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Olivenöl Extra Vergine
Wertvolles Nahrungs- und Genussmittel häufig leider auch Etikettenschwindel und gepanschter Massenbetrug!
Frisches Olivenöl, das grüne Gold mediterraner Landschaften, ist so gesund wie kaum ein anderes Nahrungsmittel, schmeckt aber nicht nach bitterer Medizin, sondern herausragend gut und bereitet seinen Liebhabern unvergleichliche hedonistische Genüsse. Es begleitet den wahren Gourmet nicht nur in der Spitzengastronomie in Italien, Spanien oder Griechenland, auch aus der traditionellen Küche in allen Regionen des Mittelmeeres ist es nicht wegzudenken. Zudem verwandelt es selbst einfachste Speisen in kulinarische Delikatessen: Welcher Kenner hat nicht schon einmal frisches (Weiß-) Brot in fein duftendes Olivenöl getunkt (vielleicht mit einer Prise Fleur de Sel gewürzt) und diese Köstlichkeit mit großer Begeisterung im Mund quasi zergehen lassen? So ist es nur folgerichtig, dass dieser einzigartige Fruchtnektar der Götter in den letzten Jahren auch in Deutschland immer mehr Zuspruch gefunden hat, schätzen doch (zumindest) die Feinschmecker hierzulande immer mehr diese einzigartige Gaumenfreude.
Dazu beigetragen haben natürlich die Lobeshymnen seriöser Wissenschaftler, die unisono die gesundheitlichen Vorzüge der Mittelmeerkost preisen, deren wesentlicher Bestandteil hochwertiges Olivenöl ist. Forschungsresultate belegen eindrucksvoll, dass der hohe Gehalt im Olivenöl Extra Vergine an einfach ungesättigten Fettsäuren, Flavonoiden und Antioxidantien ein wirksames Mittel ist, das nicht nur hilft, den Krankheiten unserer Zivilisation vorzubeugen, sondern auch bei deren Heilung wirksam wird: Erstklassiges Olivenöl trägt zum Schutz vor Herzinfarkt bei, es senkt den LDL-Cholesterin-Spiegel, es reduziert die Thrombose-Risikofaktoren, es wirkt blutdrucksenkend, regt den Stoffwechsel an, fördert die Verdauung, entgiftet den Körper, hilft gegen Gastritis und ein Zusammenspiel vieler Schutzfaktoren soll bei der Krebsvorsorge wirksam sein. Dem Olivenöl wird aber auch eine positive Rolle bei der Diabetesbehandlung beigemessen und selbst bei altersbedingten kognitiven Störungen soll es helfen. (Ich selbst setze es im Übrigen sehr gerne und bisher zumeist mit verblüffendem Erfolg bei vielen Arten von Hautverletzungen und muskulären Problemen ein: einfach Einreiben!) Als Beweis für diese Theorien werden immer wieder die Bewohner der Mittelmeerländer angeführt. Dort sterben beispielsweise im Vergleich zu Nordeuropa viel weniger Menschen an Herzinfarkt: Groß angelegte Studien sammelten 15 Jahre lang Daten aus Finnland und Kreta. Das Ergebnis: Im Osten Finnlands, wo viel Fleisch und Milch verzehrt wird, starben mehr als die Hälfte der Menschen an Herzgefäßkrankheiten. Auf Kreta, wo der Olivenölkonsum enorm ist, waren es dagegen nur fünf Prozent. Kein Wunder, verzehrt doch im Durchschnitt ein Grieche pro Jahr stattliche 21 Liter Olivenöl, in Spanien und Italien sind es immerhin zehn Liter, in Deutschland hingegen gerade einmal 0,2 Liter. Doch scheint es bei uns gravierende Unterschiede zu geben zwischen Feinschmeckern und dem übrigen Teil der Bevölkerung: So übertrifft der Verkauf von echtem Extra Vergine bei Pinard de Picard seit Jahren unsere kühnsten Anfangserwartungen und belegt eindrucksvoll die Sensibilität unserer wohl informierten Kunden für eine gleichzeitig schmackhaft-leckere wie gesunde Ernährung.
Daher wollen wir hier zu Ihrer Information auch aus zwei ganz aktuellen Studien zur präventiven Wirkung von Olivenöl zitieren, die SPIEGEL-Online in den letzten Wochen auf ihrer Homepage veröffentlicht hat:
OLIVENÖL-KUR - Mediterrane Kost schützt vor Krebs
Von der Paella tropft das Olivenöl und auch Spaghetti aglio olio schwimmen darin. Trotz der fettigen Kost sind Südeuropäer überraschend gesund. US-Forscher haben jetzt im Laborversuch gezeigt, wie Fettsäuren die Entstehung von Krebszellen verhindern.
Dass die ungesättigten Fettsäuren des Olivenöls, etwa die Ölsäure, wirksam gegen Krebs sind, haben Forscher schon lange vermutet. Nun ist Onkologen um Javier Menendez von der Northwestern University in Chicago ein Durchbruch (in der Beweislage) gelungen, über den sie im Magazin Annals of Oncology berichten.
Die Mediziner gaben Ölsäure im Reagenzglas zu Brustkrebszellen. Danach stellten sie fest, dass die Menge des Onkogens Her-2/neu, das bei der Umwandlung einer Körperzelle in eine Tumorzelle aktiv ist, um 46 Prozent sank!
DEHNBARE GEFÄSSE - Olivenöl lässt Blut leichter zirkulieren
Bestimmte Inhaltsstoffe in Olivenöl machen Blutgefäße elastischer. Das Blut kann so für einige Stunden nach der Mahlzeit besser zirkulieren. Andere Fette im Essen haben hingegen eine entgegen gesetzte Wirkung.
Olivenöl ist ein wichtiger Bestandteil der so genannten Mittelmeer-Diät, deren positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System schon seit langem bekannt ist. Welche Rolle dabei der Phenolgehalt des Öls spielt, haben spanische Forscher nun bei Männern und Frauen mit erhöhtem Cholesterinspiegel untersucht. Sie servierten ihren Probanden dabei an zwei Tagen dasselbe fettreiche Frühstück, bestehend aus 60 Gramm Weißbrot mit 40 Millilitern Olivenöl.
Allerdings enthielt das Öl nur an einem Tag eine hohe Phenolkonzentration, am zweiten Tag betrug der Gehalt lediglich ein Fünftel dieser Menge. Nach dem Frühstück untersuchten die Forscher über einen Zeitraum von vier Stunden, wie gut sich die Blutgefäße in den Fingern der Probanden an schnelle Änderungen des Blutflusses anpassen konnten. Das Ergebnis war eindeutig: Der Konsum von phenolreichem Olivenöl verbesserte die Anpassungsfähigkeit der Gefäßwände an schnelle Schwankungen der Blutmenge. Kein Effekt zeigte sich dagegen nach der Einnahme von phenolarmem Öl, berichtet Juan Ruano von der Universität in Cordoba im Fachmagazin Journal of the American College of Cardiology (Bd. 46, S. 1.864).
Nahrungsmittel wie Hamburger oder Pommes, die reich sind an anderen Fetten als Olivenöl, verschlechtern hingegen die Dehnfähigkeit der Gefäßwände und damit die Blutzirkulation. Wie sich eine fettreiche Mahlzeit auf die Blutzirkulation auswirkt, hänge also von der Art des enthaltenen Fettes ab, schreiben die Forscher. Konsumenten sollten möglichst nach Olivenölsorten greifen, die mit virgin oder extra virgin bezeichnet werden: Sie weisen den höchsten Phenolgehalt auf. (Höchst interessant an dieser Studie scheint mir zudem, dass es wiederum die Phenole sind, denen man auch im Rotwein die Eigenschaften zuschreibt, das menschliche Herz zu schützen.)
Doch diese Studie der spanischen Wissenschaftler weist auch direkt auf DAS Problem: Wenn ein Olivenöl sowohl heilsam sein als auch tatsächlich geschmacklichen Hochgenuss bieten soll, dann darf es erstens keine Fälschung sein (Schätzungen von Experten wie Andreas März, einem mit der Materie bestens vertrautem Experten, Herausgeber der sehr empfehlenswerten seriösen Zeitschrift MERUM, die sich ausschließlich mit italienischen Weinen und Olivenöl beschäftigt, gehen hier von niederschmetternden Zahlen aus!) und zweitens muss bei seiner Produktion extrem sorgfältig vorgegangen werden was leider nicht die Regel, wohl eher die Ausnahme ist! Denn ein unverfälschtes Olivenöl Extra Vergine, und NUR dieser Qualitätsstufe werden ja all die oben gepriesenen positiven Eigenschaften zugeschrieben, ist ein reines, sehr empfindliches Naturprodukt, das nur bei optimal schonender Behandlung alle wertvollen Bestandteile der Oliven in die Flasche transformiert. Ausschließlich solche Olivenöle Extravergine sind diese gesuchte, kostbare, delikate Essenz, die roh verzehrt höchsten Genuss und die heilsamste Wirkung bieten kann, die jedoch, da sie weitaus hitzebeständiger ist als Pflanzenöle mit vorwiegend mehrfach ungesättigten Fettsäuren, problemlos zur Speisenzubereitung erhitzt werden kann.
Wie wird eigentlich ein erstklassiges Olivenöl Extra Vergine gewonnen?
Unterschiedliche Standorte der Olivenölbäume liefern unterschiedliche Geschmacksqualitäten, ähnlich wie beim Wein, so wie sich ja auch die Oliven selbst je nach Sorte in Form, Farbe, Reifezeit, Geschmack und Geruch unterscheiden. Die Ölqualität hängt also von der Olivensorte ebenso ab wie vom Zeitpunkt der Ernte (am besten sind frische, gesunde, grüne oder halbreife Oliven, da eine übermäßige Reife zu Olivenölen mit wenig Frucht und einer ranzigen Note führt) und von der Beschaffenheit des Standortes und der Sorgfalt der Verarbeitung: So kann man hier durchaus, wiederum wie beim Wein, von einem eindeutigen Terroireinfluss sprechen. Die Oliven für Spitzenöle liest man bewusst früh, meist noch vor Weihnachten (oder in nördlicheren und höheren Anbaugebieten wie Ligurien bis Februar), so dass die Oliven noch relativ grün sind. Dies gibt dann dem Öl meist seine typische grünliche Farbe, wobei man jedoch bedenken muss, dass die Farbe eines Öles kein verlässliches Qualitätskriterium ist, sondern durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst oder manipuliert werden kann. Eine viel wichtigere Bedeutung kommt daher dem Faktor Mensch zu, da die Verarbeitung der Oliven entscheidend ist für die Qualität des Olivenöls:
Die heutigen Olivenöle unterscheiden sich oft stärker durch mehr oder weniger große Fehler als durch Herkunfts- und Sortenunterschiede, so das auf den Punkt gebrachte Urteil des toskanischen Olivenölexperten Marco Magelli in MERUM. So sollten im Gegensatz zur gängigen Praxis die Oliven nicht länger als maximal zwei Tage lagern (am besten ist die von Spitzenerzeugern praktizierte Verarbeitung binnen weniger Stunden am Erntetag!), sonst bekommt das Öl einen stichigen Geschmack und verliert infolge von Oxidation der Oliven bereits einen Teil seiner wertvollen Inhaltsstoffe. In einer traditionell arbeitenden Ölmühle mahlt dann eine Steinmühle die Oliven mitsamt den Kernen. Der Fruchtbrei wird anschließend einige Zentimeter dick auf Matten gestrichen. Wenn etwa 20 Matten aufeinander gestapelt sind, wird der weiche Turm in einer hydraulischen Presse zusammengedrückt optimalerweise bei Temperaturen von unter 30° C. (Andreas März: Ein warm gepresstes Extravergine ist kaputt, ungenießbar und hat sämtliche Eigenschaften, die seine geschmacklichen und gesundheitlichen Qualitäten auszeichnen, verloren.) Die ablaufende Flüssigkeit rinnt in eine Zentrifuge, in der sich das Öl vom Wasser trennt. Das Olivenöl muss nun etwa zwei Wochen in einem Stahlbehälter ruhen, damit sich die Trübstoffe absetzen. Danach wird es direkt in Flaschen abgefüllt und als kaltgepresstes Olivenöl Extra Vergine vermarktet.
In den letzten Jahren gewinnt auch immer mehr eine moderne Technik an Bedeutung, die von manchen Experten der traditionellen Olivenölbereitung gar als überlegen angesehen wird: Hierbei werden moderne Zentrifugalpressen aus Edelstahl eingesetzt.
Eine kostbare Spezialität sind so genannte reine Tropföle wie unser ligurisches Spitzenöl Carte Noir von ROI: Diese extrem raren Öle werden vor der eigentlichen Pressung nur durch das Eigengewicht der geschichteten, streng selektierten Oliven gewonnen, also ohne jegliche Pressung im eigentlichen Wortsinne.
Letztendlich bedeutet all dies, dass ein sorgfältig hergestelltes hochwertiges Olivenöl Extra Vergine ein ursprüngliches, reines, unverändertes Naturprodukt ist, dass genau so in die Flasche kommt, wie es in der Natur, sprich der Olive, vorhanden ist, lediglich abgetrennt von den anderen Bestandteilen der Frucht!
Was kennzeichnet überhaupt ein kostbares Olivenöl Extra Vergine oder: Warum hält der Inhalt zumeist nicht, was das Etikett suggeriert?
Um nach der geltenden EU-Gesetzgebung Extra Vergine genannt zu werden, darf ein natives Olivenöl nur mit mechanischen Mitteln gewonnen werden, wie oben beschrieben, ohne jegliche Extraktion etwa mit Hitze und Lösungsmitteln und darf nicht mehr als 1% (also 1g je 100g) freie Fettsäure enthalten. Frei meint dabei, dass dieser Teil Öl oxidiert, also ranzig ist. Damit kann ein Extra Vergine-Öl als zu 99 % nicht ranzig bezeichnet werden. Um eine solch niedrige Ranzidität zu erzielen (Spitzenproduzenten erreichen natürlich Werte von unter 0,2 bis 0,5 %) muss man extrem sorgfältig bei der Lese und Verarbeitung der Oliven vorgehen. Die Oliven müssen gesund und völlig unbeschädigt sein und sie müssen unmittelbar! nach der Lese verarbeitet werden.
Da jedoch der Säuregehalt nur eine sehr beschränkte Aussagekraft bezüglich der sensorischen Qualität eines Olivenöls besitzt, schrieb die europäische Kommission im Jahre 1991 für die Klassifizierung der nativen Olivenöle einen Geschmackstest und eine aufwendige chemische Analyse vor. In diesem Geschmackstest werden die einzelnen Eigenschaften eines Öls von geschulten Degustatoren nach objektiven Kriterien beurteilt, womit Olivenöl das erste Lebensmittelprodukt ist, für dessen Klassifizierung die Verkostung durch eine Expertengruppe ausschlaggebend ist. Leider wurde in den darauf folgenden Jahren der Qualitätsstandard auf Druck der internationalen Öllobby und der Ölmultis komplett verwässert, so dass mittlerweile ungenießbare Öle als Extravergine verkauft werden, die keine sind, urteilen drastisch italienische Olivenölexperten (zitiert nach MERUM).
Warum wurde das vormalige Qualitätsmerkmal Extra Vergine derart mutwillig zerstört, dass die Bezeichnung heute quasi wertlos geworden ist und keinerlei Garantie mehr für hohe geschmackliche Qualität bietet? Warum kann heute Olivenöl Extra Vergine von ehrlichen und kompetenten Verkostern wunderbar schmecken und einfachste Speisen wie frisches Weißbrot oder Gemüse in ein Festmahl verwandeln, andererseits aber so unangenehm riechen, dass sich der wahre Feinschmecker mit Grausen abwendet? Warum muss der Kunde heute ratlos schlucken, dass ihm unter dem Etikett Extra Vergine, per definitionem der höchsten Güteklasse, Olivenöle in einer ungeheuren Spannbreite von minderer bis exzellenter Qualität angeboten werden? Weil sonst die gesamte Großproduktion vom Markt fliegen würde, meint dazu lakonisch Öltester Luciano Scarselli (zitiert nach MERUM). Dank diesem Einebnen der Qualitätskriterien für Extra Vergine gelingt es der Industrie, große Mengen minderwertigen Olivenöls zu vermarkten. Der Preis dafür ist jedoch, dass die ehemals prestigereiche Qualifizierung Extra Vergine heute nichts mehr wert ist und die wirklich hochwertigen, wahren Extra Vergine dadurch massiv benachteiligt werden, urteilt zornig Andreas März, Chefredakteur von MERUM. Wäre das Originalgesetz von 1991 heute noch in Kraft, müsste der überwiegende Teil der Markenöle auf das Attribut Extra Vergine verzichten!
Und als Ergebnis einer gemeinsamen Verkostung im Sommer 2004 von STERN, ZDF und Slow Food Deutschland bleibt das beschämende Fazit: Ein haarsträubendes Resultat. Keine 5 oder 10 % des im Mittelmeerraumes erzeugten Olivenöls erfüllen die gesetzlichen Extra Vergine-Bestimmungen. (MERUM 3/04)
Natürlich spielt bei dieser ebenso traurigen wie skandalösen Entwicklung auch die Schnäppchenmentalität vieler unkritischer Verbraucher eine nicht unwesentliche Rolle. Wahre Qualität kann es weder beim Olivenöl noch beim Wein zum Discountpreis geben! Aber industrielle Abfüller zahlen für ihre so genannten Extra Vergine Cuvées höchstens zwei oder drei Euro pro Liter, wobei man wissen muss, dass allein die Produktionskosten für ein Spitzenöl in Italien oder Frankreich in der Regel acht bis zehn Euro betragen und somit ein hochwertiges Olivenöl Extra Vergine aus diesen Ländern unmöglich weniger als 20 Euro pro Liter kosten kann. Natürlich kann man nicht schlussfolgern, dass man für viel Geld immer ein gutes Olivenöl erwirbt, dazu sind viel zu viele Fälschungen auf dem Markt, doch ein authentisches erstklassiges Öl hat seinen verdienten Preis und dieser hat nichts mit frecher Geldmacherei von unseriösen Produzenten zu tun.
Zu welchen Resultaten der Irrglaube vieler unkundiger Konsumenten führt, beste Qualitäten, die Ihnen die vermeintlich hochwertige Klassifikation Extra Vergine suggeriert, zu Spottpreisen erwerben zu können, machte wiederum MERUM deutlich (Ausgabe Dezember 02). Chefredakteur Andreas März behauptete, und untermauerte seine Thesen mit besten Argumenten, dass es sich bei dem Testsieger des Discounters Lidl aus dem Oktoberheft 02 der STIFTUNG WARENTEST (ein Olivenöl angeblich Extra Virgine), damals für 1,99 Euro zu erwerben, laut Nachuntersuchungen zweier renommierter italienischer Institute nicht einmal um zweitklassige (somit immerhin verkehrsfähige Vergine-Ware) handelt, sondern um Olivenöl für die Raffinerie, das nach geltendem Recht nicht an den Endverbraucher abgegeben werden dürfte. So scheint auch die sonst so seriös wirkende STIFTUNG WARENTEST in diesem Fall einen mehr als ärgerlichen, tendenziösen Testbericht mit großem Tiefgangdefizit herausgegeben zu haben. Andreas März beurteilte die sensorischen Qualitäten des Siegeröls folgendermaßen: Das Öl schmeckte verdorben und stank zum Himmel, die damit verfeinerte Kürbissuppe war ungenießbar geworden und musste entsorgt werden, das Testsiegeröl ist eine Beleidigung für jeden Gaumen mit mittlerem Selbstwertgefühl, eine Bedrohung zudem für jedes liebevoll zubereitete Gericht, mit einem unangenehmen Geruch und einem widerlichen Geschmack. Kann es ein vernichtenderes Urteil geben?
Solche Ungeheuerlichkeiten werden leicht nachvollziehbar, wenn man weiß, dass dieser Etikettenbetrug extreme Gewinnspannen mit sich bringt. Gegen Betrügereien mit angeblich hochwertigem Olivenöl gibt es nur ein Mittel: Der kundige Liebhaber wertvoller Olivenöle lässt von solch unseriösen Lockangeboten die Finger, denn kein seriöser Produzent kann zu lächerlich geringen Preisen, die an sich schon verdächtig sein müssen, ein hochwertiges Öl herstellen, schon gar nicht in den riesigen Mengen, wie sie für den Verkauf in Supermärkten benötigt werden. Der Traum von der Spitzenqualität zum niedrigst möglichen Schnäppchenpreis zerplatzt in der harten Realität wie eine Seifenblase (Österreichs Glykolskandal Mitte der 80er Jahre mit den angeblichen Beerenauslesen für nen Apfel und ein Ei sowie der letztjährige Gammelfleischskandal sprechen beredte Bände). Olivenöleinkauf ist Vertrauenssache. Verlässliche Qualität, die der Gesundheit wirklich zuträglich ist und das Feinschmeckerherz höher schlagen lässt, garantieren nur kleine, traditionell arbeitenden Ölmühlen mit relativ geringen Kapazitäten und einem großen handwerklichen Ethos.
Woran und wie erkennt der Konsument nun ein hochwertiges Olivenöl?
Will man die Qualität eines Olivenöls beurteilen, nehmen viele Liebhaber ein Stück Weißbrot (noch besser, aber nicht immer verfügbar, ist eine lauwarme Pellkartoffel): Beim Kauen des in Öl getunkten Brotes erschließt sich dem Gaumen die geschmackliche Qualität des Olivenöls am unmittelbarsten. Ein erstklassiges Olio di Oliva Extra Vergine ist ungefiltert und zeichnet sich in seiner Jugend durch eine extreme Frische aus, sollte eher dünnflüssig und von gold-grüner Farbe sein. Und ganz wichtig: es muss leuchten und schon vom reinen Augenschein her verführen! Der Duft ist geprägt von einer frischen, vollen Olivenfrucht mit sehr unterschiedlichen Noten (je nach Sorte und Standort) von frisch geschnittenem Gras, Artischocken und grünen Tomaten bei frühen Ernten bis hin zu Haselnüssen und Bittermandeln bei späteren Ernten. Am Gaumen zeigen sich eine außerordentliche Fülle und Cremigkeit sowie vielschichtige, reine, wiederum absolut frische, nussige sowie grüne Aromen. Weiter hinten am Gaumen entdeckt man dann Anklänge von Heu, bisweilen aromatische Kräuter und häufig eine feine, zartbittere, pikante Schärfe (Phenole!), die zum Abschluss in einen langen Nachgeschmack übergeht. Andreas März hat im aktuellen MERUM 6/05 in einem Streitgespräch (Beim Thema Olivenöl dominiert in den Publikationen ätzendes Halbwissen, so dass selbst der größte Schwachsinn unwidersprochen bleibt) mit einem Wissenschaftler dezidiert erläutert, inwieweit ein leichtes Kratzen im Hals ein Qualitätskriterium FÜR hochwertiges, unverfälschtes Olivenöl darstellt. Dagegen zeichnen sich industrielle Öle dadurch aus, dass sie entweder erbärmlich stinken oder dass Ihnen fast alle obigen geschmacklichen Merkmale fehlen, sie schmecken und riechen quasi nach überhaupt nichts. Und was nach nichts schmeckt, ist auch nichts wert.
Bei Schärfe und Bitterkeit kommt es natürlich darauf an, ob diese Komponenten harmonisch in das Geschmacksbild integriert sind. Die Bitterkeit, die auch in den Augen vieler Liebhaber ein gutes Olivenöl auszeichnet, kann gefallen, ist aber nicht für alle Speisen gleich geeignet (Wir beraten Sie in dieser Frage gerne). Auch an der Schärfe scheiden sich naturgemäß die geschmacklichen Geister und es gibt hierbei sehr viele Abstufungen. Es empfiehlt sich daher auch immer, mehrere Olivenöle gleichzeitig in der Küche zu verwenden, da unterschiedliche Terroireinflüsse und Olivenölsorten sehr eigene, charaktervolle Öle ergeben können, die ganz individuell zu unterschiedlichen Speisen verwendet werden können.
Fazit: Zwischen einem einfachen Tafelwein und einem großen Pinot Noir, Syrah oder Riesling liegen Welten und jeder Weinfreund weiß den Unterschied zu erkennen. Bisweilen noch größer ist jedoch der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen Olivenöl und einem Extra Vergine der Spitzenklasse. Obwohl für die meisten Olivenölkäufer leider immer noch Olivenöl gleich Olivenöl ist, sagt das Etikett Extra Vergine meist nichts über die Qualität aus. Der einzig verlässliche Faktor ist der Name des handwerklich arbeitenden seriösen Produzenten. Und genau diese qualitativ hochwertigen, jungen und frischen Olivenöle, die Genuss und Gesundheit pur bieten, haben wir für sie eingekauft, ausschließlich bei kleinen, handwerklich arbeitenden Herstellern. Der grandiose Testerfolg in der großen FEINSCHMECKER-Degustation ist uns Bestätigung und Anspruch zugleich. Probieren und genießen Sie wirklich gutes Olivenöl ist ein Geschenk der Götter!
Zwei Tipps noch zum Abschluss: Olivenöl sollte man unbedingt dunkel lagern und kühl. Unter 10°C wird es zwar fest und es fallen Stoffe aus; das ist aber nicht weiter schlimm, denn bei Erwärmung über 10°C wird dieser Prozess wieder rückgängig gemacht. Und Hände weg von allen Ölen, die sich schlicht Olio dOliva, Huile dOlive oder Olivenöl nennen. Der Name suggeriert zwar, es handele sich um Öl aus Oliven, aber das stimmt so nicht. Derartiges Olivenöl wird durch Raffinieren aus nicht für den menschlichen Verzehr zugelassenem Lampantöl gewonnen. Welche Irreführung des Verbrauchers!
Herzliche Grüße aus Saarwellingen,
Tino Seiwert
