Domaine La Soumade - Rasteau

Es ist Sonntag, der 16. Januar 2005. Eigentlich tiefer Winter, doch die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel und die Temperaturen sind mit 14 Grad vorfrühlingshaft angenehm. In dem verschlafenen Örtchen Bedouin, am Fuße des Mont Ventoux, des heiligen Berges der Provenzalen, dessen schneebedeckter Gipfel majestätisch den Horizont ausfüllt, sitze ich auf einer Bank auf dem Dorfplatz, wo sich die gesamte männliche Bevölkerung getroffen zu haben scheint, um sich mit einer unglaublichen Ausdauer dem Boulespiel zu widmen und dem Pastis zu frönen. Unfassbar, mit welcher Präzision ein schon sehr alter, fast zerbrechlich wirkender Mann seine Kugeln beherrscht. Doch langsam schweifen meine Gedanken ab, genau 24 Stunden zurück, als ich eines der denkwürdigsten Erlebnisse in meiner gesamten Tätigkeit als Weinhändler hatte und ich beginne auf meinem Laptop zu schreiben.

Ich sehe mich in der neuen Probierstube von André Roméro stehen. Es ist ein ebenfalls strahlend schöner, zwar noch relativ kühler, aber traumhaft vom fahlen provenzalischen Licht geprägter Tag, die Sicht auf die malerischen Dentelles de Montmirail faszinierend. Doch nicht diese geliebte Stimmung ist es, die mich ehrfürchtig schweigen lässt, es sind die Weine im Glas, deren Qualität sprachlos werden lässt. Nein, es sind noch nicht die genialen Weine aus dem schon zum Jahrhundertjahrgang an der südlichen Rhône hoch stilisierten 03er, es ist vielmehr die gesamte Palette des so extrem heterogenen Jahrgangs 2002. Wie wurden diese spektakulären Ergebnisse erzielt, was hat Roméro, der große alte Mann von Rasteau, dessen Pionierarbeit die Gemeinde ihren gerade erzielten Aufstieg als Cru-Lage wie Châteauneuf-du-Pape oder Gigondas in erster Linie zu verdanken hat, nur getan? An Zaubereien und Wunder glaube ich jedenfalls schon seit Kindheitstagen nicht mehr!
 

 

Domaine La Soumade
Furche zwischen den Rebzeilen zur Beschneidung der seitlichen Wurzeln

 


Mehrere Faktoren sind wohl verantwortlich dafür, dass André Roméro im Jahrgang 2002 alle Vorurteile Lügen straft. Erstens fiel in Rasteau nur knapp die Hälfte der Regenmenge wie in Châteauneuf und zum zweiten lief das Wasser auf den hügeligen, bisweilen steilen Hängen am privilegierten östlichen Rand der Appellation sofort wieder ab. Der ausgetrocknete Lehmboden ließ das Wasser zudem nur ganz oberflächlich eindringen, wo es überhaupt keine seitlichen Wurzeln zur Aufnahme gibt, denn diese werden jährlich abgeschnitten.
 

 

Rebstock Soumade

 


Die zumeist extrem alten, zum Teil 100-jährigen Reben wurzeln sehr tief im Boden und nahmen somit ebenfalls kein Oberflächenwasser auf. Wie in allen Jahrgängen hat dieses erstklassige Terrain, ein den Gegebenheiten auf Pétrus sehr ähnlicher Boden aus gelbem und blauem Lehm mit hohen Kalkanteilen, DEN entscheidenden Anteil an den großartigen Weinen der Domaine Soumade. Doch mit dem Jahrgang 2002 hat sich kellertechnisch Entscheidendes verändert.

Zu André ist mit Stéphane Derenoncourt, der im Bordelais einige der besten Güter verantwortlich berät, einer der profiliertesten Önologen Frankreichs gestoßen. Und er hat in der Weinbereitung der Domaine einige Dinge verändert, die dafür Sorge tragen, dass ab dem Jahrgang 2002 die Qualität der Weine noch einmal ansteigt. Die Selektion der Trauben ist nochmals strenger geworden, dreimal werden mittlerweile die geernteten Trauben selektiert (In 2002 führte dies zu einem erheblichen Ernteverlust!) und im Unterschied zu früher werden die Stiele entrappt.
 

 

André Roméro
André Roméro

 


„Stéphane sagte mir bereits bei unserem ersten Besichtigungsgang durch meine Weinberge, dass der Boden und die alten Reben über eine solch sensationelle Qualität verfügen, dass der fertige Wein auch ohne Stängel über eine phantastische Tanninstruktur für eine langes Reifepotential der Weine verfügt. Außerdem: Zusammen mit einer verlängerten Dauer der Vergärung bei gleichzeitig noch sensiblerem Untertauchen des Tresterhutes werden mittlerweile nur noch die feinsten, seidenen Tannine extrahiert, so dass die Weine über noch mehr Finesse und mehr Frucht verfügen und wesentlich früher zugänglich sind als in der Vergangenheit.
Natürlich helfen mir auch die optimalen Bedingungen, über die ich in meinen neu konstruierten, großzügig angelegten, bestens klimatisierten Kelleranlagen verfüge. Da ist schon ein gewaltiger Unterschied zu den beengten Bedingungen von früher. Im Weinberg haben wir übrigens nichts geändert bis auf die Pflanzdichte bei Neuanlagen. Wir pflanzen noch enger, um eine noch größere Wurzelkonkurrenz zu erzeugen.”.
 

 

Bodenformation in Rasteau
Bodenformation in Rasteau

 


Und noch ein Faktor macht die Qualität des auf dieser Domaine so tollen Jahrgangs 2002 aus (Studieren Sie doch bitte einmal die sensationell hohen Bewertungen im „Classement 2005”, der Bibel der französischen Weinkritik: Die ‚Cuvée Confiance’ übertrifft darin sämtliche Spitzengewächse aus Châteauneuf-du-Pape!): Alle Weine wurden um eine Qualitätsstufe degradiert und die Spitzencuvée ‚Fleur de Confiance’ folgerichtig gar nicht erst produziert.

Wenn Sie diese saftigen Weine im Glase haben, werden Sie verstehen, warum André Roméro, dessen Familie seit etwa 200 Jahren dieses inmitten der besten Lagen der südlichen Rhône gelegene Gut bewirtschaftet, seit Jahren mit Elogen für seine Weine überhäuft wird. So wird seine Cuvée Prestige häufig mit 3 Sternen und dem „coup de coeur”, der höchsten Auszeichnung des ‚Guide Hachette’, ausgezeichnet, die ‚Revue du Vin de France’ stellt die Spitzencuvées gar auf eine Stufe mit den fünfzehnmal teureren Lageweinen von Guigal, der „Gault Millau” gibt der 96er „Cuvée Confiance” die zweithöchste Bewertung unter allen Rhôneweinen, der „Feinschmecker” wählte in seiner Januarausgabe 98 den 95er „Confiance” unter die „100 besten Weine der Welt” und Michel Bettane bewertete den 98er „Fleur de Confiance” mit 5 Gläsern, seiner höchsten, extrem selten vergebenen Auszeichnung für die besten Weine aus ganz Frankreich!

Parker resümiert im ‚wine advocate’, „dass der legendäre André Romero sehr an Henri Bonneau erinnert. Der Besuch bei ihm war eines der Highlights meiner Reise (an die südliche Rhône). Viele Konsumenten erkennen gar nicht, wie gut seine Weine sein können. Rasteau besitzt so viele alte Weinberge in seinen steilen Hügellagen wie kein anderer Ort in der Region. Aber außer Roméro selbst hat der Ort bisher nicht die Anerkennung erreicht, die er verdient. Roméro bleibt trotz der Herausforderung durch Jérôme Bressy von der Domaine Gourt de Mautens der unangefochtene Star von Rasteau, der Weine mit einer hinreißenden Reichhaltigkeit und einem großen Lagerungspotential produziert.”
Und in der Märzausgabe 2002 des ‚Feinschmecker’ gewinnt der 99er „Fleur de Confiance” einen weltweiten Test großer Grenacheweine und wird beurteilt als „Weinriese mit Wucht und Würze”.

Diesen Ehrungen ist kaum noch etwas hinzuzufügen, außer, dass André Roméro, dieser begnadete, visionäre Weinmacher, (seine zweite große Leidenschaft ist der Fußball, André ist Dauergast bei Olympique Marseille) meines Erachtens auf dem besten Wege ist, die neue Winzerlegende an der südlichen Rhône zu werden, vielleicht gar der legitime Nachfolger des leider verstorbenen Jacques Renaud von Château Rayas.
Und seine großartigen Weine demonstrieren „in ihrer jeweiligen Klasse ein unvergleichliches Entwicklungspotential” (Michel Bettane), es sind monumentale Weine mit einer sagenhaften Dichte und Konzentration. Und das Schönste dabei: André hat verstanden, dass der Weinliebhaber – bei aller Freude über die Explosion der Qualitäten – bezahlbare Weine sucht. Daher bleiben auch die Preise für den fast schon legendären 2001er nahezu unverändert und die des 02er gehen gar zurück – und das nach den traumhaften Bewertungen des 99er und 2000er Jahrgangs durch Parker. Bravo André!

Übrigens: Der alte Mann hat mit seiner Equipe das Bouleturnier gewonnen. Neugierig schaute er zwischendurch bei mir vorbei, was ich wohl mit meinem Laptop hier so anstellte. Diese moderne Welt ist nicht die seine. Ich gratuliere ihm zu seinem Sieg und zu seinen genialen Würfen. Er lächelt stolz und wir prosten uns zu mit einem Pastis. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, es wird sehr schnell bitter kalt. Ich breche auf, zurück in mein Hotel.

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