Aus der Region Trentino-Südtirol:
Drachenblut zu Wein veredelt!
Elisabetta Foradori wird von Weinliebhabern wie -kritikern gleichermaßen als ungekrönte Königin des Teroldego gefeiert!

Die ungekrönte Königin des Teroldego - Elisabetta Foradori
Schon früh musste die aparte Dame voll einsteigen. Als ihr Vater starb, war sie noch ein Kind. Die Mutter hielt den Betrieb über Wasser, bis Elisabetta die Schulbank mit dem Weingarten tauschte. Und während allerorts in Italien die große Cabernet-Welle Einzug hielt, setzte sie auf eine regionale Rebsorte: den Teroldego: „Ich hatte immer davon gehört, dass unsere heimische Rebe früher ein viel gepriesener Wein war, der speziell am Kaiserhof in Wien gerne getrunken wurde, mit dem Körper und der Kraft und mit zunehmender Reife auch dem Duft und Geschmack eines großen Bordeaux”, erklärt sie und wunderte sich, dass allerorts nur mehr hellrote, leichte Fruchtbomben daraus gekeltert wurden.

Also begann sie mit dem Teroldego zu experimentieren, suchte Aufzeichnungen in kirchlichen und städtischen Bibliotheken, wie denn zu den Glanzzeiten dieser autochthonen Rebe in Weinberg und Keller mit ihr gearbeitet wurde, entdeckte das verloren gegangene Wissen der alten Generationen neu („Wissen macht Wein”) und verfeinerte zunächst einmal die Erziehungsform: In Zusammenarbeit mit der Universität Mailand begann sie, die besten Weinberge ihrer Heimat mit alten Klonen neu zu kultivieren und während im gesamten Trentino die übliche Pergola-Erziehung kultiviert wurde (Ein altes System, das in südlichen Gebieten noch häufig angewendet wird: Die Reben werden dabei auf Spalieren und Drähten zur schattigen Überdachung hochgezogen), beginnen hinter ihrem Haus die Rebzeilen in Guyot-Erziehung (Die Reben ranken bei diesem System an horizontal gespannten Drähten senkrecht empor), was eine größere Stockdichte und vor allem eine bessere Ertragsbegrenzung erlaubt. Nur wenige Trauben hängen hier am Stock, und das Ergebnis zeigt sich in Elisabettas famosen Weinen! Mineralisch, dicht und trotzdem feingliedrig und elegant, mit einem Aromenspektrum, wie in einem orientalischen Basar, feiner Frucht und Würze, sowie einem animierenden Frucht-Säure-Spiel, so präsentieren sich ihre besten Weine, die den Namen „Granato” tragen und nur in guten Jahren erzeugt werden.

Das Trentino kennen die meisten Italienurlauber nur als Transitreisende vom „Durchrasen” am Weg vom Brenner zum Gardasee. Oder von den großen Winzergenossenschaften, die den Weinbau hier dominieren. Doch es lohnt sich sehr, wie so manches Mal im Leben, vom direkten Wege einmal abzubiegen. Denn hier zwischen den Orten Mezzolombardo, Mezzocorona und Lavis hat der Noce, ein Nebenfluss der Etsch, in Tausenden von Jahren ein einzigartiges Tal in den Bergkessel gegraben. Steine und Geröll aus den umliegenden steilen Bergmassiven des Ortler, Brenta und Persanella hat er hier abgelagert, ein Gemisch aus Kalkstein, Porphyr, Granit und Gneis. Welch ideale Unterlage für den Weinbau! Einzigartig auch das Mikroklima. Im Sommer kann es hier tagsüber sehr heiß werden, denn von den über tausend Meter hohen Bergen rundum reflektiert die Sonne. In den Nächten fließt aber wieder die kühle Luft ins Tal. Ideale Voraussetzungen für kraftvolle, aber auch sinnlich duftige, ungemein komplexe Weine. Die Einheimischen nannten den Teroldego früher übrigens „Sangue di Drago”. Der Legende nach soll es hier in den Felshöhlen des Monte di Mezzocorona einen feuerbrünstigen Drachen gegeben haben, der das ganze Gebiet terrorisierte. Ein mutiger Ritter habe sich dann mit einem großen Spiegel auf die Lauer gelegt und den durch seinen eigenen Anblick völlig verdutzten Drachen mit seinem Speer getötet. Im Festzug wurde der Drache danach durch das ganze Tal getragen, um zu zeigen, dass die Plage endlich ein Ende habe. Dabei tropfte etwas Drachenblut auf die Felder, auf denen schon in den nächsten Tagen die ersten Weinreben mit Teroldego sprossen. Soweit die Mär.
In Wahrheit dürfte der Teroldego vor zwei bis drei Jahrhunderten im nördlichen Trentino heimisch geworden sein. Die Herkunft ist bis heute noch nicht definitiv geklärt, es wurde aber eine Verwandtschaft zu Lagrein, Syrah und Barbera genetisch nachgewiesen. Wie dem auch immer sei, Fakt ist jedenfalls, dass Elisabetta Foradori den Teroldego zu neuer Blüte geführt hat. Der Top-Wein „Granato”, wird aus über 20 Jahre alten Reben selektioniert, in großen Holzgärständern vergoren und zum Großteil 18 Monate in neuen und gebrauchten Barriques gereift. Die einzelnen Lagen werden separat gelesen und ausgebaut und erst am Ende der Reife miteinander vermählt. Wie so oft in der Geschichte großer Weine, wurde die grandiose Qualität des Granato anfangs von den Weinprüfern, die bis dato nur die leichten Fruchtbomben gewohnt waren, nicht verstanden und musste daher als „Vino da Tavola” verkauft werden. Erst 1997 durfte er als DOC Teroldego Rotaliano bezeichnet werden. Da Elisabetta Foradori die Qualitätsbestrebungen der DOC aber bei weitem nicht streng genug waren, bezeichnet sie den Wein seit 2000 als I.G.T. Vigneti delle Dolomiti Rosso. Was durchaus passt, meint man doch in der abgrundtiefen Mineralität dieses mittlerweile als Klassiker gefeierten Teroldego (wie schnell sich doch bisweilen die Zeiten ändern!) tatsächlich die nahen Dolomiten zu erahnen. Elisabetta empfiehlt, dem Granato mindestens sieben bis zehn Jahre Zeit zu lassen, bis man ihn genießt, erst dann entfalte sich die volle Aromenfülle. Und das Alterungspotential ist geradezu legendär: Er kann sich wegen seiner frischen Säure über 20 und mehr Jahre großartig entwickeln!
In den ersten fünf Jahren jedoch können Sie, werte Kunden, mit höchstem Genuss den „Foradori”, quasi den kleinen Bruder des Granato, trinken. Ebenfalls aus 100% Teroldego wird der Foradori im Edelstahl vergoren und dann 12 Monate in Barriques gereift. Das ergibt einen wunderbar dichten, schwarzbeerigen, authentischen Wein mit feiner Struktur und knackigem Spiel, der schon nach ein, zwei Jahren Flaschenreife sinnlichen Trinkspaß bereitet, sich 5-10 weitere Jahre wunderbar entwickelt und ideal mit kraftvollen Fleischgerichten und Wild harmoniert. Elisabetta Foradoris einzigartige, mittlerweile in Biodynamie erzeugte Teroldegos zählen zweifellos zu den großen Wein-Persönlichkeiten der Welt! Diese lange malträtierte, uralte autochthone Rebsorte gebiert unter den einfühlsamen Händen einer schönen Frau einen der großen charaktervollen Rotweine Italiens. Unbedingt probieren!
