Saarlouis, 24. Januar 2003

Olivenölskandal:
Stiftung Warentest bezichtigt Lidl der Verbrauchertäuschung
Testsieger in Nachverkostung nur noch mit „Ausreichend” bewertet

„Qualitätsurteil trifft nicht mehr zu” lautet die Überschrift, mit der die Stiftung Warentest ihr in Kennerkreisen von Anfang an heftig kritisiertes Urteil über das im Oktober bewertete Billig-Olivenöl „Luccese” zurücknimmt.

Eine von der STIFTUNG WARENTEST durchgeführte Nachverkostung ergab: „Die Nachproben sind wesentlich schlechter als die ursprüngliche Testprobe. Nach demselben Schema ausgewertet wie beim Test im Oktober erhalten sie in der sensorischen Qualität nur noch ein „Ausreichend” und kein „Gut” mehr. Die Werbung von Lidl mit dem test-Qualitätsurteil „gut” ist daher nicht korrekt.

Ein Schlaglicht auf die Machenschaften im Bereich industriell erzeugter Lebensmittel wirft, dass Warentest in diesem Zusammenhang von „üblichem Vorgehen” spricht. Schon mehrfach habe man festgestellt, dass sich „sehr gute” oder „gute” Produkte nach der Vergabe der Qualitätsurteile verschlechtert haben und trotzdem weiter mit dem alten Qualitätsurteil beworben werden.

Für Aufsehen hatten kurz nach Bekanntwerden der Testergebnisse zwei Qualitätsgutachten renommierter italienischer Institute im Auftrag der Fachzeitschrift MERUM gesorgt, die dem in einer bundesweiten Anzeigenkampagne massiv beworbenen Billigöl nicht einmal zweitklassige, somit immerhin verkehrsfähige Vergine-Qualität bescheinigten, sondern attestierten, dass es sich bei diesem „Testsieger” um Olivenöl für die Raffinerie handele, das nach geltendem Recht nicht an den Endverbraucher abgegeben werden darf.