Saarlouis, 8. Juli 2003

Info

Neu im Programm:

Weingut Hirsch – Kamptal

Erster österreichischer Spitzenwinzer verwendet Schraubverschluss!

An der Mündung des Flusses Kamp in die Donau öffnet sich das Kamptal nach Südosten und damit auch dem Einfluss des pannonischen Klimas: Heiße Tage fördern die Reife der Trauben, während der Kaltluftzufluss aus dem nahen Waldviertel für kühle Nächte sorgt. Für Weinkenner ist das Kamptal ein Paradies, verleiht dieses spezielle Klima doch den Rieslingen und Grünen Veltlinern (die hier besonders „pfeffrig” ausfallen und über ein immenses Alterungspotential verfügen) zusammen mit einem großartigen Terroir – verwittertes Urgestein auf den Berglagen, das auf den Osthängen von Löss oder Lehm abgelöst wird – eine würzige, nuancierte Aromatik, ein feines Säurespiel, einen großen Aromenreichtum und einen kristallklaren, mineralischen Charakter.
Mittelpunkt der Region ist Österreichs größte Weinstadt Langenlois, ein Städtchen mit einem lieblichen, wohltuend „altmodischen“ Charme, das weinbauliche Wahrzeichen ist der markante Heiligenstein, der aus 200 Millionen Jahre altem Urgestein besteht und schon 1280 urkundlich als „Hellenstein” (Höllenstein) erwähnt wurde, als ein Berg also, auf den die Sonne „höllisch heiß” brennt. Zweifellos können sich die besten Gewächse der etwa ein halbes Dutzend zählenden Top-Pruduzenten des Kamptals qualitativ mit den großen Weinen der benachbarten Wachau messen.

Das in Deutschland noch am wenigsten bekannte dieser Spitzengüter ist einer DER Aufsteiger der letzten Jahre schlechthin innerhalb der österreichischen Winzerelite: das Weingut Hirsch.
„Ich hasse alles Eintönige und Austauschbare. Meine Weine sollen die Tradition und das Terroir unserer Region widerspiegeln, Eleganz und Finesse sind mir wichtiger als überkonzentrierte Monsterweine mit hohen Alkoholgraden, die hohe Punktebewertungen erzielen, aber keinen rechten Trinkgenuss aufkommen lassen. Entscheidend ist daher meine naturnah betriebene Weinbergsarbeit (extrem aufwändige Laubwerksarbeiten, Gründüngung und künstliche Bewässerung), die Trauben brauchen eine maximale physiologische Reife, dazu kommt eine extreme Auslese mit wenigstens vier Erntedurchgängen in jedem Ried. Im Keller vinifiziere ich ganz traditionell und vergäre ausschließlich spontan mit weineigenen Hefen, die in den einzelnen Rieden vorkommen und die den unterschiedlichen Charakter des jeweiligen Terroirs optimal herausarbeiten”.
Mit Verve vertritt der junge Johannes Hirsch, der nach ausgedehnten Lehr- und Wanderjahren mittlerweile seinen Vater als Kellermeister abgelöst hat, mit diesem zusammen jedoch das traditionsreiche Familiengut (gegründet 1878) leitet, seine Weinphilosophie, die wir in ähnlich sympathischer Form bei vielen Spitzenwinzern in aller Welt vorfinden.

Doch in einem unterscheidet sich Johannes von (fast) allen anderen großen Weinmachern, in seinem vehementen Plädoyer gegen den Naturkorken:
„Naturkorken ist infolge des Raubbaus in den Korkeichenwäldern in den letzten Jahren wie russisches Roulette geworden. Ich meine damit nicht nur die verkorkten Flaschen, die derart stinken, dass sie jedermann sofort als Kork erkennt. Nein, viel gefährlicher sind die vielen so genannten versteckten Korker, die nur ein Kenner des Weines bemerkt, dem auffällt, dass dem betreffenden Wein etwas fehlt, seine Frische, sein Aromenreichtum, seine Länge”.
Und die Konsequenz aus dieser allseits bekannten Problematik? „Ich möchte den Wein unverfälscht aus der Flasche ins Glas hinüberretten. Deshalb habe ich mich entschieden, ab sofort meine Spitzengewächse, in naher Zukunft auch meine ‘einfachen’ Weine, nur noch mit einem lebensmittelechten Schraubverschluss zu versehen, so dass der Geschmack des Weines immer reintönig, frisch und klar daherkommt, ohne jeglichen Ausfall einer Flasche”.

Ich merke, wie ich bei den Worten des jungen Hirsch innerlich mit mir ringe. Mir ist natürlich in den letzten Jahren die immer größer werdende Korkproblematik nicht verborgen geblieben. Und sinnvolle Abhilfe tut Not.
Gegen diese Erkenntnis rebelliert jedoch meine emotionale Seite, meine Weinseele schreit auf. Der mit einem Naturkork verschlossene Wein ist Gegenstand einer alten Trinkkultur, das Öffnen einer korkverschlossenen Flasche, solo getrunken oder beim Essen, ist mehr als nur unreflektierte Gewöhnung, es ist Teil eines genussvollen Rituals. Zudem ist der Flaschenverschluss eine Frage der Ästhetik.

Und wie entwickelt sich überhaupt ein mit einem Drehverschluss für alle Zeiten hermetisch verschlossener Wein? Natürlich weiß ich, dass es nur eine – bereits vor 30 Jahren von dem bekannten Bordelaiser Önologen Emile Peynaud widerlegte – Mär ist, dass Wein einen Naturkorken braucht, um zu reifen. Denn der Wein nimmt bei einer mit einem exzellenten Korken dicht verschlossenen Flasche keinen Sauerstoff durch den Korken auf, der Reifeprozess innerhalb der Flasche geschieht vielmehr mit Hilfe des im Wein eingeschlossenen Sauerstoffs. Diese Tatsache ändert nichts daran, dass jeder Kork irgendwann einmal undichter wird und der Wein dann schneller – anders? – reift.

Johannes Hirsch scheint meine Gedanken zu erraten: „Wir hatten vor kurzem eine Blindverkostung in der Wachau. 20 Jahre alte neuseeländische Weißweine haben wir degustiert, mit einem Drehverschluss aus einer Metalllegierung versehen, mit dem erstmals 1973 in Australien experimentiert wurde. Das Ergebnis: Die Weine schmeckten, als seien sie erst vier oder fünf Jahre alt, so frisch und fruchtig. Was für eine Haltbarkeit! (Vergleichbar wohl mit Berichten von alten Weinen, die man aus versunkenen Schiffen vom Meeresboden geborgen hat und die infolge des sie hermetisch abschließenden Wasserdruckes wesentlicher frischer schmeckten als im Keller gelagerte). Und deshalb habe ich mich entschieden, exakt diesen Verschluss ab sofort für meine Weine zu verwenden”.

Und wir haben uns entschlossen, ab sofort mit diesem engagierten Winzer und entschiedenen Streiter für eine neue Verschlusstechnik zusammenzuarbeiten. Nicht nur, weil auch bei Pinard meine Ansichten zum Naturkorken nicht uneingeschränkt geteilt werden (Meine Haltung sei romantisierend, wenn nicht gar mystifizierend, so wie dies Broadbent kürzlich in „Alles Über Wein” in einem Plädoyer als wesentliches Argument für den Naturkorken bei höherwertigen Weinen formuliert hat, und ein schöner Edelstahldrehverschluss auch unter ästhetischen Gesichtspunkten dem Korken zumindest ebenbürtig, so die jüngere Generation), außergewöhnliche Probleme erfordern außergewöhnliche Lösungen:

Der negativen Beeinflussung des Weingeschmacks durch den Naturkorken muss Einhalt geboten werden. Dieser komplexe Vorgang, bei dem mikrobiologische Prozesse im Korkmaterial eine entscheidende Rolle spielen (TCA = Trichloranisol heißt der Spielverderber, der für den „Korker” verantwortlich zeichnet), ist trotz jahrzehntelanger Forschung bis heute nicht richtig aufgeklärt, geschweige denn hat man Abhilfe schaffen können.
So haben alternative Verschlüsse eine eindeutige Berechtigung, auch wenn ich persönlich dem Naturkork nachtrauern werde, sollte er eines Tages ganz vom Markt verschwunden sein und ihn als ein faszinierendes Material betrachte, der vielen der von mir getrunkenen großen Weinen wohl auch zu einer Reifung verhalf, die mir sehr gefallen hat.

So hoffe ich, dass der Naturkorken in Zukunft wieder sicherer wird, insbesondere, wenn dem Raubbau in den Korkeichenwäldern Einhalt geboten wird. (Nicht nur) in der Zwischenzeit geben wir jedoch jungen Winzern, die in aller Konsequenz neue Wege gehen, eine Chance und werden die Entwicklung und Reifung dieser Weine kritisch begleiten und Sie darüber informieren.
Sie, liebe Kunden, laden wir herzlich ein, an diesem spannenden Experiment teilzunehmen („Wer nichts Neues probiert, kann keine neuen Erfahrungen sammeln”, Johannes Hirsch) und sich über garantiert korkfreie Flaschen erstklassigen Weines (Grüner Veltliner „Lamm” und Riesling „Heiligenstein”, die drei anderen Weine besitzen Kunststoffverschlüsse) im eigenen Keller zu freuen.
Und: alle trockenen Weine von Johannes und seinem Vater sind absolute Spitze, mit einem phantastischen Preis-Genussverhältnis, und werden ohne Prädikatsbezeichnungen abgefüllt.

Abschließend zu Ihrer Information die Bewertung der österreichischen Fachpresse für unser neues Kleinod aus dem Kamptal, da dieses in Deutschland – noch – relativ unbekannt ist:

„Der Name Hirsch ist Garant für höchste österreichische Weißweinqualität” postuliert der Weinguide Falstaff, Auflage 2002/3.
„Die Grünen Veltliner und Rieslinge von Vater Josef und Sohn Johannes Hirsch, Mitglieder in der Vereinigung der Österreichischen Traditionsweingüter, wachsen nur in den besten Lagen des Kamptals wie Heiligenstein, Gaisberg und Ried Lamm. Mehr ist eigentlich nicht zu sagen, außer vielleicht noch, dass durch gute Lagen allein noch kein guter Wein entsteht. Also wird naturnah bewirtschaftet, akribisch laubgearbeitet, konsequent ausgedünnt, mit hoher Stückzahl gepflanzt, nur ganztraubengepresst, ausschließlich mit natürlich vorkommenden Hefen vergoren und noch einiges mehr getan. Deshalb zählt das Weingut Hirsch zu den besten Weißweinproduzenten Österreichs” urteilt der Gault Millau 2003 und stuft unsere Neuaufnahme mit einigen anderen Spitzenweingütern wie Knoll, Loimer, Nigl oder Prager in die kleine Elite der österreichischen Topwinzer, übertroffen nur von F.X. Pichler und Hirtzberger.
Und ganz aktuell: Das Weingut der Familie Hirsch wurde „wegen kompromisslosem Qualitäts-Streben und Mut zu Innovationen” von www.winetimes.at gerade zu Österreichs „Weingut des Jahres 2003” gekürt!

Doch urteilen Sie selbst und wenn Sie dann noch die Preise vergleichen, dann werden die Gewächse von Hirsch fast konkurrenzlos günstig. Meine besondere Empfehlung!


701102 Grüner Veltliner 2002 (PK) 6,70 Euro
Zart mineralischer und pfeffriger Duft, Birnen und eine Spur Honig, verspielte Würze. Am Gaumen dicht, ausgewogen, fein balanciert, in keinster Weise aufdringlich, klare, feinsaftige Frucht, eine Spur Wachs, feinwürzig, wiederum mineralisch, ein „spritziger”, süffiger Veltliner, schöner Abgang, zu genießen jetzt bis 2006.



701202 Grüner Veltliner „Heiligenstein” (PK) 2002 9,90 Euro
Vom Fuß des Heiligensteins, der wohl besten Lage des Kamptals, stammt dieser elegante, feinwürzige, traumhaft schöne Essensbegleiter, pfeffriger Duft und Anklänge an Honigmelonen, ein Überschwang an feinduftigen Aromen. Am Gaumen fest gewirkte, stahlig trockene, phantastische Frucht (fast Rieslingcharakter), mineralisch und pfeffrig, dicht und dennoch sehr elegant, bemerkenswerter Abgang, zu genießen jetzt bis mindestens 2008.



701302 Grüner Veltliner „Lamm”, Alte Reben (DV) 2002 15,90 Euro
Weltklasseveltliner aus bis zu 50 Jahre alten Rebstöcken zu sagenhaft günstigem Preis. Ungemein komplexe Aromen, zurzeit dominieren leichte Zitrusanklänge, Aprikosen, Tabak und eine zarte Mineralität, am Gaumen dicht und opulent, dabei jedoch faszinierend elegant, finessenreich, cremig und weich, großartige Frucht, phantastischer Abgang. Zitieren möchte ich zu diesem Wein den sehr zurückhaltend bewertenden österreichischen Weinjournalisten Helmut Knall, für mich einer DER Experten, österreichische Weine betreffend, schlechthin, in seinem sehr empfehlenswerten Internerweinführer „En Primeur” auf www.wein-plus.de : „Tiefer, mächtiger Honigmelonenduft mit viel Spiel und feiner, leicht floraler Würze. Saftig und sehr stoffig im Mund, präsente Würze, mächtiger Körper, tiefgründig und von enormer Nachhaltigkeit, große Länge. Muss reifen, zu genießen bis 2020, 94-96 Punkte”. Dieser große Grüne Veltliner ist statt mit Naturkorken mit einem Schraubverschluss versehen!



701402 Riesling „Zöbing” (PK) 2002 9,90 Euro
Herrlich saftiger, animierender Riesling von schieferhaltigen Urgesteinsböden westlich des Heiligensteins, faszinierender, mineralischer Duft von Steinobst, Cassis, Pfirsich, Limone, Kräutern und einer Spur Honig (Keine Botrytis!). Am Gaumen trockene Frucht mit feiner Säure, dicht, harmonisch, balanciert, eher „kühle” Stilistik, kräuterwürzig, auch wieder Zitrusfrüchte, schöne Länge. Zu genießen ab sofort, Höhepunkt Ende 2004 bis 2012.



701502 Riesling „Heiligenstein” (DV) 2002 19,90 Euro
Ein großer Rivale bester Rieslinge aus der benachbarten Wachau, nur wesentlich preisgünstiger. Sehr intensiver, komplexer, verwobener, tiefer, mineralischer Duft nach Zitrusfrüchten, Steinobst und Kräutern. Am Gaumen traumhaft saftige Frucht, dicht, konzentriert, tief, stoffig, sehr mineralisch, herrliches Säuregerüst, ungemein elegant, wirkt noch extrem jung, Kräuterwürze und zart florale Aromen, beeindruckende, finessenreiche Länge. Toller Riesling mit großer Zukunft, nach mehrstündigem Dekantieren ab sofort genießbar, Höhepunkt 2005 bis 2015. Schraubverschluss!