Schäfer-Fröhlich, Halenberg Riesling Großes Gewächs 2011

Allergene: Sulfite |

Schäfer-Fröhlich, Halenberg Riesling Großes Gewächs 2011
Zeitenwende!
F. Scott Fitzgerald gilt als einer der Hauptvertreter der amerikanischen Moderne. Seine Romane avancierten zu weltweiten Bestsellern und viele seiner Bücher zählen zu den Klassikern der angloamerikanischen Literatur. Fitzgeralds postulierte „Prüfung eines erstklassigen Geistes” besteht darin, „zwei widersprüchliche Ideen gleichzeitig hegen zu können”. Das ist die höchste Schule des Verstandes. Aber auch die eines absoluten Weltklasseweines. Einen wahrlich attraktiven, körperreichen, kräftigen, mächtigen Wein zu vinifizieren ODER einen aristokratisch filigran-finessenreichen, das können alle Spitzenwinzer der Welt, die ein großes Terroir besitzen. Magische Weine jedoch gehen darüber hinaus, sie können das vermeintlich Paradoxe. Sie vereinen majestätische Kraft mit ungeheurer Präzision und unvergleichlicher Eleganz. Und einen solch raren singulären Riesling haben wir hier im Glas. Elementare Urgewalt trifft auf aristokratische Finesse! Das kennen wir bereits vom fabelhaften 2008er Jahrgang. Doch seither, gipfelnd jetzt in 2011, gesellt sich eine Feinheit hinzu, die allen Tendenzen diametral entgegenläuft, die sich in allzu vielen Großen Gewächsen aus ganz Deutschland breit macht: Immer konzentriertere, fülligere, bisweilen auch zu alkoholische Rieslinge auf Kosten von Finesse, Feinheit und Eleganz. Im 2011er Halenberg finden wir jedenfalls diese drei Parameter in einer unübertrefflichen Brillanz, die vielleicht dem einen oder anderen Winzer die Rückbesinnung auf die Urtugenden deutscher Rieslinge aufzuzeigen vermag. Der Beginn einer Zeitenwende?

Es ist der im Halenberg dominierende blaue Schiefer, der die Basis legt für die unermessliche Komplexität, und, bei aller notwendigen Kraft und grandiosen Dichte, insbesondere die, je nach Sichtweise moselanische oder burgundische Finesse, filigrane Feinheit und tiefgründige Mineralität dieses berührenden, ungemein rassigen Rieslings, der von einer der besten und gerühmtesten Rieslinglagen der Welt stammt! Dieser noble Riesling brilliert durch eine abgrundtiefe, extrem mineralische Nase mit spektakulär schönen rosa Grapefruit, Cassis- und würzig-rauchigen, kräutig-tabakigen Aromen und noblen Anklängen von weißer Minze. Dieses rassige, brillante, edle Große Gewächs macht (fast) süchtig in der Intensität seiner Aromen, mit seiner ungemein verführerischen Mischung aus seidiger Mineralität und Komplexität, präzisem Mundgefühl und großer Finesse sowie seiner betörenden salzigen Mineralität (DAS Signum des Jahrgangs in allen Rieslingdiamanten von Schäfer-Fröhlich) auf der Zunge, den unverwechselbaren Charakteristika seines legendären Terroirs. Ein Extremist der Feinheit, wie ich ihn in meiner langen, leidenschaftlichen Beziehung zu den großen Rieslingen der Welt nicht eine Handvoll mal erleben durfte. Dieser Solitär ist definitiv nichts für Rieslingliebhaber, die schiere Opulenz und Cremigkeit als ihre entscheidenden Qualitätsparameter schätzen. In ihrem Interesse: Finger weg!

Aristokratisch, an den ersten beiden Tagen der Flaschenöffnung in seinem jetzigen Babystadium noch ungemein zurückhaltend im Glas, leise, zärtlich, piano, nobles britisches Understatement so unaufgeregt wie souverän demonstrierend. Dieser Fabel-Halenberg umgarnt zunächst vornehm distinguiert seine möglichen Liebhaber, dann, wenn er Luft bekommt, scheint er förmlich zu explodieren: Dann erobert er eine neue Dimension, dann steigen aus den unergründlichen mineralischen Tiefen seiner Seele zuvor verborgene Schichten auf und er gewinnt eine geradezu lasziv-erotische Verruchtheit und mutiert zur becircenden Sirene, die nicht nur Odysseus auf der sittlichen Ebene in seelische Konflikte zu stürzen vermochte. Welche Menge prallen Lebens! Und dann zeichnet sich am Gaumen nochmals ein grandioser innerer Spannungsbogen ab, baut sich muskulöse Kraft auf, eingebettet in eine reife, rassige Säure und ein betörendes, mächtiges, aber gleichzeitig seidenes (Dichotomien prägen diesen fesselnden Rieslingsolitär!) mineralisches Fundament, das vom vielstimmigen Klang der Mineralien aus schiefrigen Tiefen erzählt. Welch irrsinnige Länge, in Wellen schleicht er sich auf die Zunge zurück, wenn er längst ausgetrunken ist, welch nobles Extrakt, gepaart mit einer Finesse und Filigranität, wie sie in dieser Kombination nur den ganz großen Rieslingen Deutschlands zu eigen sind. Schauer laufen über den Rücken, bei jedem Schluck dieses beseelten Weines.

Diese grandiose Hymne an die Transzendenz und Komplexität großer deutscher Rieslinge ist ein emotional berührender Wein und, ebenso wie Werner Schönlebers stilistisch anders geartete legendäre Halenberg-Interpretation, die Inkarnation seines mythischen Terroirs (wahrlich die Essenz der Schiefermineralität), die den wahren Weinliebhaber einen Zipfel der Unendlichkeit erhaschen lässt. Ein atmosphärischer Riesling, ganz und gar ursprünglich und authentisch, der alle Sinne streichelt und beispielhaft steht für eine neue Generation trockener deutscher Rieslinge. Hedonistischer Genuss in Vollendung. Ein Rieslingsolitär, ein Weltklassewein, ganz nahe dem Ideal, einer der größten trockenen deutschen Rieslinge aller Zeiten! Weniger im Stil „Riesling aufs Äußerste verdichtet”, wie der Gault Millau Halenberg-Urgesteine wie seinen Jahrgangsvorgänger treffend bezeichnet, stattdessen ein Unikat singulärer Feinheit, Finessenreichtums („moselartig” urteilt zutreffend Stephan Reinhardt im WEINWISSER) und Zartheit, das sich auf eine bisher nicht dagewesenen Art und Weise mit tiefgründigster Mineralität paart – Welch Gänsehautwein! Potential für Jahrzehnte!
Land: Deutschland
Region: Nahe
Weingut: Weingut Schäfer-Fröhlich – Bockenau
   
Inhalt: Magnum 0,75 l
Weinart: Weisswein
Rebsorten: Riesling
   
Verschluss: Naturkork
Bestell-Nr.: DNA030811M
   
   
Allergene: Sulfite
  
Anschrift des Winzers: Weingut Schäfer-Fröhlich
Schulstraße 6
55595 Bockenau
Deutschland

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