Saarlouis, 8. August 2003

Handelsblatt:
Pit Falkenstein empfielt die Domaine Ermitage du Pic St-Loup

„Wenn Jean-Marc Ravaille an seine Kindheit zurück denkt, dann geht ihm ein Grinsen übers Gesicht. „Wir waren wild und aufsässig, dickköpfig dazu. Es gab ständig Grund sich zu prügeln.“ Doch wenn andere Jungen angriffen, herrschte Einigkeit. Besonders Jean-Marc, der Älteste, genannt „der Bär“, war allseits gefürchtet. Doch auch die beiden jüngeren Brüder, so mager sie auch waren, wussten sich zu wehren.

Der weitläufige elterliche Hof, auf dem sie aufwuchsen, liegt am Rande der Gemeinde St-Mathieu de Tréviers, 20 Kilometer nordöstlich von Montpellier. Dahinter gibt es nur noch Rebgärten, Weiden und die Wildnis der Garrigue, für die drei Rangen ein Paradies. Vater Jean-Marie Ravaille ernährte die Familie von Schafzucht und Weinbau. Die Trauben gab er zur Genossenschaft.

Als die Söhne mannbar wurden, schrieb sich einer nach dem anderen an der Uni Montpellier ein. Jean-Marc belegte die Rechte, Pierre wurde Önologe und Nesthäkchen Xavier beschäftigte sich mit Wirtschaft. Einzig der mittlere Bruder studierte zielgerecht. Bei den beiden anderen war es wohl mehr Zeitvertreib. Der Älteste wollte „sicher nie Anwalt werden“.

Schon bald wurde der Gedanke geboren, aus dem Bauernhof ein Weingut zu machen. „Da erwies sich unsere Dickköpfigkeit als durchaus vorteilhaft“, erinnert sich Jean-Marc. Heute gehört die Domaine Ermitage du Pic St-Loup, benannt nach der besten Lage, zu den aufstrebenden Gütern im Languedoc. Das Trio teilt sich die Arbeit: Jean-Marc, 37, übernahm die Administration, Pierre, 35, ist Kellermeister und Xavier, 31, der sein Studium abbrach und als einziger verheiratet ist, betreut die 50 Hektar Reben. Es sind großenteils hervorragende Lagen, verstreut in der Garrigue und bestockt vor allem mit der wertvollen Rhône-Sorte Syrah. Manches davon hat noch der Großvater gesetzt.

Ergebnis ist ein saftiger, ja glutvoller Schluck, der wild nach Kräutern duftet, nach Minze, Lavendel, Rosmarin, und dessen dichtes Brombeer-Aroma den Mund machtvoll ausfüllt. Dazu ein besonderer Braten: Eine Scheibe vom mageren Schweinebauch wird mit Senf, Salz, Pfeffer und Knoblauch eingerieben, sodann fingerdick belegt mit einer Mischung aus Lammhack, dem Fleisch von schwarzen Oliven, getrockneten Tomaten und Rosmarin, endlich gerollt, gebunden, scharf angebraten und bei mittlerer Hitze eine Stunde im Ofen gegart. Den Fond mit etwas Rotwein ablöschen, alles mit gestampften Kartoffeln servieren.”


300501 Ermitage du Pic St-Loup, Coteaux du Languedoc, rouge 2001 7,90 Euro