Deutschland

Vom „Wunder von Bern 1954“ zum „Wunder im Weinberg 2016!“ (SWR)

„Sechs Minuten noch im Wankdorfstadion in Bern - keiner wankt....Eine Fußballweltmeisterschaft ist nur alle 4 Jahre. Und wann sieht man ein solches Endspiel? Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn, hat den Ball - verloren diesmal, an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball - abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt... Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!... Drei zu zwei führt Deutschland fünf Minuten vor dem Spielende. Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt. Ich glaube, auch Fußball-Laien sollten ein Herz haben und sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mitfreuen und sollten jetzt Daumen halten....Die ganze deutsche Mannschaft setzt sich ein - mit letzter Kraft, mit letzter Konzentration. Ottmar Walter fällt hin. Boszik an zwei Deutschen vorbei - jetzt haben die Ungarn eine Chance - spielen ab zum rechten Flügel - Czibor - jetzt ein Schuss! Gehalten von Toni! Gehalten! Die Ungarn erhalten einen Einwurf zugesprochen. Der ist ausgeführt - kommt zu Boszik - aus! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister. Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern."

Und dann verschlägt es dem Rundfunkreporter (Fernseher gab es damals quasi noch keine) die Stimme und er schweigt und schluchzt – überwältigt von seinen Gefühlen. Gänsehaut pur! Die hochemotionalen Worte Herbert Zimmermanns machten ihn im Nachhinein selbst zum Mythos. Viele fußballbegeisterte Jungs in meinem Alter, mich eingeschlossen, konnten die ganze Reportage von Schallplattenaufnahmen her auswendig. Wir konnten sogar jeden Satz in seiner tonalen Melodie wiedergeben! Jüngere unter Ihnen kennen diese Live-Reportage vielleicht von Sönke Wortmanns grandiosem Film aus dem Jahre 2004. Doch warum diese überwältigenden Emotionen Zimmermanns, die man in der knisternden Form sonst nur von brasilianischen oder argentinischen Sportreportern kennt?

Weil es ein besonderes Momentum war! Deutschland lag nach den 12 schlimmsten Jahren seiner Geschichte 1954 immer noch moralisch und wirtschaftlich am Boden. Zudem war unsere Walter-Mannschaft (benannt nach dem Bruderpaar Ottmar und Fritz Walter, dem legendären Regisseur von Kaiserslautern, einer Stadt bzw. einem Verein, die 5 dort gebürtige Finalteilnehmer stellte, etwas nie zuvor Dagewesenes und wahrscheinlich nie mehr Wiederholbares!) als krasser Außenseiter zur WM in die Schweiz gefahren. Und dann verlor sie in der Vorrunde gegen den haushohen Turnierfavoriten, die Ungarn, die in den 50er Jahren das Maß aller Dinge im Welt-Fußball waren, sozusagen die Brasilianer ihrer Zeit, mit 3:8. Ungarns Spielmacher und späterer Real Madrid-Spieler Ferenc Puskás war so berühmt, wie es heute Messi oder Ronaldo sind und bot dabei ein spektakuläres Spiel. Und Deutschland trauerte! Was damals kaum einer wusste: Sepp Herberger, der deutsche Trainer-Fuchs, hatte eine B-Elf aufgestellt, um die Gegner über die wahre Stärke der eigenen Mannschaft im Unklaren zu lassen. So weit, so gut. Doch im Finale, beim nächsten und entscheidenden Aufeinandertreffen der WM, führte Ungarn nach wenigen Minuten schon wieder 2:0. Alles schien den prognostizierten Gang zu gehen. Kaum noch Hoffnung für Deutschland.

Doch dann schlug das Spiel um. Es war Fritz-Walter-Wetter. (Fußball-Insider wissen, wovon ich spreche!) Deutschland wurde immer stärker, erzielte den Anschluss- und den Ausgleichstreffer. Und dann begannen die vielleicht emotionalsten 6 Minuten einer Sportreportage. Deutschland gewann und eine ganze Nation konnte sich nach Jahren der Depression wieder so richtig freuen. Ein Ruck ging durch das Land und brachte Hoffnung, Zuversicht und Stolz zurück! Warum erzählen wir Ihnen hier von diesem Mythos um den Erfolg der deutschen Elf? Nun, im Juni 2016 sah es in den deutschen Weinbergen und Winzerherzen im übertragenen Sinn so aus, wie 1954 bei den Fans nach der Vorrunden-Klatsche gegen die Ungarn. Frost, Regen und falscher Mehltau hatten den Reben hart zugesetzt. Jetzt waren die Winzer gefordert: Kämpfen, schuften, sich plagen, sich schütteln und weitermachen: Extreme Arbeit in den Weinbergen musste geleistet werden.

Und dann schlug das Wetter komplett um.
Ein traumhafter August und ein September, der ein warmer Sommermonat war (ich glaube, der wärmste seit es Wetteraufzeichnungen gibt), veränderten alles! Und die Krone setzten allem der Oktober und Anfang November auf, die mit kühlen Nachttemperaturen die Komplexität der Aromen extremst förderten.


Bei meinen Besuchen und Erntetagen in den deutschen Weinanbauregionen blickte ich dann auch ab Ende September in glückliche Gesichter und spürte förmlich die Erleichterung unserer Winzer, die sich ausdrückte in Worten wie: „Nur ein Wunder hat uns geholfen“, „Da hat der liebe Herrgott seine Hand über uns gehalten“ oder in Erinnerung an das legendäre WM-Finale 1954: „So ungefähr muss das Wunder von Bern gewesen sein“. Fast ungläubiges Staunen darüber, dass, nach den Malaisen des Frühjahrs, im Spätsommer und Herbst 2016 ein Jahrgang entstanden ist, der bei den Winzern, die in den schwierigen Monaten schufteten wie verrückt, Weine hervorgebracht hat, die im trockenen Bereich in die Annalen eingehen werden als ganz außergewöhnlich groß!

In 2016 sorgte das Sommermärchen im Herbst in Form eines Altweibersommers wie aus dem Bilderbuch und eines goldenen Oktobers dafür, dass die Qualität der Trauben am Stock förmlich explodierte. Die Gesichter der Winzer strahlten, als die Lese Anfang November zu Ende ging!

Und so, wie die deutsche Mannschaft nach dem 3:8 in der Vorrunde von ihren Kritikern zerrissen worden war und danach euphorisch gefeiert wurde, drehte sich nach diesem Bilderbuchherbst die Stimmung dem Jahrgang 2016 gegenüber. Abgerechnet wird halt immer zum Schluss („Ein Spiel dauert 90 Minuten“ oder mehr ☺, so der legendäre Herberger), im Fußball wie im Weinberg. Die Presse urteilte daher auch alsbald: „Jahrhundertjahrgang?“ (Sam Hofschuster) bzw. „2016: Das Wunder im Weinberg“.

Und in der Tat. Bei den deutschen Spitzenwinzern kommt ein ganz aufregender Jahrgang auf uns zu. Qualitativ eine geniale Phalanx trockener, extraktreicher Spitzenrieslinge aus kerngesunden Trauben und Burgunder (rot wie weiß), auf die ich mich schon während der gesamten Gärung gefreut habe wie ein kleines Kind. Sie liebe Kunden, sind wohl genauso begeistert wie wir selbst, denn noch nie in unserer Geschichte hat Pinard de Picard so rasend schnell die ersten Basisweine verkauft wie in diesem Frühjahr! Binnen weniger Wochen sind Weine ausverkauft, die wir normalerweise mehrere Monate lang anbieten können. Diese LeckerSchmecker verdunsten im Glas wie Regentropfen in der Wüste – das sind Spaßmacher allererster Güte, betörende Weine, die man einfach lieb haben muss.
Pinard de Picard GmbH & Co. KG
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