Saarlouis, 15. Juli 2003

Info

Weinhof Herrenberg – Saar

Herrenberg 2002 – Phänomenale Rieslinge von der Saar!

Wohl keine Region Deutschlands brilliert mit rassigeren Rieslingen als das kleine Anbaugebiet der Saar mit seinem spezifischen kühlen Mikroklima. In schwierigen Jahrgängen haben die Weine zwar bisweilen mit einer hohen Säure zu kämpfen, um eine ideale Balance zu erreichen, in warmen Jahren jedoch vereinigt sich in ihnen die glasklare, saftige Rieslingfrucht mit einer rassigen Säure zu traumhaft schönen, filigranen Meisterwerken, die weltweit einzigartig sind. Nicht umsonst zahlen Liebhaber aus aller Welt exorbitante Preise für die besten Exemplare Egon Müllers aus dem legendären Scharzhofberg, Preise, gegen die selbst die völlig überteuerten Bordelaiser Spitzengewächse „billig” erscheinen. Und aus dieser faszinierenden Region präsentierten wir Ihnen in unserem Programm 2003 einen Newcomer mit Qualitäten, wie sie spektakulärer nicht sein können, und das zu mehr als fairen Preisen.

„Claudia Loch hat 1999 eine Atem beraubende Kollektion vorgestellt, ein Wein ist besser als der andere”, so urteilte begeistert Marcus Hofschuster im Weinplus Weinführer Deutschland 2001. Und Mario Scheuermann, erfahrener Fachjournalist und Veranstalter des Hamburger Weinsalons, meinte gar: „Das Weingut Herrenberg ist für mich schon seit zwei, drei Jahren ein herausragender Geheimtipp an der Saar. Bei einer Erstteilnahme (am Hamburger Weinsalon) wäre das ziemlich uneinholbar die Nominierung für die Entdeckung des Jahres gewesen. Bei der minimalen Jahresproduktion und solchen Qualitäten müssten die Weinkenner eigentlich Schlange stehen und alles müsste zu Höchstpreisen ständig ausverkauft sein. Herrenberg ist so etwas wie ein weißer Riesling-Petrus von der Saar: Winzige Produktion, total eigenständiger Terroircharakter in absoluten Spitzenlagen”.

Und da wir in Bezug auf dieses Weingut absolut der gleichen Auffassung sind, haben wir alles daran gesetzt, mit dem so sympathischen Ehepaar Claudia und Manfred Loch (dem „ersten Knecht”, wie er sich selbstironisch gerne tituliert) zusammenarbeiten zu können, was gar nicht so einfach war, da sie in der Vergangenheit problemlos ihre kleine Jahresproduktion von ca. 10.000 Flaschen ab Hof direkt verkauft haben. Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass wir Ihnen als einziger deutscher Versandhändler bereits aus dem dritten Jahrgang diese Rieslinge „wie aus dem Bilderbuch” präsentieren können.

Was ist eigentlich das Geheimnis, das hinter diesen faszinierenden Qualitäten zu immer noch extrem fairen Preisen steckt? Eigentlich gar keins. Diese großen Rieslinge sind nichts anderes als das Resultat erstklassiger Lagen, ehrlicher, harter handwerklicher Arbeit in den strikt biologisch bewirtschafteten Weinbergen und einer vehementen Liebesbeziehung der Lochs zu majestätischen, aber auch mehr und mehr filigranen, von Eleganz und Finesse geprägten Rieslingen und zu der unnachahmlichen Sinfonie eines wahrhaft großen Terroirs. Claudia und Manfred, beide Seiteneinsteiger, erwarben 1992 ihren ersten, gerade mal 1200 Quadratmeter großen Weinberg im verträumten Schoden, im Folgejahr kamen dann 30 Ar von Claudias Eltern dazu.

Prachtstück ist wohl eine Parzelle mit 100 Jahre alten, wurzelechten Reben im Wiltinger Schlangengraben. Alle Lagen in den extrem steilen, mit Schiefer bedeckten Hängen (bis 80% Neigung!) werden „parzellenrein” ausgebaut, um das jeweilige Terroir (wechselnde Schieferformationen, unterschiedliche Anteile an Feinerde) im Wein optimal zur Geltung zu bringen. Der Schodener Herrenberg mit seinen extrem unterschiedlichen Bodenzusammensetzungen innerhalb der einzelnen Parzellen liegt mit seinem privilegierten Mikroklima optimal süd-südwestorientiert wie ein riesiger Brennspiegel, der jeden auch noch so kleinen Sonnenstrahl einzufangen vermag, innerhalb eines nur etwa 4 km großen Gürtels, innerhalb dessen sich alle großen Lagen der Saar befinden. Mein ausdrücklicher Respekt auch den Lochs für die harte körperliche Arbeit, die in diesen steilen Weinbergen notwendig ist, die mich sehr an die großartigen Gegebenheiten der Terrassenmosel erinnern.

Wenn man hoch über der Saar in diesen steilen, rein biologisch bearbeiteten Schieferlagen des Schodener Herrenbergs kraxelt, fallen sofort die Unterschiede zwischen den Parzellen des strikt qualitätsorientierten Winzerpaars und denen ihrer Nachbarn ins Auge. Zum einen die extrem gepflegten „lebenden” Böden mit ihrem komplexen natürlichen Grünbewuchs (von den Lochs neu erworbene Parzellen in der Umstellungsphase zum biologischen Anbau weisen erst 1-2 verschiedene Kräuter auf), der durch die Konkurrenzsituation die Wurzeln der Reben tiefer in die Erde zwingt, der Entwässerung und dem Erosionsschutz dient sowie zur Humusproduktion beiträgt, und die Nistkästen für die einheimische Vogelwelt, die durch den Fraß der Schädlinge zum ökologischen Gleichgewicht in den Weinbergen beitragen.

Zum anderen sticht ein Rebschnitt ins Auge, der sich von dem der Nachbarn völlig unterscheidet und der meines Wissens nach von kaum einem Winzer an Mosel-Saar-Ruwer angewandt wird: die Vertiko-Erziehung nach Prof. Cargnello, eine Außenseitermethode eines engagierten Querdenkers, eine schwierig zu handhabende Schnittform, welche die Lochs ganz allein, ohne Hilfskräfte praktizieren müssen, die aber nach ihren Erfahrungen dem traditionellen Moselschnitt weit überlegen ist, da die buschartigen Reben infolge der wesentlich höheren Blattwerksproduktion (das Kraftwerk der Reben) über ein deutlich besseres Blatt-Fruchtverhältnis verfügen, dass mitverantwortlich ist für die herausragende Qualität der Trauben.

Und dennoch war der Anfang der Loch’schen Winzerkarriere beschwerlich:
Die ersten Jahrgänge wurden nachts in ihrem uralten Keller gekeltert, um die kostbaren Herbsttage optimal zu nutzen. Das Land verweigerte finanzielle Zuschüsse, doch die Lochs arbeiteten engagiert und voller Enthusiasmus weiter. Dann gelangen mit den 97ern und 98ern bereits vorzügliche Jahrgänge „ und die 99er stellten dann allerdings alles in den Schatten. Mit gerade mal 35 Hektolitern pro Hektar waren die Ergebnisse ausgesprochen niedrig. Ergebnis einer intensiven Weinbergsarbeit. Am Ende steht eine fulminante Kollektion von Auslesen – glasklar im Stil, mit Schmelz und mineralischer Säure. Unsere Hochachtung” (Gault Millau).
Hiermit war die Aufbauphase abgeschlossen, die Weinbergsarbeit auf biologischen Anbau umgestellt, d.h. es gibt keinen Einsatz mehr von Insektiziden und Herbiziden. Verrückt niedrige Erträge als Ergebnis intensiver Weinbergsarbeit mit einer extrem selektive Auslese von Trauben mit höchster physiologischer Reife, unverzüglicher, schonender Transport gesunder, unzerquetschter Trauben in kleinen Behältern in die Keller und sofortige sanfte Pressung (Selbst Marienkäfer haben diese Prozedur schon überlebt!), moderat reduktiver Ausbau der Weine in blitzenden Edelstahltanks und geringst mögliche Schwefelung sprechen eine eindeutige Sprache:
Was die Jahrgänge 99 bis 2001 bereits ankündigten, demonstriert der 2002er auf geniale Art und Weise. Der Weinhof Herrenberg katapultiert sich mit spektakulären handwerklichen Qualitäten im besten Sinne des Wortes und mit dem singulären Charakter ihrer in konsequenter Ertragsreduktion entstandenen Naturweine nicht nur mit an die Spitze der Weinanbauregion Saar mit ihrer großartigen Tradition, meiner Meinung nach sind die sympathischen Quereinsteiger Claudia und Manfred Loch zusammen mit Johannes Leitz aus dem Rheingau die größte Bereicherung der deutschen Winzerszene im letzten Jahrzehnt und zählen zur Winzerelite Deutschlands: Die mit viel Herzblut vinifizierten Weine mit ihrer glasklaren, saftigen Rieslingfrucht, ihrer charakteristischen, eher saaruntypischen Fülle am Gaumen, ihrem Extraktreichtum, ihrer Frische, ihrer beispielhaften Mineralität, ihrer Kraft sowie ihrem kompromisslosen Terroirkonzept besitzen ein schwerlich zu schlagendes Preis-Genussverhältnis. Von Claudia und Manfred Loch werden wir in Zukunft noch sehr viel hören, wir freuen uns jedenfalls auf eine weitere spannende Zusammenarbeit.

Zum Jahrgang 2002 im Detail: Ich kann verstehen, warum in der Vergangenheit die Stilistik der Weine von Herrenberg etwas polarisierend wirkte, die zwar viele Liebhaber fand, aber nicht alle Rieslingfreunde gleichermaßen begeisterte. Wie hat es einmal ein sympathischer Kunde formuliert: „Der Wein ist sehr individuell und sehr eindrucksvoll, aber häufiger als alle zwei Wochen möchte ich ihn nicht trinken, denn ich kann alle verstehen, denen der Herrenberg-Stil zu heftig ist. Vielen ist Mozart halt lieber als Wagner”.
Doch ohne ihre Authentizität zu verlieren und ohne ihre Dichte und Mineralik eingebüßt zu haben, sind die Weine des 2002er Jahrgangs „saartypischer”, finessenreicher, verspielter, rassiger geworden. Die sympathischen Lochs bringen neben dem großartigen Terroir ihrer Lagen immer mehr ihre ureigene Handschrift im Weinberg (im Keller hat sich nichts verändert) mit ein, denn ganz offensichtlich trägt ihre jahrelange harte Weinbergsarbeit erkennbare Früchte (Claudia Loch, für die Arbeit im Wingert verantwortlich, hat einfach ein feines Gespür für die Reben), sind die Böden der erstklassigen Lagen, insbesondere diejenigen, die schon relativ lange von den Lochs bewirtschaftet werden, jetzt in dem optimalen Zustand, dass die Trauben und später der fertige Wein davon nachhaltig profitieren. „Und natürlich ist es ein himmelweiter Unterschied, ob, wie bei uns, ausschließlich Fachkräfte einen Rebschnitt und die Lese durchführen oder angelernte Saisonkräfte”, so das Fazit von Manfred Loch.

Gerade dieser Aspekt hat den Lochs im Erntepoker des schwierigen Herbstes 2002 sehr geholfen, sie haben dabei ein feines Händchen bewiesen, sicherlich auch das notwendige Quäntchen Glück gehabt.
Im Herbst 2002 gab es auch an der Saar problematische Wetterverhältnisse, mehrfach wurde mit der Ernte angefangen und dann wegen des Regens wieder abgebrochen. „Da die Trauben sich jedoch in einem hervorragendem Zustand befanden und die Öchslegrade gar nicht mehr zu steigern waren, um trockene Weine zu erhalten, haben wir, wann immer es möglich war, sehr flexibel reagiert und in trockenen Stunden abgeerntet. Hier war es natürlich ein ausgesprochener Vorteil, dass wir ein sehr kleiner Familienbetrieb sind” (Manfred Loch).
Und da das Novemberhoch, auf das viele Winzer vergeblich gewartet hatten, nicht kam, haben die Lochs, im Unterschied zu vielen Kollegen, im Lotteriespiel des Herbstes 2002 das große Los gezogen. Bei den trockenen Weinen wurden fast keine Botrytistrauben verwendet, nur ca. 10 % allerbester Qualität, was nicht schmeckbar ist, sich aber am Gaumen in Fülle und Schmelz niederschlägt.

Fazit: Trotz der schwierigeren (Ernte-) Bedingungen des Jahrgangs 2002 hat man auf dem Weinhof Herrenberg die Qualität des großartigen 2001ers noch einmal getoppt!


908402 Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr. 2, trocken 2002 10,50 Euro
Relativ dichte, grün-gelbe Farbe wie bei allen anderen Weinen übrigens auch, in der Nase dominiert zunächst eine fein ziselierte Mineralität, nach ein bis zwei Stunden Öffnung bzw. am 2. Tag gesellen sich leicht süßliche, sehr verführerische Fruchtaromen hinzu, Nektarine, ein Hauch von Cassis, Limone und Pfirsich. Am Gaumen deutlich mehr Saartypizität als in der Vergangenheit, spielerischer und „beschwingter”, die Zunge erspürt wieder Mineralität und zunächst ansatzweise, am zweiten Tag intensiv die von der Nase her bekannten Aromen, schöne Dichte und Fülle, Harmonie und Balance, faszinierendes Spiel auf der Zunge, eine fein gewebte, klare Struktur, gleichzeitig auch straff gewirkt, dabei ist der Wein viel mehr von Finesse und Eleganz geprägt als von schierer Kraft und Konzentration, viel mehr Mozart als Wagner diesmal. Ein ganz zartes süßes „Restschwänzchen” macht den Wein sehr gefällig, dazu überzeugt er mit einer bemerkenswerten Frische.
Insgesamt ein ungemein filigraner, rassiger Wein, „vibrierend” (Spätlesecharakter), die wunderbare Leichtigkeit des Seins an lauen Sommerabenden auf einer Terrasse auf des Angenehmste begleitend, zu genießen ab sofort, Höhepunkt 2004 bis 2008. Gerade beim Fass Nr. 2 bemerkt man, dass diese Parzelle („Stabler”) des Herrenbergs schon seit ca. 10 Jahren im Besitz der Lochs ist, so dass die Bodenstruktur bereits sehr von ihrer Arbeit geprägt wird. Die Trauben für dieses Fass Nr. 2 kommen dabei von der oberen Lage des Stablers, ca. 280 m hoch gelegen, so dass nachts eine frische, ja kalte Luft die Trauben bestreicht, der Grund für die höhere Eleganz, Finesse und Frische (durch die noch knackigere Säure) als in der Vergangenheit.



909502 Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr. 4, trocken 2002 9,50 Euro
Schon in der Nase zeigen sich deutliche Unterschiede zu Fass Nr. 2, eher Kabinettcharakter, feine Mineralität, dazu Weinbergspfirsich, am Gaumen dann etwas fülliger und kraftvoller als von Kabinettweinen gewohnt, mineralisch, dicht, gehaltvoll, finessenreich, elegant, ohne das süße „Restschwänchen” von Fass Nr. 2, anhaltend. Die aus dem Kreuzberg, einer dem eigentlichen Herrenberg westlich vorgelagerten Parzelle mit hervorragenden Bodeneigenschaften (hoher Humusgehalt, da schon lange im Loch’schen Besitz), stammenden Trauben wurden bewusst relativ früh gelesen, „um einen Wein für Vieltrinker zu gewinnen, die abends auch mal gerne 2 Fläschchen genießen wollen”, so Manfred Loch. Zu trinken jetzt bis mindestens 2007.



909002 Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr. 5, trocken 2002 10,90 Euro
Die Nase zeigt sich zunächst verschlossen, auch die Mineralität ist nicht so hervortretend wie bei Fass Nr. 2, nach ca. 1 Sunde Öffnung komplexe, saartypische Fruchtaromen (Pfirsich, gelbe Früchte wie Mirabellen, bei der Fassverkostung auch zarte Honiganklänge), selbst am zweiten Tag kaum mehr geöffnet. Am Gaumen tolle Mineralität, Frische, feine Frucht, bemerkenswerte Struktur, dichter, fülliger als die Vorgänger, trotzdem eher „moselanisch” wirkend im Vergleich zur Nummer 6, die an große Wachauer Weine erinnert, viel Druck, konzentriert, schönes, grandioses Spiel zwischen der Frucht und der fein ziselierten Säure, lang anhaltend. Die Trauben für diesen erstklassigen Riesling mit Auslesecharakter stammen überwiegend aus dem steilen Herzstück des so genannten großen Herrenbergs (sowie aus dem Stabler und dem kleinen Herrenberg) und wurden zu Beginn des Monats November geerntet. Viel Potential, zu genießen Ende 2004 bis mindestens 2010.



909602 Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr. 6, trocken 2002 14,90 Euro
Die Nase bleibt selbst über Stunden hinweg sehr verschlossen, auch am zweiten Tag wenig Veränderungen, eine feine Mineralität ist spürbar, dazu Anklänge an eine verführerisch Kruste von ganz frisch gebackenem Brot und ein Hauch von Rauch und Cassis. Am Gaumen extraktreich, sehr dicht, sehr konzentriert, ungemein tief, füllig und wuchtig, fast opulent (hier haben wir wieder mehr Wagner als Mozart), aber gleichzeitig ein ähnlich schönes Spiel wie bei Fass Nr. 5 und eine hohe Mineralität, großen Wachauer Weinen oder dem Nigl Privat aus dem Kremstal nicht unähnlich, großartige Struktur, phantastisch eingebundene Säure, viel Druck am Gaumen und dennoch Eleganz und Finesse, lang anhaltend. Ich halte diesen großartigen Riesling (Auslesecharakter), dessen Trauben ausschließlich aus dem Herzstück des Herrenbergs stammen, für den potentiell gesehen besten trockenen Riesling des Jahres vom Weinhof Herrenberg. Zu genießen frühestens ab 2005, enormes Potential. Bei diesem Weinmonument wird Terroir erlebbar, „Aromen aus geologischen Tiefen und eine Frische wie von einem Wasser, das über Felsblöcke in eine kühle Schlucht sich ergießt”, wie dies Stuart Pigott einmal so treffend formuliert hat.



908502 Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr. 7 „Quasaar”, halbtrocken 2002 13,90 Euro
Wiederum eines der von Lochs so geliebten Wortspiele, die diesen traumhaft schönen, halbtrockenen (oder wie Manfred Loch es formuliert: „quasi harmonisch trockenen”) Riesling auszeichnen sollen. Komplexe Nase, wiederum diese wunderbare Leichtigkeit des Seins verströmend, verführerische Frucht und zarte Mineralität in der Nase und am Gaumen, tolles Spiel Süße-Säure, wobei die Süße kaum merklich ist, schöne Balance und Harmonie, viel Power und Extrakt, aber schlanker, verspielter wirkend als die Fässer 4, 5 und 6, wieder mehr Saarweincharakter, feinsinnig, elegantes Spiel, anhaltend. Der 2000er halbtrockene Riesling von Herrenberg wurde vom Gault Millau als drittbester halbtrockene Wein des Jahrgangs in Deutschland gefeiert, ich halte den 2002er für nochmals deutlich besser, zu genießen ab sofort.



908602 Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr. 8 „Saartyr”, trocken 2002 15,90 Euro
Nach der mythologischen Gestalt des Satyr, des lüsternen, sinnesfrohen Waldgeistes und Begleiter des Dionysos benannter Spitzenriesling: Aus der extrem steilen, „Stier” (ein dialektaler Ausdruck für „Stirn”) genannten Parzelle mit dem höchsten Schieferanteil, direkt unterhalb des Kamms des Herrenbergs gelegen, stammen die absolut gesunden Trauben dieses exzellenten Rieslings. Was für eine großartige Mineralität und subtile Würze, welch feinste Frucht, welch ungemein komplexe, aber auch verspielte Aromatik, (Pfirsich, Limone, Cassis, Holunderblüten und Minze), am Gaumen wiederum die gleichen betörenden, subtilen Aromen, dicht und konzentriert, dennoch sehr elegant und finessenreich, dabei feinst balanciert, dazu eine traumhafte, reife Textur, animierend, frisch am Gaumen, da rassige Säure, sehr lang anhaltend. Das Wortspiel im Namen suggeriert es bereits: Wahrhaft ein „lüsterner” Wein, der Emotionen und Sinnlichkeit zu wecken vermag und neben dem Fass Nr. 2 die schönste Ausprägung des „neuen” Stils vom Weinhof Herrenberg. Zurzeit sicherlich der schönste trockene Wein des Gutes (wobei ich in fernerer Zukunft das Fass Nr. 6 vorne sehe), zu genießen bis wenigstens 2008.



909702 Riesling Schodener Herrenberg Spätlese (0,5 l) 2002 14,50 Euro
Noch etwas unzugänglicher, aber wunderschöner, klassischer edelsüßer Riesling von hervorragender Qualität aus dieser großartigen Saarlage, aus der 99 der fast schon legendäre „Contes” vinifiziert wurde. In der Nase charakteristische, expressive Rieslingaromen (Weinbergspfirsich, gelbe, exotische Früchte), auf der Zunge ungemein füllig, dicht, frisch, großartiges Spiel Süße-Säure, feinste, seidige, zarte Fruchtsüße, faszinierende, hochfeine Mineralität, ausgezeichnete Struktur, wunderschöne Balance, sehr lang anhaltend, in ein bis zwei Jahren ein Schmeichler der Sinne, eine Verkörperung der unvergleichlichen Sinfonie großer Schieferlagen der Saar, zu genießen 2004 bis mindestens 2012.



909302 Riesling Ockfener Bockstein Spätlese 2002 (0,5 l) 16,50 Euro
Von einer der Traumlagen der Weinanbauregion Saar im ursprünglichen alten Bockstein, die der Vorbesitzer aufgrund der extremen Steilheit nicht mehr bearbeiten wollte, mit seinem eher rötlichen, erzdurchwachsenen Schiefer kommt diese Labsal der Seele, eine gelungene Symbiose, eine Liebesbeziehung gar zwischen der Rieslingfrucht und dem Schiefer, ein spektakulär gut gelungener Saarriesling allererster Güte! In der Nase eine hochfeine Mineralität und ein komplexes Aromenspektrum (Pfirsich, Cassis, Limone und Maracuja, selbst Anklänge von Stachelbeeren), am Gaumen füllig, dicht, konzentrierter noch als sein Pendant vom Herrenberg, aber auch sehr elegant und finessenreich, Schmelz, subtiles Spiel Süße-Säure, geschmeidig, nachhaltige mineralische Rasse und zarte Würze, großartige Länge, zu genießen ab sofort bis mindestens 2012.



908802 Riesling Schodener Herrenberg Auslese 2002 (0,5 l) 27,90 Euro
Schöne Konzentration im vielschichtigen, zart honigwürzigen Bukett, reife, klare Frucht, kandierte Zitrusfrüchte, Pfirsich, Ananas, Maracuja und Aprikosen, im Mund dicht, tief, cremig, sehr elegant, tolles Spiel zwischen der rassigen Säure und der süßen Frucht, beeindruckende Frische, wunderbare Balance, mineralisches Spiel, sehr harmonisch, herrlich reintönige Auslese, im langen Nachhall öffnet sich ein wahres Pfauenrad an betörenden Aromen; zu genießen 2005 mindestens 2020.



908702 Wiltinger Schlangengraben Riesling feinherb 2002 (0,5 l) 16,50 Euro
Eine nominell zwar halbtrockene,, aber fast „trocken” schmeckende Rieslingrarität, von sehr alten, wurzelechten Rebstöcken, die vor 1893 gepflanzt, wurden, feinst verwobenes, rassiges Aromenspektrum in der Nase (Pfirsich, Aprikosen, Mandarinen), am Gaumen extraktreich, ungemein dicht, konzentriert, dennoch elegant, ja von weicher, femininer Stilistik, sehr harmonisch, ausgesprochen saftige, rassige Frucht, großartige, feingliedrige, zart mineralische Struktur, sehr nachhaltig, ein kleines Weinmonument, zu genießen jetzt bis 2010.



909402 Wiltinger Schlangengraben Riesling Auslese 2002 (0,5 l) 29,00 Euro
Noch sehr zurückhaltend in der Nase, am zweiten Tag kristallisiert sich ein rassiger Duft heraus von Pfirsich, Ananas und Grapefruit, unterlegt von einer feinen Mineralität, am Gaumen keinerlei vordergründige Süße, stattdessen eine saftige Frucht und eine intensive Mineralität, ansprechende Säure, welche die Süße in beeindruckender Art und Weise abpuffert, viel Dichte und Fülle, Spiel, Finesse, Eleganz gleichermaßen, ausgewogen, harmonisch, balanciert. Man ist leicht verwirrt von dieser ungewöhnlichen Stilistik, sie vereint filigranen Saarcharakter und barocke Fülle gleichermaßen. In einer Blindprobe würde man sich fragen, woher dieser Wein kommt. Man testet, vergleicht, überlegt, findet keinen rechten Vergleichspunkt: Saar?, Wachau?, Rheingau, ein völlig eigenständiger Charakter, faszinierende traumhafte Auslese, zu genießen jetzt oder 2005 bis 2020.



908902 Riesling Schodener Herrenberg Beerenauslese 2002 (0,375 l) 75,00 Euro
Diese Wahnsinnsbeerenauslese entzieht sich jetzt, unmittelbar nach der Abfüllung, noch einer detaillierten Beschreibung, es ist ein großartiger meditativer Wein zum Träumen mit saartypischer Stilistik, eine phänomenale Essenz mit fülliger Opulenz, einer frischen ausgeprägten Säure, einer tollen Mineralität und einer fabelhaften Struktur, die jeden Liebhaber edelsüßer Kreszenzen in ihren Bann zieht. Das Faszinierende an dieser Beerenauslese ist, wie sie trotz ungeheurer Mächtigkeit infolge ihrer ausgeprägten Frische und ihrer großartigen Balance immer wieder zum nächsten Schluck animiert, ein Traum!