Aus der Region Piemont:
Der begnadete Traditionalist Bruno Giacosa, der „Klassiker der Klassiker”, die Legende des Piemont, vinifiziert traditionelle Baroli und Barbaresci von Weltruf!
In der sanft gewellten Hügellandschaft der Langhe im Piemont, dem „Land am Fuße der Berge”, dieser mit ihrem herben Charme und ihren kulinarischen Köstlichkeiten verzaubernden Provinz im Nordwesten Italiens, wird zwar seit Menschengedenken Wein angebaut, aber zu wahrem Ruhm hat der Region erst die Nebbiolo-Rebe verholfen, aus deren Trauben die bei Kennern in aller Welt begehrten, ungemein komplexen und extrem langlebigen Barolo- und Barbarescoweine erzeugt werden. Aber auch in dieser so reizvollen Landschaft entstehen die raren Spitzenweine nur dann, wenn unter günstigen klimatischen Bedingungen geerntete, kerngesunde Trauben aus den bevorzugten kargen, relativ steilen Lagen von wirklich großen Weinerzeugern und Winzerpersönlichkeiten verarbeitet werden. Und viele Liebhaber sehen in den betörenden Baroli und Barbaresci des begnadeten Traditionalisten Bruno Giacosa, des „Klassikers der Klassiker” (so Horst Dohm, Flaschenpost aus Piemont), nicht nur die besten Weine des Piemont, sondern zählen sie zu den größten Gewächsen der gesamten Weinwelt.
Diese Einschätzung teile auch ich schon seit langer Zeit; deshalb reifen in meinem privaten Keller seit Jahrzehnten aus allen bedeutenden Jahren exzellente Weine Giacosas, dieser Inkarnation piemontesischer Weinkultur, ihrem Höhepunkt entgegen. Und niemals werde ich jenen lauen Herbstabend vergessen, als in einer kleinen Enoteca in Rom die Flasche eines auf den Punkt gereiften, majestätischen 78 Barolo Riserva des legendären Meisters der Nebbiolotraube Herz und Sinne auf das angenehmste temperierten und betörten: Nur wenige Weine der Welt konnten mir bisher so viel hedonistisches Vergnügen bereiten wie dieser berührende Weltklassewein. Diese mythische Rarität mit dem weltberühmten „Red Label” scheint geradezu wie eine Liebkosung der bacchantischen Seele!
Was ist aber nun das Besondere an den unverwechselbaren Weinen des „großen Schweigers”, wie Bruno Giacosa aufgrund seiner Wortkargheit, seiner Nachdenklichkeit, seiner Introvertiertheit und seiner Öffentlichkeitsscheu – allein die Qualität seiner Weine soll für sich sprechen, alles Marktschreierische ist ihm vollkommen fremd – gerne tituliert wird? Nun, in seinen großen Rotweinen findet sich die Quintessenz der Nebbiolotraube, aus der seine gerühmten Baroli und Barbaresci gemacht werden, es sind Weine von unerhörter Komplexität und fruchtiger Fülle, von Kraft und beispielloser Langlebigkeit, gepaart jedoch mit einer Feinheit und Eleganz, wie sie nur wenige Große Gewächse aus den bedeutendsten Lagen der Welt aufzuweisen vermögen. Es sind Weine großen, individuellen Charakters und einzigartiger Typizität, Lichtjahre entfernt von jenem austauschbaren internationalen Langeweiler-Stil, der (nicht nur) mir ein Graus geworden ist.
Der Leitsatz des Altmeisters ist so einfach wie genial und wir finden ihn bei allen großen Weinen der Welt, „una semplice filosfia che si basa sul rispetto della traditione sia in vigna che in cantina”. Natürlich hat sich auch Giacosa gemeinsam mit seinem Kellermeister Dante Scaglione und dessen kongenialem Nachfolger Giorgio Lavagna behutsamen, sinnvollen Neuerungen und Fortentwicklungen in der Kellertechnik nicht widersetzt, hat die Gär- und Maischezeit auf nur noch 2 Wochen verkürzt, da in seinen Kellern jetzt mit neuen Edelstahltanks gearbeitet wird, deren Rührwerk und Remontagetechnik eine ausreichende Tanninausbeute garantieren. Allerdings werden dabei nur die Gerbstoffe aus der Schale extrahiert und nicht aus den Kernen, was dazu führt, dass die Intensität der Farbstoffe und Polyphenole sehr hoch ist, die Tannine selbst jedoch wesentlich cremiger und seidener erscheinen als früher. Den Ausbau der Weine in neuen Barriques oder auch nur in neuen großen Holzfudern, den sich die so genannten Modernisierer auf ihre Fahnen geschrieben haben, lehnt Giacosa genauso entschieden ab wie die artverändernde Begrenzung des Tanningehaltes im Barolo und Barbaresco, denn ein Barolo ohne spürbares, wenn auch weiches Tannin ist für den Doyen der traditionellen piemonteser Winzerkunst eine Verfälschung dieses in der Welt einmaligen Weines. Doch verwendet Giacosa seit Anfang der 90er Jahre vorwiegend mittelgroße Fässer aus französischer Eiche und weniger die alten, schweren Fässer aus slowenischem Holz, was den Weinen nochmals spürbar mehr Eleganz und Finesse verliehen hat. Unabhängig davon benötigen die großen, unfiltrierten Rotweine dieses Genies immer eine längere Zeit der Reife als die der Modernisten – Geduld also in unserer so hektischen Zeit ohne Zeit, ehe sie dann als wahrhaft majestätische Weine ein wirklich einzigartiges Trinkvergnügen bereiten.
Mein ganz persönliches Fazit: Die wahren Liebhaber Großer Gewächse, die eher das Leise, das Burgundische suchen, denn das marktschreierisch Laute, finden die betörende Seele des Piemont in den berührenden Pretiosen des großen Weinmachers aus Neive!
