Aus der Region Elsass:
Domaine Marcel Deiss
„Vergessen wir nicht, dass der Winzer nicht nur Poet und einfühlsamer Interpret ist, sondern auch und vor allem Bauer, ein Mensch, der für sein Land, für sein Terroir schwitzt und lebt. Und wenn die Biodynamie zwar nicht der gesamte Acker- und Landbau ist, so ist doch wirklicher Weinbau schwer möglich ohne Biodynamie.” Jean-Michel Deiss
Jean-Michel Deiss ist in Frankreich mittlerweile zum Kultwinzer avanciert. Kein Wunder, denn Jean-Michel ist zusammen mit Marc Kreydenweiss sowie Léonard und Olivier Humbrecht in dieser traumhaft schönen Region des Elsass’ der größte Verfechter des „Terroir”-Gedankens und des biologischen Anbaus!
Jean-Michel geht kompromisslos seinen ureigenen Weg, denn ihn treibt eine Vision: Nicht mehr die Aromen der jeweiligen Rebsorten sollen seine Weine primär prägen (Denken Sie beim Genuss eines großen Montrachet beispielsweise an Chardonnay?), sondern nach uralter, jedoch weitestgehend verloren gegangener elsässischer Tradition ihr einzigartiges, unverwechselbares Terroir. Das spezifische Mikroklima, der gestalterische Einfluss des Winzers und die verschiedenen Bodenarten der unterschiedlichen Parzellen sollen sich in seinen Weinen widerspiegeln und ihren jeweilig unverwechselbaren Charakter prägen.
Von unschätzbarem Vorteil erweist sich bei diesem Vorhaben die Lage des Weingutes: Die Domaine Deiss liegt in Bergheim, einem kleinen, in die elsässischen Weinberge eingebetteten Ort inmitten der Zone der geologischen Verwerfungen von Ribeauvillé, in der sich eine Vielzahl unterschiedlicher Böden befinden, die somit jedem einzelnen Wein seine authentische Stilistik schenken.
Durch Wegschneiden der seitlichen Wurzeltriebe werden die Rebstöcke gezwungen, sich tief in die Erde einzugraben (bis über 40 Meter „ins Herz des Terroirs” hat Jean-Michel bereits gemessen!), wodurch die Prägung der Trauben durch das Terroir deutlich verstärkt und die primäre Fruchtigkeit der jeweiligen Rebsorte vermindert wird. „Nichts von dem, was in einer Flasche ‚Grasberg’ schwingt, findet sich im Wein aus der benachbarten Parzelle ‚Burg’, obwohl beide Lagen nur 300 Meter voneinander entfernt sind, somit erhalten wir eine ‚Inkulturation’ durch die Tiefe.”, erläutert Jean Michel Deiss. Das ständige Umgraben und Auflockern der Böden und deren Kompostierung, die Aussaat von Gras und der Verzicht auf Herbizide sowie chemische Düngung unterstützen diesen Wachstumsprozess der Rebwurzeln tief in die Böden.
Deiss, „der ungewöhnlichste Winzer im gesamten Elsass” (so Wolfgang Faßbender in seiner lesenswerten Einführung in ‘Die Weine des Elsass’, Heyne Verlag), ist von der Idee beseelt, dass er nach der Ernte die gesunden Trauben der bio-dynamisch bearbeiteten Rebstöcke, von denen er fast so liebevoll wie von eigenen Kindern spricht, ‚nur’ so durch den Prozess der Weinbereitung zu begleiten habe, dass Terroir und Jahrgang zur optimalen Geltung gebracht würden:
„Wir denken, dass ein Wein, der diesen Namen verdient, ausschließlich aus schönen, reifen Trauben mit viel Geduld und Liebe im Keller vinifiziert werden kann. Deshalb verzichten wir gern auf die Bequemlichkeiten der modernen Önologie, wie Reinzuchthefen, Enzymzugabe und Filtration. Chaptalisation ist bei uns verpönt, ebenso wie Säuerung und Entsäuerung. Wir wissen, dass die Erzeugung eines großen Weins die Bereitschaft erfordert, Risiken einzugehen, ohne die nichts Großes entstehen kann. Ohne Risiko keine Freiheit, ohne Freiheit keine Schöpfung. Im Glas des Konsumenten, in jenem magischen Moment des Genusses, kann ein derart gewonnener Wein seinen ganzen Charakter und all seine Aromen preisgeben, das Zeugnis eines großen Terroirs.”
Getreu diesem Credo baut Deiss seine Weine im großen oder kleinen Holzgebinde (im Barrique nur die Weine der Pinot-Familie) so schonend und „sanft” wie möglich aus. „Die Vielfalt unserer Böden, insgesamt ca. 120 Parzellen, bedeutet aber, dass man unmöglich alle Weine identisch behandeln kann. Zu unterschiedlich sind die von der Natur vorgegebenen Grundeigenschaften. Jeder Wein erfordert daher höchst individuelle Entscheidungen – im Weinberg wie im Keller.”
Das Resultat solch ausgeklügelter Sorgfalt im Detail sind ausgesprochen lagerfähige – trockene wie edelsüße – Weißweine (teilweise nicht mehr rebsortenrein ausgebaut, sondern als Cuvées, eine Revolution im konservativen Elsass und dennoch nur eine Rückkehr zu den bewährten Wurzeln der Region) mit typischer Säure, einer enormen Konzentration und Dichte, einer großen inneren Harmonie sowie kaum mehr sorten-, sondern lagenspezifischem Bukett.
Dieses Streben nach höchster Qualität sowie die minimalen Erträge, die pro Hektar geerntet werden, haben natürlich ihren Preis. Wer jedoch jemals einen Wein von Deiss probieren durfte, wird diesen sicherlich als preis-„wert” schätzen lernen. Zudem benötigen alle großen Lagenweine dieser Domaine eine längere Lagerzeit als die vieler anderer Elsässer Winzer, sie sind zumindest in den ersten 2-3 Jahren, wenn sie auf den Markt kommen, schwer zugänglich, denn jegliche Manipulation, die Weine früher trinkreif zu machen, ist vollkommen verpönt.
Seit die Anfang der 90er Jahre erfolgte Umstellung auf biodynamischen Anbau abgeschlossen ist, haben die Weine noch einmal an Extraktreichtum, Mineralität, Finesse und Terroircharakter zugelegt und gehören unumstritten zu den großen Weißweinen der Welt. Besonders möchte ich Ihnen die neue Generation von Weinen ans Herz legen, wie beispielsweise den Grasberg 2000, herausragende, ungemein komplexe Tropfen, die nicht mehr, wie oben bereits angesprochen, rebsortenrein, sondern als Cuvée (Riesling, Pinot Gris u.a.) ausgebaut werden und das einmalige Terroir ihrer erstklassigen Lagen unverfälscht zum Ausdruck bringen, das damit den Rebsortencharakter immer mehr dominiert, großen, weißen Burgundern ähnlich.
Die verschiedenen Rebsorten für drei ganz große Weine stehen gar vermischt im Weinberg, im Altenberg (Grand Vin), im Schoenenbourg und im Mambourg. Dieser Terroireffekt wird zudem durch die extrem hohe Pflanzungsdichte (8.000 – 12.000 Rebstöcke pro Hektar zwingen wiederum die Wurzeln tief in die Erde) zusätzlich verstärkt. „Ich möchte ‚vins en liberté’ produzieren, nicht eingeengt von unseligen Elsässer Gewohnheiten der Neuzeit. Meine Weine entsprechen dem Terroircharakter, sie bezeugen auf ganz natürliche Weise ihre Herkunft und entsprechen der wirklichen, jahrhundertealten elsässischen Weinbautradition aus dem goldenen Zeitalter unserer Region”, erläutert Jean-Michel Deiss mit leuchtenden Augen.
Diese Weißweine eines sympathischen, charismatischen Visionärs, basierend auf dem uralten Wissen und der handwerk–lichen Kunst Elsässer Winzer, gehören zu meinen absoluten Favoriten, die auch ausnahmslos (!) in meinen privaten Keller wandern, es sind große Lagerweine, bei den Edelsüßen mit einem Potential von bis zu 30 Jahren und länger versehen. Lassen Sie Sich durch die Vielzahl des Angebotes nicht verwirren, sondern wählen Sie Ihre persönlichen Favoriten aus diesem einzigartigen Kanon originärer, feinst balancierter Weinunikate, allesamt von einer einzigartigen inneren Harmonie gezeichnet, eine Demonstration des Potentials und der Verschiedenartigkeit großen elsässischen Terroirs und vinifiziert unter den begnadeten Händen eines der besten und leidenschaftlichsten Weinmagier der Welt!
