Saarlouis, 24. November 2002

Unsere Entdeckung des Jahres im Languedoc, sensationelle Bewertung in „ALLES ÜBER WEIN”:
Domaine Puech Auriol, Languedoc

Es war im März dieses Jahres auf einer Verkostung großer Weine des französischen Südens, als ich erstmals eine Fassprobe des Jungfernjahrgangs dieses neuen Weingutes, DES Senkrechtstarters im Languedoc schlechthin, verkostete. Und ich war wie elektrisiert, ja geradezu schockiert angesichts der sensationellen Qualität, die sich tiefschwarz in meinem Glase spiegelte.

Stéphane Yerle, so heißt der sympathische Winzer baskischer Herkunft, war mir zwar als einer der jungen, „wilden”, innovativen Spitzenönologen Frankreichs schon lange ein Begriff (so hat er seit Beginn der 90er Jahre in verantwortlichen Positionen auf besten Weingütern in Spanien und im Madiran, auf Montus und bei Patrick Ducournau, gearbeitet), doch dass er sich nebenbei als „Wochenendwinzer”, wie er sich selbstironisch zu titulieren pflegt, niedergelassen hatte, war mir damals noch neu.

Und was hat er sich für herausragende terrassierte Parzellen mit altem Rebbesatz (die dem Vorbesitzer zu wenig Ertrag abwarfen!!) im Département Hérault im Herzen des Languedoc gekauft, sandige, kalkhaltige, sehr steinige Böden, geradezu ideal zur Erzeugung großer Grenacheweine.
Ganze 2,6 ha bewirtschaften Stéphane und seine junge Frau Cécile in extrem arbeitsintensiver Weise naturnah und eben vorwiegend am Wochenende, wenn Stéphane, von seiner Önologentätigkeit „befreit”, sich zu Hause in Ruhe seinem eigenen Weingut widmen kann.

Diese Arbeiten betreibt er mit einem Aufwand und einer Feinfühligkeit, wie ich sie bisher nur ganz selten bei wirklich großen Winzern angetroffen habe. Sorgfältige Handarbeit in den extrem gepflegten Parzellen, penible Auslese bei der Ernte, für die, der geringen Größe des Weingutes sei Dank, keinerlei Fremdarbeiter engagiert werden müssen, kleine Erträge von sehr reifen Trauben, extrem schonende Vinifizierung mit Hilfe einer alten, liebevoll restaurierten Presse, langes Belassen des Mostes auf der Hefe, was zu einer betörenden Frucht im fertigen Wein beiträgt, gekonnter Einsatz der Mikrooxydation, deren „Erfinder”, Patrick Ducournau, sein kongenialer Lehrmeister war, keinerlei Pumparbeiten, aber subtiler, feinfühliger Ausbau in gebrauchtem Holz unterschiedlicher Größe und Provenienz.

Das Resultat dieser ungemein sorgfältigen und engagierten Arbeit im Keller und Weinberg:„ALLES ÜBER WEIN”, Ausgabe Dez. 02/Jan. 03, feiert unsere Neuentdeckung Puech Auriol in ihrem umfangreichen Report über die aktuelle Entwicklung im Languedoc euphorisch als einen der 19 „Spitzenerzeuger im Languedoc” und konstatiert, dass Stéphane und Cécile, die ihre Weinberge „mit Liebe und Passion ausschließlich manuell bearbeiten, fast wie im deutschen Schrebergarten, begeisternde Weine, produzieren, aromatisch, warm, einladend – südlich in des Wortes bestem Sinne, authentische Weine ihrer Region.” Sensationelle Qualitäten in ihrer jeweiligen Preisklasse eben, faszinierende Weine zum Süchtigwerden und Verlieben!


349101 Puech Auriol, VdP des Coteaux d'Enserune, rouge 2001 9,90 Euro
Dichtes, tiefdunkles, leuchtendes Rot, dem Glase entsteigt eine komplexe Aromatik, vielschichtig, verwoben, Anklänge an schwarze Waldbeeren, saftige, reife Kirschen und Gewürze der Garrigue, gemahlener schwarzer Pfeffer, zart balsamische Nuancen und Noten von Zedernholz. Tolle Fülle am Gaumen, dazu eine bemerkenswerte Dichte, traumhaft saftig, deutlich vernehmbar noch das massive Tanninkorsett, das aber wunderbar weich und harmonisch in die in ausladende Frucht integriert ist. Schöne Frische infolge einer zartherben Säure, sehr glycerinreich, ein im besten Wortsinne südlicher, warmer Wein, dennoch sehr elegant und finessenreich, trinkbar ab sofort, Höhepunkt Ende 2003 bis voraussichtlich 2007.

leider bereits ausverkauft!

349200 Puech Auriol, „Tourments”, VdP des Coteaux d'Enserune, rouge 2000 22,00 Euro
Im Jahrgang 2000 entschloss sich Stéphane erstmals zur Produktion dieser fulminanten Spitzencuvée. Die selektiv geernteten, extrem reifen Trauben wurden zuerst traditionell im großen Bottich auf der Maische angegoren, um anschließend in gebrauchten 400 Liter-Fässern die Gärung abzuschließen.
Diese hat Stéphane Yerle dann, ähnlich wie es Pascal Verhaeghe von Château du Cèdre mit seiner „Grande Cuvée” praktiziert, während der Gärung vorsichtig gerollt, um eine möglichst subtile Tanninausbeute zu erzielen. Zur malolaktischen Gärung wurde der Most mit ultrareifem Carignan-Most vermählt und in Barrique-Fässer abgezogen. Und wie hat sich dieser Aufwand gelohnt!

Tiefstes Kardinalsrot, ja fast schwarz in der Farbe, in der Nase ungemein komplex, konzentriert und reich, Anklänge an reife, süße, dunkle Amarenakirschen, danach Blätter von schwarzen Johannisbeeren, heller Tabak, noble Kaffeearomen, ein Hauch von Lebkuchen und edlem, süßlichem Sandelholz.
Dazu verströmen die alten Grenache- und Carignanreben einen ganzen Basar orientalischer Gewürze und die kühle Stilistik evoziert Anklänge an große Prioratweine. Aber auch grenachebetonte Weltklasseweine aus Châteauneuf-du-Pape erinnern an dieses großartige Gewächs, das jedoch mit seinem eigenständigem Languedoc-Charakter ein einzigartiges Unikat darstellt und schon heute als der beste Grenachewein gilt, der je im Midi erzeugt wurde.

Am Gaumen sehr dicht, konzentriert, aber beileibe kein Konzentrationsmonster, enorm extrakt- und glycerinreich, feinste Würze, kompakte, seidene, reife, edle Tannine, perfekt in die überwältigend reiche, enorm tiefe Frucht eingebunden, ebenso wie die noch präsente Säure, ein ungemein harmonischer Wein, bestens ausbalanciert, wunderschöne Textur, unwahrscheinlich lang anhaltend, gewinnt noch einmal deutlich beim Abgang, ein Wein mit einem großen Potential, weder geschönt noch filtriert, trinkbar ab sofort nach mehrstündigem Dekantieren, Höhepunkt 2004 bis 2010, mindestens.

Einer der originärsten und besten je im Languedoc produzierten Weine, Kultweinstatus! Ganze 1200 Flaschen (wir haben uns davon 600 Fl. sichern können) dieses in seiner Stilistik so einzigartigen und in 2000 erstmalig produzierten Weines gelangen nach Deutschland! Im großen aktuellen Languedoctest von „ALLES ÜBER WEIN” (Dez. 02/Jan. 03) konnte er sich den zweiten Platz unter mehr als 200 verkosteten Spitzenweinen sichern, nur einen Punkt übertroffen von unserem Testsieger, dem leider bereits ausverkauften, aber auch wesentlich teureren „La Porte du Ciel” von Château de la Negly.

leider bereits ausverkauft!