Keller, Westhofen Abtserde, Riesling Großes Gewächs, trocken 2009

Allergene: Sulfite |

Keller, Westhofen Abtserde, Riesling Großes Gewächs, trocken 2009
Gault Millau: „Bester deutscher trockener Riesling des Jahres 2007”

Jancis Robinson vergibt dem Jungfernjahrgang 2006 begeistert 19+/20 Punkten und damit die zweithöchste Punktzahl, die sie jemals einem trockenen Riesling irgendwo auf der Welt vergeben hat.

John Gilman: „The 2009 Abtserde Grosses Gewächs is another absolutely monumental bottle, and will be a must have for any long-time Keller fans”

Pinard de Picard: Die Abtserde brilliert in 2009 mit einer unvergleichlichen Stilistik – Eine schwebende Transparenz, elfenartige Eleganz und moselanische Finesse paaren sich mit einer Orgie an komplexen Fruchtaromen und einer abgrundtiefen, geradezu „dreckigen” Mineralität – Raveneaus mythischer „Les Clos” (dessen 2002er ich als einzigen weißen Burgunder bisher mit 100 Punkten bewertet habe) lässt herzlich grüßen! Daher ist dieser Weltklasseriesling mein persönlicher Favorit in 2009 – ein Wahnsinnsstoff voller Noblesse mit dem Potential zur Legende! So ungeschminkt kommt Kalkstein nur ganz selten ins Glas! Solche Qualität ist selbst mit dem Begriff sensationell nur schwer zu fassen: Satte 100 Punkte!

Das große Terroir der Abtserde ist eine phantastische, von einer alten Trockenmauer nach Norden hin abgeschirmte Südlage mit dem höchsten Kalkgehalt aller großen Westhofener Lagen und einer unterirdischen Wasserader, die eine optimale Versorgung der alten Reben auch in trockenen Sommermonaten garantiert. Diese mikroskopisch kleine Traumparzelle, zwischen Morstein und Kirchspiel gelegen, erinnert von ihrer Exposition her sehr stark an die berühmtesten Lagen des Burgunds, genau so wie das Band von rötlichem und weißem Kalkgestein, das in dieser binnen drei Jahren zu weltweitem Ruhm gelangten, wohl besten Lage Westhofens förmlich aus dem Boden zu wachsen scheint. Schon in einer Warmperiode des Mittelalters, als die Rieslinge aus dem rheinhessischen Hügelland erstmals legendären Ruf besaßen, demonstrierte der Volksmundname dieses großen Terroirs, „an Abtes Erden” (bereits im Jahre 1380 in Urkunden erwähnt), die herausragende Stellung dieses gesegneten Stückchen Lands. Die Geschichte dieser Benennung möchte ich Ihnen gerne erzählen: Ein weinbegeisterter Bischof zu Worms bezog seinen Lieblingsriesling aus Westhofen. Doch dann wurde er unzufrieden. Die Qualität war auf einmal nicht mehr dieselbe wie gewohnt. Also schickte er einen Abt, seinen persönlichen Sekretär, auf die Reise, um die Ursache dieser Qualitätsminderung zu ergründen. Und dieser wurde schnell fündig. Die schlauen Bauern vor Ort waren nämlich auf die pfiffige Idee gekommen, nicht mehr die von Natur aus kleinbeerigen, nur Stecknadelkopf großen (und damit ertragsschwachen, aber dickschaligen und traumhaft aromenintensiven) Trauben dieser felsigen, extrem kalksteinhaltigen und nur sehr mühsam zu bearbeitenden Lage zum Riesling für den Bischof zu verarbeiten, sondern einfach die Trauben aus der wesentlich weniger Mühe kostenden Ebene von Westhofen zu nehmen. Zornbebend erließ der Abt ob solchen Frevels ein strenges Dekret: Ab sofort durften für den bischöflichen Riesling nur noch die Trauben aus unserer hoch gelegenen, extrem kalkigen Parzelle verwendet werden, die denn danach bei den verdrießlichen Bauern „an Abtes Erden” hieß.

Doch der Bischof war ab dem nächsten Jahrgang wieder glücklich, ebenso wie all diejenigen Rieslingliebhaber, die sich heute diesen absoluten Weltklasseriesling, eine hypothetische Vereinigung all der positiven Attribute seiner berühmten Nachbarparzellen Morstein und Kirchspiel, in den Keller legen dürfen. Als ich diesen magischen Wein erstmals verkostete, war ich wie vom Donner gerührt: Ungläubiges Staunen ob seiner fabelhaften Kraftentfaltung, ungläubiges Staunen ob seiner elfenartigen Feinheit, ungläubige Beobachtung der eigenen Sinne. Welch Wunder der Natur, verletzlich, sinnlich, grazil in seiner schwebenden Transparenz, erschütternd in seiner bebenden, salzigen Mineralität, verzaubernd in seinem komplexen Aromenspiel (welch geniale Feuersteinwürze!), zart die Seele streichelnd, ein emotional berührendes Naturerlebnis. Einer der großen Weißweine der Welt (besser kann kein Wein schmecken, höchstens anders!), der dem staunenden Verkoster die Grenzen der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit verdeutlicht. Es beginnt vorne auf der Zungenspitze ganz leise und zart, dann in der Mitte und im minutenlangen Nachhall Urgewalt pur, die schier aus dem Glase springen möchte! Es ist kaum vorstellbar, sich ein Mehr an Präzision, Noblesse und kaleidoskopartiger Komplexität vorzustellen, als sie diese Hommage an die urwüchsige Kalkstein-Mineralität mit ihrer einzigartigen Finesse, kristallklaren Tiefe und Eleganz in sich vereint! Worte klängen banal, wollten sie der inneren Harmonie und Balance, der sowohl cremigen wie laserstrahlartigen Textur (man muss verkostet haben, damit der Verstand diesen scheinbaren Gegensatz zu akzeptieren bereit ist), der schwebenden Leichtigkeit, der seidenen Transparenz und der salzigen, tabakig-würzigen Mineralität dieses ungemein lange nachklingenden flüssigen Urgesteins gerecht werden.

Und dennoch hat ein „leiser” Winzermagier, dessen zutiefst filigrane Pinot Noirs nicht wenige Kenner als mit die größten Weine des Burgunds ansehen, Frédéric Mugnier, der im Übrigen ein großer Liebhaber der Keller’schen Rieslinge ist, bei einer gemeinsamen Verkostung mit Klaus-Peter eine wunderbare Metapher für derart zugleich zutiefst mineralische und dabei einzigartig finessenreiche Weine gefunden. Er hat sie mit Mozarts feinsinnigen Violinkonzerten verglichen, wenn sie denn von hochkarätigen Interpreten vorgetragen werden, die über die nötige Sensibilität verfügen – denn auf eine schwebende Leichtigkeit und makellose Natürlichkeit kommt es dabei insbesondere an. Wenn sich die Solovioline aus der Stille mit lupenreinem Ton in langsamem, verträumtem Tempo löst, bevor sie jubilierend die Lebendigkeit des Orchesters wieder aufnimmt und die Seele verzaubert, mit unnachahmlich farbenreichem, warmem Klang: feinsinnig und beredt in der Lyrik, mit kleinen Delikatessen zwischendurch. ... So viel Leben, so viel Spontaneität – ein Hauch von feiner Melancholie, ein wenig Ungläubigkeit vielleicht? Um so purer und mitreißender wirkt sie noch lange nach – ein haltloser Ausbruch der Freude!

Ich mag ihn einfach: Diesen verzaubernden Wein, der wie kein anderer Riesling die einzigartige Vermählung der abgrundtiefen Mineralität des Morstein mit der elfenartigen Leichtigkeit und dem finessenreichen Tanz des Kirchspiels und damit eine wunderbare Leichtigkeit des Seins verkörpert! Dieses singuläre Rieslingunikat, ein Weißwein rarer Ausstrahlung und Authentizität, ein Monument an Finesse und kaleidoskopartiger Mineralität, möchte ich Ihnen ganz besonders ans Herz legen! Hier finden wir sie wieder, die andere, die helle Seite des Mondes, wie ich sie einmal bei einem von mir ebenfalls mit 100 Punkten bewerteten G-Max beschrieben habe: Bei aller inneren Kraft feiner, schlanker, mineralischer und spielerischer als jemals zuvor, ein atmosphärischer Riesling, der zwischen Himmel und Erde zu tanzen scheint. Ein zärtlicher Wein, ganz und gar ursprünglich, der alle Sinne streichelt und richtungweisend steht für eine neue Generation trockener deutscher Weltklasserieslinge. Sinnlicher Genuss in Vollendung.

Dieser magische Riesling ist einer jener großen Weine, der den Verkoster sprachlos und den Genießer gerührt hinterlässt, wie bei einer großen Liebe. Man hat Tränen in den Augen. Das muss sie sein, die Seele der Rieslingtraube. Nichts, aber auch gar nichts ist hier laut oder aufdringlich – wie hinter einer geheimnisvollen Tür verbirgt sich jedoch Einmaliges und Unvergessliches!

PS: Unerhörtes begab sich bei einem meiner Besuche bei den Kellers: In einer exakt 10 Tage geöffneten Abtserde-Flasche aus 2007 befand sich ein vergessener Rest, gerade einmal ein halbes Gläschen. Unsicher, ob denn der Gault Millau-Sieger nach einer solch langen Öffnungsphase (Kellers magische Rieslinge gewinnen immer gewaltig über 4-5 Tage aus der geöffneten Flasche, aber nach so langer Zeit?) noch ein wenig Trinkfreude würde aufkommen lassen, probierten wir und waren beide wie vom Donner gerührt: In einer solch dramatischen Verfassung hatten wir die Abtserde noch nie erlebt. Das war eine „dreckige” Mineralität vom energetischen Kalk, die man einmal getrunken haben muss, um es überhaupt glauben zu können. Werte Kunden, ich verrate Ihnen nochmals mein kleines Geheimnis: Mein weißer Lieblingsburgunder kommt aus Chablis; der „Le Clos” von Raveneau, der ebenfalls von einer fabelhaften Kalksteinlage stammt! Und es ist verblüffend, wie ähnlich dieser Referenzwein des Burgunds in seiner Stilistik Kellers Abtserde ist. Zwei völlig unterschiedliche Rebsorten, hier Riesling, da Chardonnay, aber doch so verblüffend ähnlich im Geschmack. Das heißt: In den Händen von zwei der größten Winzer der Welt enthebt sich der Wein, wie ein Adler, der majestätisch hoch in die Lüfte steigt, den Fesseln seiner Rebsorte und erzählt frei von der Magie seines legendären Kalkstein-Terroirs. Wie oft wird heutzutage in der Presse der Begriff des Terroir inflationär benutzt für Weine, bei denen selbst der geschulteste Verkoster die Herkunft kaum erkennen kann! Aber Kellers Abtserde IST Terroir! Pur!

Zu genießen ab Freigabe im Frühjahr 2011, Höhepunkt 2018 bis nach 2040.
Land: Deutschland
Region: Rheinhessen
Weingut: Weingut Keller - Rheinhessen
   
Inhalt: Normalflasche 0,75 l
Weinart: Weisswein
Rebsorten: Riesling
   
Verschluss: Naturkork
Bestell-Nr.: DRH011809
   
   
Allergene: Sulfite
  
Anschrift des Winzers: Weingut Keller
Bahnhofstraße 1
67592 Flörsheim-Dalsheim
Deutschland

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