Aus der Region Mosel-Saar-Ruwer:
Vom Tanze der göttlichen Primaballerina
Manchmal ist der Weg zu den Schätzen seiner Heimat ein Umweg durch die ganze Welt!

Weingut Joh. Jos. Prüm
Auf der einen Seite die raue Eifel, auf der anderen der waldreiche Hunsrück. Dazwischen ein tief eingeschnittenes, traumhaft schönes Tal und der sich in den typischen Moselschleifen schlängelnde Fluss, an dessen Ufer die Schiefer-Steilhänge mit ihren extrem steinigen Weinbergsböden majestätisch sich erheben. Hier wachsen die größten frucht- und edelsüßen Rieslinge der Welt, die der Mosel bereits im 19. Jahrhundert zu universellem Ruhm verholfen haben und an deren einstige Größe in einem atemberaubenden Aufschwung eine neue Winzergeneration heute wieder anknüpft. Doch ein Weingut – unübersehbar als stolzes herrschaftliches Haus am Ufer der Moselpromenade in Stein gehauen – hat unüberschmeckbar mit seinen fabelhaften Rieslingen, die weltweit als INKARNATION FILIGRANEN MOSELANISCHEN SPIELS UND SCHWEBENDER LEICHTIGKEIT hymnisch gefeiert werden, über all die Jahrzehnte Kurs gehalten, stand wie ein Fels in der Brandung auch in jenen Zeiten, als der deutsche Wein infolge Verlustes seiner traditionellen Handelsbeziehungen nach beiden Weltkriegen sowie wegen schlimmer hausgemachter Fehler in den 60er und 70er Jahren tief in die Krise schlitterte. Törichte Moden in der Weinbereitung kamen und gingen: Der einzigartige traditionelle Stil der legendären J.J. Prümschen Weine hat alle Turbulenzen der Zeitenläufe überdauert!

Blick auf das Moseltal von der „Wehlener Sonnenuhr”
Kein Erzeuger an der ganzen Mosel ist so lange dem ureigenen Weintypus treu geblieben wie Dr. Manfred Prüm, der 1969 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Sebastian Prüm-Erz die Führung des bereits 1911 gegründeten Weingutes Joh. Jos. Prüm in Wehlen übernahm. Liebevoll (aber respektvoll natürlich nur hinter vorgehaltener Hand!) in der ganzen Welt „J.J.” (sprich Jay, Jay) gerufen, baute er auf den vom Vater gelegten Fundamenten auf, was zu einer konstanten stilistischen Handschrift von 1921 bis heute führte: Den Inbegriff des transparent duftigen, spielerisch-tänzelnden, ungemein filigranen J.J. Prüm-Stils! Niemand in der ganzen Welt vermag ein zweites Mal Rieslinge zu vinifizieren, die von einem derartig betörenden Spiel und einer solch grazilen Leichtigkeit getragen werden. J.J.s emotional berührende Weinunikate verkörpern mit ihrer singulären, schwebenden, transparenten Duftigkeit und ihrem tänzerischen Spiel auf der Zunge eine unvergleichliche Leichtigkeit des Seins. Wenn ich diese Weine in ihrer Finesse und Filigranität mit irgend einem anderen Wein auf der ganzen Welt vergleichen möchte, dann nur mit den „roten Rieslingen” von Frédéric Mugnier: Der Magier aus dem Burgund zaubert aus der weltberühmten Lage Musigny Pinot Noir hervor, die mit der gleichen Präzision und Leichtigkeit becircen wie die Pretiosen von J.J. Prüm! (Die größten stilistischen Ähnlichkeiten an der Mosel finden wir nach meiner Ansicht am ehesten bei Willi Schaefer, dessen betörende Rieslinge, die wir heute ebenfalls präsentieren, jedoch ein wenig mehr von der messerscharfen Präzision und abgrundtiefen, „kühlen” Mineralität getragen werden als vom einzigartigen Spiel und der Leichtigkeit der J.J. Prümschen Rieslinge.) Vielleicht kann ein Bild, werte Kunden, die singuläre Prümsche Stilistik verdeutlichen helfen: Als Anerkennung für höchste tänzerische Kunst führte man im russischen Zarenreich Ende des 19. Jahrhunderts den Begriff der Prima Ballerina Assoluta ein, eine Ehrenbezeichnung, die an die größte Tänzerin ihrer Zeit vergeben wurde. Niemand hätte mehr als Anna Pawlowa, die als sterbender Schwan unsterblichen Ruhm erwarb, diesen Titel verdient gehabt, denn sie tanzte nicht bloß: Sie schien vielmehr elfengleich über das Parkett zu schweben. Und genau diese unendliche Leichtigkeit entfalten die J.J. Prümschen Rieslinge, wenn sie ätherisch duftend die Nase betören und mit ihrer unvergleichlichen Verspieltheit über die Zunge tänzeln! Die Zeit steht still und die Schwerkraft scheint nicht mehr zu existieren.
Was manche Weinfreunde an den J.J. Prümschen Rieslingen in deren Jugend als eigenwillig empfinden, ist eine von der Gärung mit wilden Hefen herrührende Note, die im Übrigen viele spontan vergorene Weine in ihrer Jugend aufweisen, die sie aber, wenn sie auf die Flasche kommen, zumeist schon verloren haben. Weil beim sanften Weinausbaustil der Prüms allerdings die Entwicklung der „Babyweine” zugunsten Ihrer Lagerfähigkeit abgebremst wird, bleiben diese Töne hier wesentlich länger präsent und brauchen auch nach der Abfüllung oft viele Monate, bisweilen ein bis zwei Jahre der Lagerung, bis sie verschwinden. In dieser frühen Entwicklungsphase benötigen die Weine einfach ungeheuer viel Luft, um sich zu entfalten. Dieser ureigene J.J. Prümsche Stil führt aber in der Konsequenz zu gigantisch langlebigen Weinen. Bisweilen schmecken noch 20 Jahre junge Kabinette oder Spätlesen wie ein sprudelnder, kristallklarer Gebirgsquellbach!

Majestätisch thront die Steillage „Graacher Himmelreich” über der blauen Mosel
Dr. Manfred Prüm ist zusammen wohl mit Helmut Dönnhoff von der Nahe und Egon Müller von der Saar DER Grandseigneur des deutschen Weins und gehört wie diese zu den größten Winzern der Welt. Gebildet, weltmännisch, klug, ein promovierter Jurist, der mit einem photographischen Gedächtnis ausgestattet ist! Es gibt Menschen, die auch mir eine gewisse Wortgewalt nachsagen, doch wenn ich das Glück und die Ehre habe, bei einer Verkostung neben J.J. sitzen zu dürfen, kann es vorkommen, dass ich eine halbe Stunde schweige – zuhöre und genieße. Es ist schier unglaublich, wie die Erinnerungen aus einer der lebenden Legenden des deutschen Weinbaus nur so sprudeln: Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk spult er die spezifischen Witterungsverläufe fast jeden Jahrgangs aus einer geradezu einzigartigen Winzerkarriere ab und kann unendlich viel über die Reifephasen seiner Pretiosen erzählen. Und J.J. hat sein Erbe bestens bestellt. Seine älteste Tochter Katharina, gerade einmal 28 Lenze zählend, ist dabei, allmählich die Führung des Weingutes von ihrem Vater zu übernehmen. Sie ist sehr intelligent, gebildet und (ein Mann meines Alters darf dies ohne Hintergedanken sagen) ungemein attraktiv. Nach dem Umweg über ein Jura-Studium incl. Promotion (auch hier fällt der Apfel nicht weit vom Stamm) weitab der Heimat im fernen Münster („Das Tal der Mosel war mir in jungen Jahren einfach zu eng geworden”) und Praktika in den Vereinigten Staaten ist sie nach Wehlen zurückgekehrt. Auch sie wird den über Jahrzehnte von Liebhabern in aller Welt gerühmten Stil der Weine nicht verändern. Warum sollte sie auch. Auf dem Weingut Prüm ist das Beibehalten der lebendigen Tradition nicht Bewahren der Asche, sondern immerwährendes Zündeln des lodernden Feuers.
Zur Charakteristik der legendären Prümschen Lagen:
„SPIEL mir das Lied vom Riesling”, fällt mir in Anlehnung an einen berühmten Filmtitel meiner Jugend ein, wenn ich diese feinsten Pretiosen im Glase habe! Schichten um Schichten sich entfaltende Eleganz, feinste Frucht und eine traumhafte Mineralität verbinden sich bei diesen Pretiosen aus den weltberühmten Lagen mit einer lebendigen, rassigen Säure und einer unvergleichlichen LEICHTIGKEIT. Das kaleidoskopartige Aromenspektrum, das von Rosen über Aprikosen, Pfirsich, tropischen Früchten und weißen Blüten und in ganz großen Jahren wie 2004/5/6/7 – welch himmlische Jahrgangsquadrologie – nach mehrtägiger Öffnung hin zu schwarzen Johannisbeeren changiert, ist dabei stetigen Veränderungen unterworfen: Handwerklich, in größter Achtung vor der Natur vinifizierte Rieslinge sind lebende Geschöpfe und somit das genaue Gegenteil eines in industrieller Massenproduktion gefertigten, immer gleich schmeckenden „Coca-Cola”-Produkts!

Das grandiose Schieferterroir der Wehlener Sonnenuhr nach dem Rebschnitt im Winter
Doch ich möchte auch eine Warnung aussprechen: Die singuläre Verspieltheit und Leichtigkeit der grandiosen Rieslinge von J.J. Prüm werden vielleicht Liebhabern körperbetonter, fülliger Weine nicht die reinste Freude schenken. Zumindest anfangs nicht. Aber die Versuchung zum Konvertieren beim Genuss dieser einzigartigen Weine scheint mir nicht unerheblich zu sein. Denn diese individuellen Weinpersönlichkeiten sind zweifellos die Quintessenz des Rieslings, eine Hommage an die größte Weißweinrebe der Welt, unglaublich komplex, fein und wundervoll seidig, von großer Tiefe und Eleganz. Flüssige Träume vom gleißenden Schiefer in einer Dimension, die man geschmeckt haben muss, da sie sich letztendlich in ihrer Komplexität jeder Beschreibung entziehen! Und dies ist in der Tat eine Liebeserklärung!
