hügelland. In ihren Weinen dominiert Finesse vor schierer Kraft, belebende Frische ist wichtiger als auf die Spitze getriebene Extraktion und alle Weine spiegeln das großartige Terroir wider, auf dem ihre Trauben gewachsen sind sowie die Persönlichkeit der so sympathischen Menschen, die sie so sanft und schonend wie irgend möglich ausgebaut haben.